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StartseiteInformationen am MorgenUngemütliche Aktionärsversammlung in Aussicht24.05.2018

Deutsche Bank Ungemütliche Aktionärsversammlung in Aussicht

Stellenabbau und Reduktion des Investmentbankings in Amerika: Der Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing hat einiges mit dem Konzern vor, um ihn wieder zu alter Größe zu führen. Auf der Hauptversammlung wird er Details seiner Strategie präsentieren.

Von Brigitte Scholtes

Christian Sewing, Privatkundenvorstand der Deutschen Bank, blickt am 19.05.2016 während der Hauptversammlung der Bank in der Festhalle in Frankfurt am Main (Hessen) in die Runde. (picture alliance / dpa/ Arne Detert)
Der neue Vorstandschef Christian Sewing auf einer Hauptversammlung im Jahr 2016 (picture alliance / dpa/ Arne Detert)
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Es wird wieder einmal eine turbulente Hauptversammlung werden – wie inzwischen fast üblich bei der Deutschen Bank. Schließlich tritt zum ersten Mal Christian Sewing als Chef vor die Aktionäre und wird ihnen seine Strategie erläutern, wie er die Bank umbauen und wieder zum Erfolg führen will. Sparen will er auf jeden Fall, die Kosten seien viel zu hoch, hatte er schon bei der Vorlage der Quartalsbilanz Ende April bei einer englisch-sprachigen Telefonkonferenz verkündet. Für den Rest dieses Jahres plane die Bank einen substanziellen Stellenabbau, vor allem im Investmentbanking, das schließe aber auch die unterstützenden Bereiche ein.

Und so machte dann auch gestern die Zahl von 10.000 Stellen die Runde, die angeblich abgebaut werden sollen, das wäre jede zehnte Stelle weltweit - eine Zahl, die die Bank bisher nicht bestätigt hat. Das Investmentbanking will das Geldhaus vor allem in Amerika reduzieren. Heute auf der Hauptversammlung erwarten die Aktionäre mehr Details als das, was der neue Chef am Tag nach seinem Amtsantritt im ZDF grob umrissen hatte:

"Insgesamt ist es, glaube ich, wichtig, dass wir die Balance der Bank und die Balance der Geschäfte so bekommen, wie wir es haben wollen, wir wollen ein starkes Privatkunden- und Firmenkundengeschäft, wir wollen ein starkes Asset Managementgeschäft. Dort haben wir in beiden Bereichen wirklich gute Fortschritte gemacht. Und wir wollen eine profitable Investmentbank, die insbesondere in Europa führend ist."

Zu alter Größe zurück?

In den Grundzügen ist diese Strategie richtig, glaubt Christoph Schalast, Bankenexperte der Frankfurt School of Finance and Management:

"Sie kann eben ohne Investmentbanking nicht international sichtbar sein, und wir brauchen eine Bank, die eben einen solchen Footprint hat, wie eben die Deutsche Bank das in der Vergangenheit hatte."

Zu alter Größe wird sie schwerlich zurückfinden. Wie tief sie gefallen ist, lässt sich allein am Aktienkurs ablesen. Der ist gestern auf unter 11 Euro gesunken. Die Aktie war einmal 108 Euro wert – das war vor elf Jahren. Doch die Aktionäre sollten dem neuen Management auch eine Chance geben, meint Schalast:

"Wenn das konsequent jetzt auch umgesetzt wird und nicht immer wieder schon nach einem halben, drei viertel Jahr Bedenken oder Zweifel an der Führung laut werden, dann kann das auch funktionieren."

Solche Zweifel hatte zuletzt auch Paul Achleitner geäußert: Der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bank hatte maßgeblich den Wechsel an der Spitze vorangetrieben. Der Brite John Cryan hatte zwar viel geschafft, vor allem die Bank von den größten Altlasten an Rechtsstreitigkeiten befreit. Doch am Geschäftsergebnis war das nicht abzulesen. Deshalb musste er gehen. an seine Stelle trat in einer eilends einberufenen Aufsichtsratssitzung am 8. April Christian Sewing. "Unprofessionell" sei dieses Vorgehen Achleitners gewesen, ist unter Aktionären zu hören.

Die häufigen Abgänge von Vorständen ließen Fragen aufkommen, ob es Defizite beim Auswahlprozess gebe, kritisiert Hans-Christoph Hirt, Chef des Aktionärsberaters Hermes. Er empfiehlt auch, man möge allmählich beginnen, die Nachfolge Achleitners zu prüfen. Dennoch wird der Aufsichtsratschef wohl noch nicht um seinen Job fürchten müssen. Sein Vertrag läuft ohnehin noch vier Jahre, und noch stehen die großen Aktionäre, also das Emirat Katar, der chinesische Mischkonzern HNA und die Fondsgesellschaft Blackrock hinter ihm. Ungemütlich aber dürfte die Aktionärsversammlung für ihn dennoch werden.

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