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StartseiteKommentare und Themen der WocheAlle müssen verzichten: die Liga, die Vereine, die Fans29.07.2020

DFL-HygienekonzeptAlle müssen verzichten: die Liga, die Vereine, die Fans

Auch die nächste Saison in der Fußball-Bundesliga wird eine unter Ausnahmebedingungen sein. Das von der Deutschen Fußball-Liga vorgeschlagene Hygienekonzept sei ein Kompromiss, mit dem am Ende alle leben können oder leben lernen müssen, kommentiert Matthias Friebe.

Von Matthias Friebe

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Ein Fan hält einen Plastikbecher mit Bier auf der Tribüne in der Hand. (imago)
Keine Stehplätze, keine Gästefans, kein Alkohol - das sehen die Pläne des Hygienekonzepts für die neue Saison vor (imago)
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Keine Stehplätze, keine Gästefans, kein Alkohol. Diese drei Verbote sind Teil des geplanten Hygienekonzepts für die neue Bundesliga-Saison. Sie sollen helfen, die Zeit der Geisterspiele zu beenden. Bis zu 35.000 Menschen, je nach Größe des Stadions, könnten so wieder dabei sein. Realistisch sind in den meisten Arenen etwa 15.000-20.000 Plätze, die besetzt werden dürfen.

Wieder kein Mitspracherecht der Fans

So gut wie das zunächst heftig kritisierte Konzept der Deutschen Fußball-Liga in der gerade beendeten Saison funktioniert hat, so vernünftig klingen auch diese Pläne für die neue Spielzeit. Und: So heftig wird bereits jetzt darüber diskutiert. Eine Woche bevor die Vereine aus 1. und 2. Liga das Konzept absegnen, beschweren sich vor allem Fans über die geplanten Maßnahmen.

Eine volle Zuschauertribuene in einem Fussballstadion. (imago / blickwinkel / fotototo) (imago / blickwinkel / fotototo)Zuschauer im Stadion – ja, nein, vielleicht
Die Bundesliga diskutiert längst wieder darüber, ob und wann Fans wieder in die Stadien dürfen. Neu angefacht wird diese Diskussion jetzt vom Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Er hält das vorgelegte DFL-Konzept "für sich genommen überzeugend". Doch Virologen warnen.

Geplante Maßnahmen sind nicht übertrieben

Richtig ist, wieder einmal wurden die organisierten Fans nicht eingebunden, wieder einmal haben sie, die regelmäßig die Arenen gefüllt haben, zu wenig Mitspracherecht. Richtig ist aber auch, die vorgeschlagenen Maßnahmen sind keinesfalls übertrieben.

Natürlich wird auch in der kommenden Saison nichts sein, wie es früher bekannt war. Natürlich ist das von den Fans oft angeführte Stadion-Erlebnis getrübt. Aber was ist aktuell schon so wie immer?

Fußball zu Corona-Zeiten in Dänemark: Pappaufsteller ersetzen die realen Zuschauer während eines Spiels zwischen AGF und Randers FC in Aarhus, Dänemark. (AFP/Ritzau Scanpix/Henning Bagger ) (AFP/Ritzau Scanpix/Henning Bagger )Wann kommen die Fans zurück ins Stadion?
Die Fußball-Saison in Deutschland ist fast abgeschlossen, die Debatte um eine Teilöffnung der Stadien für die Fans ist aber voll entbrannt. In Sachsen könnten schon ab September wieder Zuschauer in die Stadien zurückkehren. Die Überlegungen gefallen aber nicht überall.

Streitpunkt: personalisierte Tickets

Ein Streitpunkt: Tickets sollen personalisiert werden, damit man im Zweifelsfall zuordnen kann, wer wo gesessen hat. Ganz klar: Anders kann es nicht gehen. Wenn man sich bei jedem Besuch in einem Café oder Restaurant aus nachvollziehbaren Gründen am jeweiligen Tisch registrieren muss, dann gehört das erst recht zu einer Veranstaltung mit vielen Tausend Menschen.

Und auch der Vorwurf einiger Fangruppen, man werde durch die Verbote zu einem Risikofaktor abgestempelt, der sich eh nicht benehmen könne, ist einfach zu widerlegen. Es geht nicht um Kriminalisierung. Die große, am liebsten singende Masse, ist schlicht und ergreifend in Pandemie-Zeiten ein Problem. Das hat nichts mit einem schlechten Bild von Fans zu tun.

Die vorgeschlagenen Maßnahmen sind keinesfalls zu einschränkend oder zu weitgehend. Sie sollen ja eine Öffnung der Stadien ermöglichen – und da sind Regeln eben Pflicht. Gerade weil viele schon jetzt, in größer werdender Arglosigkeit, die Abstandsregeln und die Maskenpflicht ignorieren.

Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)Übersicht zum Thema Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)

So eindrucksvoll der Zusammenhalt, so realitätsfern ist er auch

Untereinander ist die Solidarität wie immer groß. "Entweder alle ins Stadion oder keiner!" ruft manche Fan-Kurve. So eindrucksvoll der Zusammenhalt, so realitätsfern ist er auch. Warum sollte der neue Alltag mit seinen Einschränkungen im Stadion anders sein als bei Konzerten, Gottesdiensten oder Freizeitbeschäftigungen? Warum sollte man nicht wenigstens einigen die Möglichkeit geben, dabei zu sein? Und – das Thema Geld darf im Fußball nie vergessen werden – warum sollten die Vereine nicht wenigstens auch Einnahmen durch Ticket-Verkäufe erzielen dürfen?

Alle müssen verzichten

Es ist an der Zeit, ein gerechtes System zu entwickeln: Eines, das zeigt, wie es gelingen kann, alle Fans, die wollen, zu beteiligen und eine solidarische Verteilung nicht-überteuerter Tickets zu schaffen. Das kann eine Chance sein, die tiefen Gräben zwischen Fans, Vereinen und Verbänden ein bisschen zuzuschütten.

Auch die nächste Saison wird eine unter Ausnahmebedingungen sein. Alle müssen verzichten: die Liga, die Vereine, die Fans. Das vorgeschlagene Konzept ist ein Kompromiss, einer, mit dem am Ende alle leben können oder leben lernen müssen.

Matthias Friebe (Deutschlandfunk – Aktuelles, freier Mitarbeiter)  (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré )Matthias Friebe (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré )Matthias Friebe, Jahrgang 1987, Journalist, studierte Neuere und Neueste Geschichte, Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Münster und Duisburg-Essen. Volontariat bei domradio.de und Ausbildung an der Journalistenschule ifp in München. Danach arbeitete er als Moderator und Redakteur für WDR, Deutschlandfunk und domradio.de. Heute ist er Redakteur in der Sportredaktion des Deutschlandfunks.

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