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StartseiteKommentare und Themen der WocheAtempause für Kramp-Karrenbauer13.10.2019

Deutschlandtag der Jungen UnionAtempause für Kramp-Karrenbauer

Annegret Kramp-Karrenbauer hat viel Applaus auf dem Deutschlandtag der Jungen Union bekommen. Doch der Weg der Saarländerin in ihrer eigenen Partei bleibt steinig, kommentiert Nadine Lindner. Das gegenseitige Misstrauen erzeugt einen Druck auf AKK, der weitere verbale eher Fehltritte begünstigt.

Von Nadine Lindner

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Annegret Kramp-Karrenbauer spricht vor einem Podium mit Vertretern der Jungen Union beim Deutschlandtag der Jugendorganisation der CDU/CSU in Saarbrücken.  (dpa/Harald Tittel)
CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer beim Deutschlandtag der Jungen Union (dpa/Harald Tittel)
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Nein, es war kein Heimspiel für Annegret Kramp-Karrenbauer beim Deutschlandtag der Jungen Union in Saarbrücken. Es war aber auch keine Voll-Katastrophe. Das Wort Atempause würde es vielleicht am ehesten treffen.

Mehrere Signale waren heute bei Kramp-Karrenbauer bemerkenswert, die die Parteichefin gesendet hat, um ihre Autorität abzusichern.

Das erste Signal ist das der Weltläufigkeit. Seht her, will sie sagen, ich bin Verteidigungsministerin, ich mische mit auf der ganz großen Bühne. Zum Wohle der Bundeswehr in Mali, Washington oder dem Baltikum unterwegs. Große internationale Linien macht sie auf, betont die Bedeutung der Bundeswehr für ihre konservative Partei.

Für die "Leisen im Maschinenraum"

Das zweite Signal, das Annegret Kramp-Karrenbauer setzen will, ist Nahbarkeit oder vielleicht präziser Provinzialität. Sie versteht die Wünsche der einfachen Menschen, möchte sie sagen, den "Leisen im Maschinenraum", die sich abarbeiten, während die Lauten sich einen schönen Lenz machen in Berlin, so ihre Formulierung. Wobei es bei der Bürgernähe, so wie sie es in der Passage zum Klimaschutz formuliert, vor allem wohl um den Bürger geht, der ein Auto besitzen. Oder in der Auto-Industrie arbeiten.

Für heute ist die Strategie dieser doppelten Inszenierung aus Weltläufigkeit und Provinzialität aufgegangen. Doch wie lange das anhält, niemand weiß es.

Denn die Junge Union hat der Parteichefin mit dem Beschluss zur Urwahl der Kanzlerkandidatur ein bislang selbstverständliches Recht innerhalb der Union strittig gemacht. Das Erstzugriffsrecht der Parteichefin oder des Parteichefs auf die Kanzlerkandidatur.

Belastbare Antworten in Form von Mehrheiten wird erst der Parteitag der CDU im November liefern, dann wird über den Antrag zur Urwahl der Kanzlerkandidatur abgestimmt.

AKK sollte Kuban nicht trauen

Die Beteuerung von JU-Chef von Tilmann Kuban, dass sich der Urwahl-Vorstoß natürlich nicht gegen die Personalie Kramp-Karrenbauer wende, wirkt heuchlerisch. So hübsch die Eintracht auf der Bühne des Deutschlandtags auch inszeniert wird, Kramp-Karrenbauer sollte Kuban nicht trauen.

Wie groß der Druck bei der Parteichefin ist, zeigt der Appell ganz am Ende ihrer Rede, nach dem der Feind außerhalb und nicht innerhalb der Partei zu suchen ist.

Die Junge Union muss sich aber auch selbst fragen, wie weit sie mit ihren Angriffen auf die Parteichefin gehen will. Denn wenn die Junge Union also mehr Frauen nicht nur als Mitglieder, sondern auch als Aktive gewinnen will, so wie sie es unter dem Schlagwort "Mehr Mädels" angekündigt hat, dann darf sie die Frau an der Parteispitze nicht eiskalt abservieren.

Ausgerechnet die CSU könnte AKK nun helfen. Markus Söder, Chef der christsozialen und Ministerpräsident in Bayern hat sich gegen das Urwahlprinzip ausgesprochen. Wohl nicht nur aus Solidarität mit der CDU-Chefin, es geht schlicht um eigene Interessen. Die Christsozialen haben keine Lust, so hat es Söder formuliert, eine mögliche Entscheidung der CDU Basis einfach nur abzunicken.

Eine kämpferische Rede hat also Annegret Kramp-Karrenbauer heute in Saarbrücken viel Applaus eingebracht. Aber das gegenseitige Misstrauen bleibt.  

Der Weg der Saarländerin in ihrer eigenen Partei bleibt steinig. Da ist kein Zauber des Anfangs, da sind gleich die Mühen der Ebene. Kramp-Karrenbauer muss weiterhin auf der Hut sein vor Angriffen aus den eigenen Reihen. Atempause hin oder her. Das gegenseitige Misstrauen bleibt und es erzeugt einen Druck auf die Parteichefin, der weitere verbale Fehltritte eher begünstigt.

Nadine Lindner, Deutschlandradio Hauptstadtstudio, Juli 2019 (Deutschlandradio / Anja Schäfer)Nadine Lindner - Dlf-Korrespondentin im Hauptstadtstudio Berlin (Deutschlandradio / Anja Schäfer)Nadine Lindner, Jahrgang 1980, studierte Politikwissenschaft, Afrikanistik und Journalistik in Leipzig und Lissabon. Nach Stationen beim Ausbildungssender der Universität Leipzig mephisto 97.6, der "FAZ" und dem MDR folgte ein Volontariat beim Deutschlandradio. Von 2013 bis 2015 war sie Landeskorrespondentin im Studio Sachsen. Heute arbeitet sie als Korrespondentin im Hauptstadtstudio und ist für die Grünen, Energie- sowie Umweltpolitik zuständig.

 

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