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StartseiteUmwelt und VerbraucherAlarmierende Nitratbelastung 14.07.2015

Deutsche WasserqualitätAlarmierende Nitratbelastung

Gülle, synthetischer Dünger und Mist werden als Stickstoff-Lieferant auf den Acker oder die Weide gekippt. Doch so viel Stickstoff, wie auf dem Boden landet, brauchen die Pflanzen nicht zum Wachsen. Der Überschuss gerät in Flüsse und Grundwasser. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft sorgt sich um die Wasserqualität in Deutschland.

Von Dieter Nürnberger

Ein Landwirt in Niedersachsen bei Hoopte bringt Gülle aufs Feld. (picture alliance / dpa)
Bereits im Oktober 2013 hat die EU-Kommission ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland einleitete, weil der empfohlene Nitrat-Grenzwert hierzulande ständig überschritten wird. (picture alliance / dpa)
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Zuviel Nitrat im Grundwasser

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft, kurz BDEW, legte heute keine neuen Zahlen vor, vielmehr beruft er sich auf Statistiken der EU-Kommission, wonach in Deutschland mehr als ein Viertel der rund 1.000 Grundwasserkörper wegen zu hoher Nitratbelastung nicht in einem guten Zustand ist. Und fast die Hälfte dieser Messeinheiten der Grundwässer würde bereits Nitratgehalte zwischen 25 und 50 Milligramm pro Liter aufweisen - und das ist schon recht nah am Grenzwert der EU-Wasserrahmenrichtlinie, der eben bei 50 Milligramm pro Liter liegt.

Und da die Statistiken zeigen, dass der Nitratgehalt weiterhin in vielen Regionen in Deutschland steigt, sei die Lage inzwischen alarmierend, so die Einschätzung von Jörg Simon, dem Vizepräsidenten des BDEW und Vorstandschefs der Berliner Wasserbetriebe.

"Selbst wenn ab sofort kein Nitrat mehr in den Boden eingebracht würde, kann es Jahrzehnte dauern, bis der Nitratgehalt im Grundwasser wieder abnimmt. Deutschland ist derzeit mit sehendem Auge dabei, einen Standortvorteil zu verspielen: Das zumeist ohne technische Aufbereitung hervorragende Trinkwasser als Naturprodukt. Um dieses beneiden uns viele Länder, vor allem auch in Europa."

Kritik an zögerlicher Umsetzung

Die heutige Hauptkritik des BDEW zielt auf die zögerliche Umsetzung der Novellen der Dünge-Verordnung und des Dünge-Gesetzes. Beides muss schnell reformiert werden, darauf dringt auch die EU. Doch derzeit lasse man sich zu viel Zeit damit, so der BDEW. Und es gibt auch konkrete Kritik an den letzten Entwürfen aus dem federführenden Bundeslandwirtschaftsministerium. Im Mittelpunkt steht hier die geplante Hoftorbilanz, wonach Landwirte detailliert ihren Verbrauch und Einsatz von Stickstoff als Dünger dokumentieren müssten. Doch ob diese Maßnahme umgesetzt wird, sei bisher nicht klar, sagt BDEW-Vize Jörg Simon:

"Der BDEW fordert daher das Bundeslandwirtschaftsministerium auf, die Festlegung der Hoftorbilanz im Entwurf zu regeln. Und die Umsetzung nicht noch länger hinauszuschieben. Auch ein anderer Aspekt im aktuellen Entwurf der Verordnung hätte Verzögerungen zur Folge: Dabei geht es um die Klärung, was genau in nitrat-gefährdeten Gebieten geschehen soll. Während die EU-Richtlinie eine Trendumkehr ab 25 Milligramm Nitrat pro Liter vorsieht, plant dies der aktuelle deutsche Entwurf erst ab 40 Milligramm. Ein Betrag sehr knapp vor dem Grenzwert. Aus unserer Sicht stellt dies nicht die von der EU geforderte Trendumkehr dar, sondern lediglich eher eine Gefahrenabwehr-Maßnahme."

Die Folgen der intensivierten Landwirtschaft

Mit dieser Kritik steht der BDEW nicht allein. Derzeit beanstanden auch viele Umweltverbände das zögerliche Verhalten des zuständigen Ministeriums. Gerade die Hoftorbilanz wird als Grundstein einer effizienteren Kontrolle des Düngeeinsatzes gesehen. Reinhild Benning ist die Agrarexpertin des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland, BUND.

"Weil dann jeder Betrieb genau auflistet, wie viel Nährstoffe am Hoftor in den Betrieb hineinkommen und wie viel ihn später wieder verlassen. Etwa in Form von Getreide, Milch oder Fleisch. Die Differenz zeigt, wie effizient ein Hof mit Nährstoffen umgeht. Denn die Differenz zeigt, wie viele Nährstoffe entweder in das Grundwasser abgegangen sind, oder als Ammoniak in die Luft abgegeben werden. Somit kann man bei jedem einzelnen Betrieb beraten - wo die Verluste auftreten und wie die Verlustquellen abzustellen sind."

Laut Ansicht des BUND und auch des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft hängen die steigenden Nitratkonzentrationen in vielen Regionen Deutschlands vor allem auch mit der intensivierten Landwirtschaft zusammen, Stichwort Massentierhaltung. Ebenso aber auch mit dem wachsenden Anbau von Mais als Energie- und Futterpflanze. Ein Ausweg aus dieser Entwicklung sei daher auch die Steigerung des ökologischen Landbaus - derzeit hat dieser in Deutschland einen Anteil von rund 8 Prozent. Wünschenswert, so der BDEW, wäre eine Steigerung auf einen Anteil von 20 Prozent in den nächsten Jahren.

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