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StartseiteKultur heuteNeues Institut an der Ruhr statt am Rhein?10.03.2020

Deutsches FotozentrumNeues Institut an der Ruhr statt am Rhein?

Nicht in Düsseldorf, wie die Stadt gehofft hatte,sondern in Essen soll das geplante Bundesinstitut für Fotografie entstehen. Das hat heute eine unabhängige Expertinnenkommission Kulturstaatsministerin Monika Grütters empfohlen. Und dabei auch die Aufgaben des Fotozentrums beschrieben.

Thomas Weski im Gespräch mit Stefan Koldehoff

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Das Bild zeigt einen Tisch voller alter schwarz-weiss Fotos sowie die Hände von Senioren, die Bilder auswählen. (imago stock&people)
Nicht allein Kunst: Das Bundesinstitut für Fotografie soll sich grundsätzlich um alle Bildformen kümmern. (imago stock&people)
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Acht Monate ist es her, seit in Berlin – bei einer öffentlichen Veranstaltung in der "Akademie der Künste" – die Idee geboren wurde, ein "Bundesinstitut für Fotografie" oder kürzer: Deutsches Fotozentrum zu gründen. Kein neues Museum, davon hat dieses Land eine ausreichende Zahl, sondern ein Ort, an dem das visuelle Gedächtnis und Kulturerbe der Republik gesammelt, restauriert, konserviert, erforscht werden kann – in Zusammenarbeit mit bestehenden Instituten. Nachlässe von Fotografinnen und Fotografen etwa, die sonst über den Kunsthandel verstreut werden könnten oder gar im Müll landen, wenn an ihnen kommerziell eher wenig Interesse besteht, wie zum Beispiel bei Negativen oder Tagebüchern.

Keine Konkurrenz zu Museen

Das neue Haus solle keine Konkurrenz für bestehende Museen sein, sagte Thomas Weski, Fotokurator und Sprecher der Kommission, im Deutschlandfunk, sondern gerade das sammeln, was Museen normalerweise nicht berücksichtigen. Nämlich die Materialien und Dokumente, die die Entstehung der Kunstwerke erst möglich machten, Recherchen, Korrespondenzen und digitale Daten. Hier fehle auch ein Portal, das vergleichendes Forschen möglichen machen könnte. Das Konzept sei die Formulierung eines Ideals, das notwendige Stellen und Funktionsräume beschreibe.

Bündelung der Kompetenzen

Die Expertenkommission schlage in ihrem Konzept den Standort Essen vor, weil es dort einen Verbund von Institutionen gebe, die das Gesamtfeld Fotografie besonders gut abdecke. Dort gebe es die einzige Professur für Theorie der Fotografie bundesweit und eine lange Tradition des Sammelns von Fotografie: "Essen verfügt über beste Voraussetzungen für die Gründung eines Bundesinstituts für Fotografie. Der Standort hat die größten Vorteile für das Projekt der Errichtung einer derartigen Einrichtung. Die umfassende und qualitativ herausragende Infrastruktur bietet zusammen mit der vorhandenen qualitativen Expertise in verschiedenen Bereichen der Fotografie ideale Voraussetzungen für Synergien und Kooperationen mit dem Bundesinstitut für Fotografie. In diesem Umfeld besteht die realistische Chance, dass das Bundesinstitut für Fotografie zu einem standardsetzenden und signalgebenden nationalen und internationalen Leuchtturmprojekt werden kann."

Düsseldorf gegen Essen

Düsseldorf war sich ganz sicher, dass der Standort dafür eigentlich nur Düsseldorf heißen könne. Deshalb hat sich die Stadt – "Kultur heute" hat berichtet – Ende vergangenen Jahres an der Bundesregierung vorbei einfach schon mal Geld beim Kulturausschuss des Bundestags besorgt. Die Stadt Düsseldorf und das Land NRW sagten Ko-Finanzierungen zu. Dabei waren zu diesem Zeitpunkt weder die Aufgaben definiert, noch standen damit Raum-, Personal- und Finanzbedarf fest.

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"Knifflige politische Aufgabe"

Bei der Vorstellung des Konzepts sagte Grütters nun, der Beschluss des Bundestags sei eine "unerwartete Schützenhilfe" gewesen, aber auch "ein bisschen irritierend". Sie bedauere, dass der Ausschuss nicht das Expertenvotum abgewartet habe und halte es für seriös, die Meinung von Experten dazu hören, wofür Bundesgelder ausgegeben werden sollten. Grütters betonte, sie habe mit NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen gesprochen und sei zuversichtlich, dass die zugegebenermaßen "etwas knifflige politische Aufgabe" zu lösen sei.

 

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