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StartseiteKommentare und Themen der WocheLasst endlich die Haus- und Betriebsärzte ran06.03.2021

Deutsche ImpfbürokratieLasst endlich die Haus- und Betriebsärzte ran

Die skandalös langsame Impfstrategie in Deutschland müsse neu aufgestellt werden, kommentiert Tobias Betz. Das Konzept "Impfzentrum" mit Online-Terminvergabe funktioniere nur schleppend. Hausärzte und Betriebsärzte der Firmen könnten das viel schneller, wenn man sie nur lasse.

Ein Kommentar von Tobias Betz

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Mitarbeiterinnen eines mobilen Impfteams bereiten im Dorf-Vereinshaus Seidewitz hinter der Theke die Impfdosen für die Corona-Schutzimpfung auf. Zusätzlich zu den Terminen im Impfzentrum des Burgenlandkreises besteht für alle über 80-jährigen nun die Möglichkeit sich in den Einheitsgemeinden sowie Städten des Landkreises impfen zu lassen. (picture alliance / dpa / Hendrik Schmidt)
Die derzeitige deutsche Impfstrategie geht nicht auf, meint Hauptstadtkorrespondent Tobias Betz (picture alliance / dpa / Hendrik Schmidt)
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Die Impfkampagne in Deutschland verläuft schleppend, die Kritik an CDU-Gesundheitsminister Jens Spahn wächst – auch unionsintern. Immerhin: Im Einzelhandel gibt es nun die ersten Selbsttests und auch immer mehr Unternehmen schalten sich ein. Sie wollen ihre Mitarbeiter jetzt selbst impfen. Vorbild für die Effizienz: Die USA. Tobias Betz kommentiert.

Das war klar, dass sich auch irgendwann einmal die Wirtschaft zu Wort meldet und da nicht länger zuschaut. Immer mehr Unternehmen wollen die Sache jetzt selbst in die Hand nehmen und ihre Leute mit Hilfe ihrer Betriebsärzte endlich impfen. Und das ist völlig richtig so!

Es ist überhaupt erstaunlich, dass sich die Wirtschaft die klägliche Umsetzung der Impfstrategie von EU, Bund und auch Bundesländern so lange angesehen hat. Denn die Impfquote ist beschämend. Klar ist: Es ist die Bürokratie, die einer effizienten Impfstrategie vollkommen im Weg steht.

Zu viel Bürokratie

Natürlich läuft gerade wegen der Bürokratie vieles gut und richtig in Deutschland. Aber die Corona-Krise zeigt auch: Sie verlangsamt dort, wo es schnell gehen müsste, zu sehr geht es um Verantwortlichkeiten und um Kompetenzen zwischen Bundesministern, Ministerpräsidenten, Bürgermeistern, Landräten, Europäischer Kommission…

Schluss damit. Die Impfstrategie muss neu aufgestellt werden! Geht es so skandalös langsam weiter, dann schwappt die dritte Welle über uns herein. Das könnte Deutschland noch verhindern. Auf zwei Säulen sollte nun die Strategie stehen.

Erste Säule: der Schutz der vulnerablen Gruppen und der Älteren. Er muss an erster Stelle bleiben. Dafür muss immer Impfstoff vorhanden sein. Aber – hier sollten vor allem die Hausärzte endlich impfen können – das Konzept "Impfzentrum" mit Online-Terminvergabe funktioniert ja auch nur schleppend.

Dafür braucht es die zweite Säule: die Wirtschaft. Denn wir verlieren zu viel Zeit mit der Kategorisierung, mit Diskussionen über Schnelltests, Selbsttests, PCR-Tests, Schließungen und Öffnungen, Stufenplänen und auch mit Diskussionen über Sanktionen, weil irgendwo irgendein Bürgermeister drängelt.

Im Bild ist eine Dose mit dem Covid-19 Impfstoff von Astra Zeneca gehalten von einer Hand in einem Gummihandschuh zu sehen.  (imago / ImageLabz) (imago / ImageLabz)"Wir brauchen dringend eine weltweite Impfstrategie"
"Wenn wir nicht nur auf den eigenen Bauchnabel schauen, haben wir eine Chance das Virus möglichst schnell auszurotten", sagte der SPD-Politiker Udo Bullmann im Dlf. Die EU dürfe nicht nur die eigenen Interessen im Blick haben, kritisierte der langjährige Europaabgeordnete und forderte eine weltweite Impfstrategie.

Wer das doof findet, soll ihn halt einfach nicht mehr wählen. Jetzt geht es darum, schnell und viele zu impfen. Also gebt den Impfstoff frei. Gebt ihn denen, die arbeiten müssen! Die hier das Bruttosozialprodukt erwirtschaften. Die raus aus dem Lockdown müssen! Damit sie wieder effizient arbeiten können!

Positivbeispiel USA

Schauen wir in die USA. Die sind sogar schneller als erwartet. Dort gibt es Impf-Drive-ins. Also: Mit dem Auto in die Schlange, Arm raus, Spritze rein, nächster! So geht’s schneller voran! Impft endlich schneller, impft in den Werken, in den Schulen, auf den Arbeitsämtern, und so weiter.

Beim Einschränken von Grundrechten ging es schnell – um es klar und deutlich zu sagen: Es sind bittere, aber notwendige Einschnitte. Doch genauso müsste die Politik nun bei der Impfung verfahren: Bürokratie umgehen und endlich die, die näher am Menschen sind, einbinden – unsere Wirtschaft und unsere Hausärzte!

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