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StartseiteWirtschaft am MittagDer Handel wächst trotz Protektionismus 21.02.2018

Deutsche ExporteDer Handel wächst trotz Protektionismus

Die USA erwägen, zum Schutz ihrer Wirtschaft hohe Zölle auf Stahl- und Aluminium-Importe zu erheben. Gleichzeitig klagen deutsche Unternehmen immer vehementer, dass die chinesische Regierung ihnen den Marktzugang erschwert. Dabei geht der Großteil der deutschen Exporte weder in die USA noch nach China.

Von Mischa Ehrhardt

Die Sonne geht in Hamburg im Hafen hinter den Kränen der Containerverladung unter. (dpa / picture-alliance / Axel Heimken)
Die Sonne geht in Hamburg im Hafen hinter den Kränen der Containerverladung unter. (dpa / picture-alliance / Axel Heimken)
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Keine Frage: Ohne die USA würden die deutschen Exporte lange nicht so heiß laufen, wie sie das derzeit tun: Waren im Wert von gut 111 Milliarden Euro haben deutsche Unternehmen über den Atlantik in Richtung USA verschickt und verschifft.

Die USA sind das Exportziel Nummer eins. Und diese Ausfuhren könnten in Zukunft noch weiter steigen. "Weil in den USA der Arbeitsmarkt vollkommen ausgelastet ist; das heißt, die Kapazitäten in den USA sind am Anschlag", sagt Analyst Chris Zwermann von Zwermann Financial. "Mit anderen Worten: Man kann nicht mehr produzieren. Und das heißt, man muss all das, was man nicht selbst produzieren kann, importieren. Und deswegen wird noch sehr viel importiert werden in den USA."

Die Nachfrage nach Stahl ist weltweit hoch

Nur spricht dagegen wiederum, dass die USA daran arbeiten, Einfuhrbeschränkungen einzuführen – was beispielsweise Exporteuren aus der Stahlbranche das Leben erschweren könnte. Von dieser Seite allerdings sieht Zwermann zunächst keine allzu große Gefahr. "Ich glaube erst einmal, dass man das in dem Maße nicht durchsetzen kann. Weil es ist nicht so, als würde die Welt die Sachen nicht woanders hin verkaufen können. Die Nachfrage ist extrem hoch weltweit. Und wenn die USA das von sich aus verteuern und Blockaden aufbauen, dann werden sie das Problem haben, dass die Maßnahmen relativ schnell in der eigenen Wirtschaft negativ auffallen werden."

Wie auch immer - aus den Zahlen des Statistischen Bundesamtes geht auch hervor, dass Deutschland mit den USA den größten Exportüberschuss angehäuft hat. Das dürfte dem Mann im Weißen Haus ein Dorn im Auge sein - wettert er doch seit Langem gegen Länder, die mehr Waren in die USA verkaufen als von den USA einkaufen.

Der wichtigste Handelspartner unter dem Strich sind für Deutschland aber nicht die USA, sondern ist China. Waren im Wert von fast 190 Milliarden Euro sind zwischen den Ländern gehandelt worden. Allerdings haben chinesische Unternehmen mehr Waren nach Deutschland geliefert als umgekehrt. Diese Tatsache stimmt mit Klagen überein, dass es Unternehmen mitunter schwer haben, Markzugang nach China zu bekommen.

Potenzial den USA wehzutun

Jedenfalls sind die Warenströme zwischen Amerika, China und der Europäischen Union als Ganzer immens. Mögliche Handelsbeschränkungen seitens der USA würden wohl klare Reaktionen mit sich bringen – und damit auch den USA schaden. "Die Europäische Union ist ein wichtiger Handelspartner; die Chinesen sind ein wichtiger Handelspartner der Amerikaner. Die beiden können sich durchaus wehren. Die haben durchaus Möglichkeiten, zurückzuschießen, immer im Kopf habend: Man tut sich damit auch selber weh. Aber wir haben durchaus das Potenzial, den Amerikanern auch wehzutun", sagt Patrick Franke von der Landesbank Hessen-Thüringen, Helaba.

Bei all den Diskussionen über mögliche Zölle oder die Gefahr von weltweiten Handelskriegen sollte man aber nicht vergessen, dass der Großteil der deutschen Exporte keine weite Reise macht: Denn rund 60 Prozent aller deutschen Exporte gehen in die Länder der Europäischen Union.

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