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Deutscher Journalisten-Verband zur DFB-PräsidentDJV kritisiert Grindels Interview-Abbruch als "befremdlich und unüblich"

DFB-Präsident Reinhard Grindel schiebt sich seine Brille zurecht. (pictures alliance / dpa / augenklick / firo Sportphoto)
DFB-Präsident Reinhard Grindel (pictures alliance / dpa / augenklick / firo Sportphoto)

Viel Spott, Kritik und Häme muss sich DFB-Präsident Grindel derzeit gefallen lassen. Er hat ein Interview mit der Deutschen Welle abgebrochen - offenbar, weil ihm die Fragen des Reporters zu kritisch waren. "Befremdlich und unüblich" findet der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) so ein Verhalten, auch in den Sozialen Medien regt sich Empörung.

Der DJV-Vorsitzende Frank Überall hat für den abrupten Interviewabbruch von Reinhard Grindel wenig Verständnis. "Das ist befremdlich und unüblich, gerade Grindel als ehemaliger Journalist müsste doch wissen, dass in solchen Gesprächen nicht immer nur freundlich gefragt wird", sagte Überall auf Anfrage des Deutschlanfunks. "Ich verstehe nicht, wie ihm als Kommunikationsprofi so etwas passieren kann." Gerade vor dem Hintergrund, dass der Deutsche Fußball-Bund gemeinnützig sei, trage Grindel eine besondere Verantwortung gegenüber der Öffentlichkeit. "Nur weil ihm einige Fragen nicht passen, kann er ein Interview nicht einfach abbrechen", so Überall. 

Zumindest einen positiven Nebenffekt kann der DJV-Vorsitzende dem Vorfall abgewinnen: "Grindels Unwille, über gewisse Themen zu sprechen wird jetzt wahrscheinlich nur dazu führen, dass besonders viele Journalisten gerade darauf aufmerksam werden und genau dazu recherchieren." Hier habe man es mit dem sogenannten Streisand-Effekt zu tun - der Versuch, unliebsame Informationen zu unterdrücken, bewirke das Gegenteil und fühet dazu, dass diese erst recht bekannt würden.

Keine Lust auf kritische Fragen

Die Deutsche Welle hatte sich im Vorfeld des am Freitag in Miami beginnenden FIFA-Council mit Grindel in der Frankfurter DFB-Zentrale zu einem Interview verabredet um zu erfragen, mit welchen Erwartungen der Deutsche Fußballbund in die Beratungen geht. Zunächst beantwortete Grindel ausführlich alle Fragen zur geplanten Reform der Klub-WM. Dann aber will DW-Journalist Florian Bauer über die von FIFA-Präsident befürwortete und höchst umstrittene globale Nations League sprechen. Immer wieder hakt Bauer nach, doch Grindel wich aus, wirkte zunehmend genervt - und brach das Gespräch dann forsch  und entrüstet ab.

Für den DJV-Vorsitzenden Überall sind solche kritische Reaktionen darauf gut nachvollziehbar: "Wer sich in dieser Art und Weise unprofessionell verhält in der Öffentlichkeit, der muss damit rechnen, dass er in den Sozialen Medien veralbert wird." Schließlich könne Grindel nicht erwarten, der Welt nur "Schönwetterpositionen" zu präsentieren. "Unabhängiger und kritischer Journalismus bedeutet nun mal Fragen, auf die man nicht vorbereitet ist, die überraschend und kritisch kommen", betonte Überall. "Daran erkennt man gut den Unterschied zum PR-Kanal des DFB." 

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