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StartseiteCampus & KarriereDeutsche Professoren lehren in armen Staaten22.02.2006

Deutsche Professoren lehren in armen Staaten

Konzept des Braunschweiger Chemikers Müfit Bahadir von der UNESCO ausgezeichnet

Bis zum Jahr 2014 haben die Vereinten Nationen das Jahrzehnt der "Bildung für nachhaltige Entwicklung" ausgerufen. Ein Konzept des Braunschweiger Chemikers Müfit Bahadir hat jetzt auf der Bildungsmesse "Didacta" in Hannover eine Auszeichnung als offizielles Dekade-Projekt erhalten. Ein Professoren-Service soll nach seinem Vorschlag ärmere Länder unentgeltlich in Fragen des Umweltschutzes beraten.

Von Hans-Peter Fischer

Die UNESCO will nachhaltige Entwicklung fördern. (AP)
Die UNESCO will nachhaltige Entwicklung fördern. (AP)

"Senior-Professor-Service für Nachhaltigkeit und Chemikaliensicherheit" - so heißt das Projekt von Müfit Bahadir. Das Konzept des Chemieprofessors von der TU Braunschweig: Ältere deutsche Dozenten unterrichten in armen Ländern unentgeltlich Chemiker, speziell in Sachen Umweltschutz und zukunftsorientierte Entwicklung.

" Wir sind auf die Idee dadurch gekommen, dass die chemische Industrie sich gerade weltweit sehr stark globalisiert und dabei in Länder geht, in denen die Umweltstandards möglicherweise nicht den unseren entsprechen."

Diese Standards zu heben, das erforderliche Wissen zu vermitteln - das ist ein Ziel von Müfit Bahadir und seinen Mitstreitern von der Gesellschaft Deutscher Chemiker. Derzeit suchen sie nach Partnerhochschulen vor allem in Asien und Afrika. Ein Kooperationsvertrag mit der Gadjah Mada Universität im indonesischen Jokjakarta wird demnächst unterzeichnet. Die deutschen Chemieprofessoren haben gezielt eine Elitehochschule ausgewählt. Das soll auch in anderen Staaten so bleiben, sagt Bahadir.

" Wir wollen als Hilfe zur Selbsthilfe die Multiplikatoren als Schlüsselfiguren in der Nachhaltigkeitsentwicklung dieser Länder besonders fördern und ihr Wissen und ihr Umweltbewusstsein in den Vordergrund stellen. Und hoffen, dass sie dann natürlich soziale Kompetenzen der Nachhaltigkeit in ihren Ländern aufbauen."

Zielgruppe des Aufbaustudiengangs sind Bachelor der Chemie, aber auch andere Naturwissenschaftler. Auf dem Stundenplan stehen unter anderem Umweltchemie, Emissionsminderung, Abwasserwirtschaft oder Umweltinformatik. Das Programm wird auch als Fernstudium angeboten. Am Ende erwerben Studierende einen Doppel-Master, einen an der einheimischen Hochschule, einen an der deutschen Partneruni. Die erlernten Kompetenzen gehen weit über den Umweltschutz hinaus.

" Die nachhaltige Entwicklung ist ja nicht nur die Vermeidung von Schadstoffen in der Umwelt, sondern nachhaltige Entwicklung ist natürlich auch die Nutzung von eigenen Ressourcen, nachwachsenden Ressourcen, dass man, wenn das Ära des Mineralöls in dreißig, vierzig Jahren ausgeht, dass man dann immer noch mit diesen nachwachsenden Ressourcen, gerade in diesen Ländern, Entwicklung machen kann."

Überzeugungsarbeit für Umweltschutz und zukunftsorientierte Entwicklung - das sei in armen Ländern oft gar nicht notwendig, sagt Müfit Bahadir. Vielerorts seien die negativen Folgen ungebremster Ausbeutung und rücksichtsloser Produktion nur zu offensichtlich. [Jüngste Beispiele: Die erneute chemische Vergiftung eines Flusses in China oder Erdrutsche in Indonesien.] Der Senior Professor Service wird bei minimalen Kosten wertvolles Wissen vermitteln. Deshalb erklärte die deutsche UNESCO-Kommission die Idee zum offiziellen Bildungsdekaden-Projekt. Der Vorsitzende des deutschen Komitees für die UN-Dekade, Gerhard de Haan hebt unter anderem hervor, dass das Programm ältere Experten einbinde.

" Sie haben wahnsinnig viel Erfahrung und die brachliegen zu lassen, nur weil jemand 65 ist, halten wir für richtig idiotisch. Zweitens ist das Projekt interessant, weil diese Gruppe, hochqualifizierte Menschen im Sinne von Umweltfragen, Nachhaltigkeit sich international positionieren, das heißt sie bringen Kompetenzen in die Welt hinein, das ist gar nicht zu überschätzen in Bezug auf die Bedeutung, die das ganze hat, von daher ein Topp-Projekt."

Müfit Bhadir hat bereits viele Anfragen von Chemieprofessorenkollegen. Er selbst plant ebenfalls, kurz vor oder nach seiner Pensionierung im Ausland zu unterrichten. Zuvor wird er allerdings noch ein paar Jahre an der TU Braunschweig lehren - und derweil das Programm Senior Professor Service koordinieren.

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