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StartseiteCampus & KarriereAuslandsjahre in Zeiten der politischen Konfrontation02.01.2020

Deutscher Akademischer AustauschdienstAuslandsjahre in Zeiten der politischen Konfrontation

Joybrato Mukherjee hat Margret Wintermantel als Präsident des Deutschen Akademischen Austauschdienst abgelöst. Der Wechsel kommt in einer Zeit, in der politische Konflikte Auslandsjahre erschweren. Der Austausch auch mit Menschen aus undemokratischen Ländern sei enorm wichtig, betonen alte und neue Spitze.

Von Stephanie Gebert

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Messebesucher informieren sich in Berlin auf der Schüleraustausch-Messe über einen Jahresaufenthalt in den USA. (imago / Maurizio Grambini)
Viele Austauschprogramme führen in die USA, der Präsident des Landes, Donald Trump, steht jedoch nicht für Internationalismus (imago / Maurizio Grambini)
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Geh‘ raus in die Welt, studiere im Ausland, erweitere deinen Horizont, verbessere deine Sprachkenntnisse und Karrierechancen – das sind die Slogans, mit denen der DAAD wirbt – zum Beispiel in einem Videoclip aus dem Jahr 2011. Nur wenige Wochen später übernahm Margret Wintermantel das Ruder beim Deutschen Akademischen Austauschdienst in Bonn. Einer Organisation, die seit ihrer Gründung vor 95 Jahren fast 1,5 Millionen Frauen und Männer gefördert hat. Sie vergibt Stipendien an deutsche Studierende und Forschende, die ins Ausland wollen – aber auch an Ausländerinnen und Ausländer, die es an deutsche Hochschulen zieht. Das Ziel des DAAD: internationaler wissenschaftlicher Austausch auf hohem Niveau:

"Wir sagen, wir fördern die Besten und meinen damit: Wir fördern die jungen Leute, die Potenziale haben, die wirklich verantwortlich unterwegs sind. Wir versuchen herauszufinden, wo Potenziale sind und die entsprechend zu fördern", erklärt Wintermantel.

Die studierte Sozialpsychologin ist selbst in einer frankophilen Familie groß geworden. Für ihre wissenschaftlichen Arbeiten sei der konstruktive Austausch mit US-Forschern wichtig gewesen. Wandel durch Austausch – dieses Motto hat sich nicht nur sie, sondern auch der DAAD auf die Fahnen geschrieben. Allerdings: In Zeiten, in denen Donald Trump in den USA, Wladimir Putin in Russland, oder auch Boris Johnson in Großbritannien die internationale Politik durcheinanderwirbeln, wird diese Aufgabe nicht einfacher. Gerade der aufkeimende Nationalismus bereite ihr große Sorgen, sagt die bisherige DAAD-Präsidentin Wintermantel.

"Wir haben über die Jahre hinweg es für selbstverständlich gehalten, dass wir transnational denken, dass wir internationale Kontakte pflegen, dass wir miteinander versuchen, Konzepte zu entwickeln, und dass das plötzlich so infrage gestellt wird, das beschäftigt mich schon."

Brücken auch zu undemoktratischen Ländern

Mehr als je zuvor, müsse der Deutsche Akademische Austauschdienst Brücken bauen – auch in Länder, in denen die Regierung sich nicht an demokratische und rechtsstaatliche Regeln halte, meint die 72-jährige:

"Ich denke, wir müssen die Türen offenhalten für den Diskurs auch mit Menschen aus anderen Systemen, die andere Vorstellungen haben. Das, glaube ich, ist einfach eine wichtige Sache. Wir würden uns selbst schaden, wenn wir die Türen zuschließen würden."

Der neue Vorsitzende des DAAD: Joybrato Mukherjee. (dpa)Der neue Vorsitzende des DAAD: Joybrato Mukherjee (dpa)

Dem kann Joybrato Mukherjee nur beipflichten. Der 46-jährige Anglist steht für einen Generationswechsel an der Spitze des Deutschen Akademischen Austauschdienstes und ist gerade viel zwischen der DAAD-Zentrale Bonn und Gießen unterwegs, wo er seit zehn Jahren als Präsident der Justus-Liebig-Universität arbeitet. Mukherjee war bisher Stellvertreter der DAAD-Präsidentin und ist seit dem 1. Januar 2020 offizieller Nachfolger auf dem Chefsessel. Auch Mukherjee sieht den DAAD heute mehr den je in der Pflicht, gerade mit schwierigen Partnerländern den Kontakt weiter zu pflegen. Nur bei einer prekären Sicherheitslage – wie etwa in Afghanistan – müsse die Zusammenarbeit dann teilweise auf Eis gelegt werden, sagt er:

"Oder wenn eine Zusammenarbeit ein autoritäres oder totalitäres Regime eher stabilisiert. Aber eins ist klar: Unser Slogan beim DAAD lautet: Change bei Exchance. Wir setzen im Kern zuerst immer darauf, dass Austausch immer gut, richtig und wichtig ist. Dass wir dadurch auch einen Wandel herbeiführen können. Gerade auch mit schwierigen Partnerländern."

Strategische Partnerschaften

Mukherjee will den DAAD für die Zukunft als eine Art Thinktank – als eine Denkfabrik – aufstellen. Denn die Internationalisierung der Universitäten und anderer Hochschulen sei inzwischen viel strategischer ausgerichtet als früher, sagt er. Weil der DAAD auf ein weltweites Netzwerk zurückgreifen könne, werde seine Funktion als Berater immer wichtiger, und zwar vor allem für die kleineren Hochschulen. Die würden sich mittlerweile – genauso wie die großen Unis – die Frage stellen:

"In welchem Land lohnt es sich für mich? In welchem Land gibt es welche Einrichtung, die ein ähnliches Interesse wie ich hat? Was kann man tun, um eine strategische Partnerschaft peu à peu aufzubauen. Da sehe ich eine besondere Aufgabe für den DAAD."

Dafür, das gibt die bisherige Präsidentin Margret Wintermantel ihrem Nachfolger mit auf den Weg, braucht es Beharrlichkeit. Nicht nur bei den Partnern im Ausland, sondern auch im eigenen Land und im Austausch mit der Bundespolitik. Der DAAD, dessen wichtigste Geldgeber das Auswärtige Amt, das Bundesbildungsministerium und das Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit sind, müsse sich als bedeutende Förderorganisation immer wieder behaupten, sagt Wintermantel. Und dafür brauche es Haare auf den Zähnen, die auch sie als Präsidentin immer wieder zeigen musste. "Ja, ich glaube ich bin ziemlich hartnäckig", sagte sie im Dlf.

Dazu passt, was die künftige Präsidentin a.D. verspricht: Dass sie weiter für die Ziele des DAAD werben und dessen Botschafterin bleiben werde– auch im Ruhestand:

"Zu sagen: Hier Leute, das sollten wir machen, das ist vernünftig, das wird unsere Leistungsfähigkeit steigern. Wir sollten das tun. Noch mal: Ich setze auf Überzeugung. Ob ich manchen Leuten damit auf die Nerven gehe, weiß ich nicht."

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