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StartseiteKommentare und Themen der WocheVon Demut immer noch keine Spur30.01.2020

Deutsche BankVon Demut immer noch keine Spur

Die Deutsche Bank habe sicher einige richtige Schritte zu ihrer Sanierung unternommen, kommentiert Brigitte Scholtes. Aber nur schwer verständlich sei, wie ein Vorstand bei einem Verlust von 5,7 Milliarden Euro in einem Jahr überhaupt an Boni denken könne.

Von Brigitte Scholtes

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Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main (dpa)
Misstrauen gegenüber den Versprechungen der Deutschen Bank sind gerechtfertigt, kommentiert Brigitte Scholtes (dpa)
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"Die Deutsche Bank ist auf gutem Weg"- das ist ein Satz, den man so oder ähnlich seit Jahren trotz Krise vom immer noch größten deutschen Geldhaus hört. Auch Christian Sewing beteuert das, der Deutsche-Bank-Chef versichert auch gern, dieses Mal sei es wirklich anders. Ist das aber so? Interessant ist zumindest, dass dies offenbar auch die Finanzmärkte inzwischen so sehen. Das zeigt sich am allmählich wieder steigenden Aktienkurs.

Zu Jubelstürmen besteht noch kein Anlass

Natürlich braucht das Geldhaus noch Zeit, damit sein Umbau Früchte trägt. Die sind an der heute vorgelegten Bilanz auf den ersten Blick nicht auszumachen. Erst wenn man die diversen "Bereinigungen" vornimmt, also auf das eigentliche Geschäft schaut, dann kann man vielleicht ein wenig Hoffnung schöpfen. Doch zu Jubelstürmen besteht noch kein Anlass. Denn vieles sind noch Absichtserklärungen, und wie stabil das Geschäft der Bank tatsächlich ist, das wird sich erst dann zeigen, wenn das Umfeld sich verschlechtern, die Konjunktur sich etwa eintrüben sollte. Und wenn es dann noch zu unerwarteten Schocks kommt, dann wackelt die ganze Strategie. Ein Risiko ist aktuell zu beobachten: das Coronavirus. Das könnte die Wirtschaft in Asien massiv beeinträchtigen. Ist die Bank dann widerstandsfähig genug? Das muss sie erst beweisen, damit sie bei ihren Kunden wirklich nachhaltig an Vertrauen gewinnt.

Glaubwürdiger Chef

Dem seit zwei Jahren amtierenden Chef Christian Sewing nimmt man ab, dass er sich mit ganzer Kraft der Sanierung des Geldhauses widmet. Er hat die richtigen Schritte getan, will sich wieder mehr auf die Kunden ausrichten. Und auch die Entscheidung, das Investmentbanking nicht ganz abzuschaffen, sondern nur zu stutzen, war richtig. Denn ohne Kapitalmarktkompetenz kann eine Bank wie sie nicht überleben. Die gehört zu ihrer DNA seit 150 Jahren, denn sie wurde damals gegründet, damit sie den deutschen Unternehmen den Weg ins Ausland ebnen konnte.

Immer noch keine Demut gelernt

Was aber unverständlich ist: Immer noch klaffen bei der Deutschen Bank Eigen- und Fremdwahrnehmung auseinander. Es ist schon schwer verständlich, dass an die Mitarbeiter Boni ausgeschüttet werden in einem Jahr, in dem unter dem Strich ein Verlust von 5,7 Milliarden Euro steht. Doch wie kann der Vorstand nach einem solchen Jahr überhaupt über einen Bonus nachdenken? Er verzichtet zwar auf die Hälfte, aber immer noch kassiert er 13 Millionen Euro. Das kann man dem Kleinaktionär, erst recht dem viel zitierten "Mann auf der Straße" nicht erklären. Und auch nicht einem kleinen Mittelständler: Wenn der hohe Verluste einfährt, dann wird gespart, überall. Doch eines haben die Deutsche-Bank-Manager offenbar immer noch nicht gelernt: Demut. Und solange das so ist, solange ist ein Misstrauen gegenüber ihren Versprechungen gerechtfertigt.

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