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Startseite@mediasresSpeeddating mit dem Publikum24.05.2021

DialogjournalismusSpeeddating mit dem Publikum

Die Medienwelt ist vielstimmiger und offener geworden seitdem sich online jeder (fast) uneingeschränkt äußern kann. Doch so hat sich das Publikum teilweise auch entfremdet von den klassischen Zeitungen, Radio- oder Fernsehredaktionen. Deshalb gehen viele Medien neue Wege.

Eine Sendung von Antje Allroggen

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Eine Gruppe von Personen schaut auf eine leere Projektionswand (imago/ Mike Hall)
Mitreden statt zuschauen - die Erwartungen des Publikums haben sich verändert (imago/ Mike Hall)
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Redaktionen liefern Zeitungsberichte, Radiosendungen oder Fernsehreportagen – das Publikum, Leser und Hörerinnen nutzen diese journalistischen Inhalte, jedoch ohne eine Möglichkeit zu haben, direkt Rückmeldung zu geben oder selbst etwas zu veröffentlichen. Jahrzehntelang wurde das Publikum nicht aktiv an der Berichterstattung beteiligt.

Das Verhältnis hat sich verändert

Durch die Digitalisierung hat sich das jedoch verändert – und es ist komplizierter geworden. Jeder Mediennutzer kann eigene Inhalte ins Netz stellen, Beiträge kommentieren oder in sozialen Netzwerken posten. Das dialogische Kommunizieren im Netz wirkt sich auch auf die analogen Medien aus. Hier wollen immer mehr Userinnen und User am Entstehungsprozess einer Geschichte beteiligt werden.

Mann und Frau sitzen gemeinsam beim Essen an einem kleinen Tisch, der Mann liest und die Frau sieht ihn leicht verärgert an. (laif / SZ Photo /Joachim Krack)Viele Mediennutzer erwarten heute mehr als reinen (Zeitungs-)Konsum (laif / SZ Photo /Joachim Krack)

Zugleich scheinen sich viele Menschen von den klassischen Medien zu entfremden, wie eine Langzeitstudie der Universität Mainz belegt. Die Ergebnisse zeigen, dass 2017 rund 18 Prozent der Aussage zustimmten, die Medien hätten den Kontakt zu den Menschen verloren, während es nur ein Jahr später schon 27 Prozent waren.

Besserer Kontakt - viele Ideen

Aus Sicht der angehenden Journalistin Laura Lindemann hat die junge Zielgruppe kein Interesse an einem belehrenden Journalismus. Sie glaubt, dass Menschen gerne mitreden möchten.

Vor diesem Hintergrund bemühen sich viele Redaktionen darum, einen besseren Draht zum Publikum zu bekommen. Wie das funktionieren könnte, zeigt etwa die Landeszeitung aus Lüneburg, indem sie versucht, die zunehmende Zahl an Neubürgern in der Stadt zu erreichen. Mit dem Programm "100 eyes" sollen mehr Perspektiven und mehr Stimmen gewonnen werden. Die Verantwortlichen interessiert aber auch, welche Art von Journalismus gefragt ist - die gute alte Tageszeitung oder neue Formate wie Podcasts oder ein Newsletter?

"Dialogjournalismus ist nicht günstig"

Die Publizistin Ingrid Brodnig hält neue Formen des Dialogjournalismus für sinnvoll, man müsse aber auf die Ausgewogenheit und die üblichen journalistischen Kriterien achten. Der Journalismus, der im Austausch mit dem Publikum entsteht, sei nicht kostenfrei zu haben: "In Zeiten angespannter ökonomischer Verhältnisse ist die Gefahr, dass als Dialog das abgegriffen wird, was leicht zugänglich ist, also die Tweets, die ohnehin schon getrendet sind - und das rausgehen, wo man staubige Füße bekommt, dass das schwieriger wird", so Brodnig.

Ideen und Anregungen von Leserinnen möchte man auch bei der "New York Times" aufgreifen. Die Zeitung hat eine Erfahrungshotline für Mütter gestartet, die von den – zum Teil schwierigen – Erlebnissen mit Corona berichten können.


Hanseatische Backstein-Giebelhäuser in Lüneburg (dpa/ Robert B. Fishman) (dpa/ Robert B. Fishman)"Wir sind die Neuen!" - Die Lüneburger Zeitung im Dialog mit Zugezogenen (05:04)
Bei der Lüneburger Landeszeitung werden Leserinnen und Leser mit ihren Themen zum Dialog eingeladen - insbesondere diejenigen, die erst seit kurzem in der Stadt wohnen.

Eine Frau mit FFP2-Maske hält eine Printausgabe der "New York Times" in der Hand (IMAGO / IPA Photo) (IMAGO / IPA Photo)"Endlich redet jemand mit uns" - Partizipativer Journalismus in den USA (05:00)
Welche Erfahrungen haben Mütter in der Corona-Pandemie gemacht - das will die New York Times wissen, um neue Perspektiven und Eindrücke zu vermitteln.

Gemaltes Bild eines Kameramanns, der das Publikum filmt. (imago/ Gary Waters) (imago/ Gary Waters)"Journalismus braucht auch Expertise" - Ingrid Brodnig im Gespräch (07:41)
Die österreichische Journalistin und Publizistin Ingrid Brodnig im Gespräch über Dialogjournalismus, dessen Vorteile und Kosten. Brodnig wirbt für neue Ideen.

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