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StartseiteKommentare und Themen der WocheKeller ist gescheitert - von Anfang an17.05.2021

DFB-MachtkampfKeller ist gescheitert - von Anfang an

Fritz Keller ist als DFB-Präsident zurückgetreten und nach seinem Nazivergleich gescheitert, gerade an seiner kommunikativen Unbeholfenheit, kommentiert Matthias Friebe. Nun übernimmt sein Gegenspieler Rainer Koch interimsweise die Führung des DFB - doch Koch sei ein Teil des Problems im Verband.

Von Matthias Friebe

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Fritz KELLER DFB-Praesident waehrend der Pressekonferenz, PK, Konferenz, Brustbild, 43.Ordentlicher DFB-Bundestag am 27.09.2019 in Frankfurt/ Deutschland. *** Fritz KELLER DFB president during the press conference, PK, conference, breast portrait, 43 Ordinary DFB Bundestag on 27 09 2019 in Frankfurt Germany (IMAGO / Sven Simon)
Fritz Keller ist als DFB-Präsident zurückgetreten (IMAGO / Sven Simon)
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Ein "trauriger Tiefpunkt der desolaten Führungssituation" - so sagt es Fritz Keller selbst in seiner Rücktrittserklärung als DFB-Präsident. Ja, sein Ausrutscher, seinen Vizepräsidenten Rainer Koch mit Nazi-Richter Freisler zu vergleichen, war ein Tiefpunkt. Doch liest man den Satz ein zweites Mal, dann ist das nicht nur ein Eingeständnis eines eigenen Fehlers, sondern dann ist das auch eine knallharte Abrechnung mit dem Verband und den noch verbliebenen Topfunktionären. Die ganze Rücktrittserklärung ist eine Kaskade schallender Ohrfeigen.

Keller gibt einen lang ersehnten Einblick

Sicher werden es manche als übles Nachtreten des gescheiterten Funktionärs deuten. Das ist es aber nicht. Hier macht sich jemand Luft und ruft: "Endlich kann ich Euch allen in der Öffentlichkeit einmal einen Einblick geben, wie dieser DFB funktioniert." Keller redet von ungelösten "Baustellen" und meint damit nicht den Neubau der Verbandszentrale und -akademie in Frankfurt. Er meint die "Widerstände und Mauern", die er kurz darauf benennt. Kurz gesagt: eine Kultur, um nicht zu sagen einen Sumpf von Intransparenz, Machtgier und undurchsichtigen Geschäften.

Fritz Keller ist gescheitert und in der Rückschau war es seine Präsidentschaft schon von Anfang an. Nach schlechten Erfahrungen zuvor wollte man keinen überdominanten Präsidenten mehr. Mehr Steinmeier als Merkel, wohlfeil umschrieben als repräsentierender Präsident, sollte er sein. Übersetzt hieß dies, um die Richtlinienkompetenz beraubt, vor allem Grüßaugust, man könnte es auch Marionette nennen.

Den Sieg im Machtkampf durch Nazivergleich vergeben

Auf diese neue Art der Führung ließ sich Keller ein, er konnte nicht wissen, wie verseucht das Terrain war, das er im DFB betreten würde. Und als er dann anfing, Fragen zu stellen, nicht alle Abläufe hinzunehmen, wurde der Streit der Topfunktionäre schnell deutlich, gipfelnd in der Eskalation der letzten Wochen.

Schuldlos ist Keller dadurch aber auch nicht an der Misere. Das liegt vor allem an seiner kommunikativen Unbeholfenheit und dem nahezu zielsicheren Ansteuern einer Reihe von Fettnäpfchen. Deshalb steht Keller heute auch als Verlierer und nicht als Gewinner dar. Es muss ihm doppelt weh tun, dass ohne den Nazivergleich er selbst wohl als Sieger aus dem Machtkampf hervorgegangen wäre. So aber war seine kurze Präsidentschaft eine unglückliche Zeit.

Die Zukunft: Vize Koch ist Teil des Problems - nicht der Lösung

Ob auch die nächste Ära ähnlich verlaufen könnte, hängt davon ab, ob der DFB nach Krisen, Skandalen und Affären sich jetzt endlich ehrlich macht und einen tiefgreifenden Neustart hinbekommt. Aufklärung und Transparenz in Sachen Sommermärchen-Affäre oder Steuerproblemen standen schon vor dem Antritt Kellers auf der Agenda, jetzt sind die Fragen drängender denn je.

Der zurückgetretene Präsident schreibt seinem Verband heute ins Stammbuch, der DFB müsse seine Unabhängigkeit gegenüber Personen wahren, die als Beschuldigte in staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen geführt werden. Er nennt keinen Namen, deutlicher hätte er aber Vizepräsident Rainer Koch, gegen den in der DFB-Steueraffäre ermittelt wird, nicht ansprechen können. Koch ist zum Sinnbild der Verbandskrise geworden und übernimmt jetzt zum dritten Mal in sechs Jahren die Interims-Führung. Er ist Teil des Problems und nicht der Lösung.

Matthias Friebe (Deutschlandfunk – Aktuelles, freier Mitarbeiter)  (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré )Matthias Friebe (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré )Matthias Friebe, Jahrgang 1987, Journalist, studierte Neuere und Neueste Geschichte, Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Münster und Duisburg-Essen. Volontariat bei domradio.de und Ausbildung an der Journalistenschule ifp in München. Danach arbeitete er als Moderator und Redakteur für WDR, Deutschlandfunk und domradio.de. Heute ist er Redakteur in der Sportredaktion des Deutschlandfunks.

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