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StartseiteKalenderblattEin Leben wie ein Drama29.10.2014

Dichter Pejo JaworowEin Leben wie ein Drama

Heute vor 100 Jahren starb der Dichter Pejo Jaworow, dessen Leben einem Roman gleicht. Seine große Liebe erliegt in Paris der Tuberkulose, seine Frau muss er kurz nach der Hochzeit verlassen, um in den Krieg zu ziehen. Als wichtigster Vertreter des bulgarischen Symbolismus zählt Jaworow bis heute zu den herausragenden Dichtern seines Landes.

Von Doris Liebermann

Schwarzweißfoto eines Schreibtisches (picture-alliance / dpa / Tass)
Am Schreibtisch wurde Pejo Jaworow zum wichtigsten Vertreter des bulgarischen Symbolismus. (picture-alliance / dpa / Tass)

Mit richtigem Namen hieß er Pejo Totew Kratscholow, erst als Dichter nannte er sich Jaworow. Geboren wurde er am 1. Januar 1877 als Sohn eines Kaufmannes in der südbulgarischen Stadt Tschirpan. Es war eine unruhige Zeit, in der Jaworow aufwuchs. Seine Lyrik thematisiert den Freiheitskampf und die Erfahrungen, die sein Land in 500 Jahren türkischer Herrschaft machen musste. Eines seiner bekanntesten Gedichte trägt den Titel "Die Verbannten".

"Und während unsere Tränen glänzen,
Ach, wenden wir zum letzten Mal
Zurück, nach den uns teuren Grenzen,
Den trüben Blick – zum letzten Mal.
Wir strecken kettenklirrnde Hände
Nach des verlornen Eden Strand ...
Ach, Bitterkeit träuft in die Herzen. –
Leb wohl, o Heimatland!"

In seiner Kindheit war er ein guter Schüler, musste aber nach dem Willen des Vaters nach der neunten Klasse die Schule verlassen, um sein Brot selbst zu verdienen. Er arbeitete einige Jahre lang als Telegrafist, später als Redakteur verschiedener Zeitschriften. Schon in jungen Jahren veröffentlichte er erste Gedichte. Seit 1899 unter dem Pseudonym Jaworow, ein Name, den er später auch als Familiennamen trug.

1901 erschien sein erster Gedichtband, 1904 schrieb er die erste Biografie des im Jahr zuvor von der osmanischen Polizei getöteten Revolutionärs Goze Deltschew, seinem engen Freund und Gefährten. 1907 folgte sein zweiter Gedichtband mit dem Titel "Schlaflosigkeit", der mit den späteren Bänden "Den Schatten der Wolken nach" und "Haidukenlieder" seinen Ruhm begründete.

Wichtigster Vertreter des bulgarischen Symbolismus

Als wichtigster Vertreter des bulgarischen Symbolismus zählt Jaworow bis heute zu den herausragenden Dichtern seines Landes. Der Übersetzer Milen Radev:

"Jaworow stellt diesen glücklichen Fall dar, bei dem ungebrochen die Liebe, die Verehrung, auch die Verbundenheit zu ihm aus der Vergangenheit über die sozialistischen Jahre bis in die heutige Zeit anhält. Das hat bestimmt damit etwas zu tun, dass er einerseits der ganz feine, empfindsame Lyriker ist, der auch die Jugend anspricht in ihren ersten und flammenden Gefühlen, aber auch gleichzeitig der Kämpfer, der Revolutionär ist, der auf dem Balkan sowieso schon immer groß verehrt worden ist als Typus. Das alles, glaube ich, hat bis heute sehr viel dazu beigetragen, dass er als eine heldenhafte, vielleicht auch einigermaßen überhöhte, tragische Figur, natürlich auch aufgrund seines traurigen Endes, bis heute sehr verehrt und auch gelesen wird. Und man fühlt ihn als einen - fast würde ich sagen - Zeitgenossen."

Ab 1904 arbeitet Jaworow als Bibliothekar an der Nationalbibliothek in Sofia und als Dramaturg am Theater. Die Arbeit bringt es mit sich, dass er häufig ins Ausland reist. Besonders angetan ist er von der französischen Kultur, er studiert das französische Bibliothekswesen. Seine große Liebe, die erst 20-jährige Mina Todorowa, stirbt 1910 in Frankreich an Tuberkulose, sie wird in Paris beigesetzt.

Zurück in Bulgarien verliebt er sich in Lora Karawelowa, die Tochter des ehemaligen Ministerpräsidenten. 1912 heiraten beide. Ihr Liebesglück ist von kurzer Dauer, denn schon zwei Tage nach der Hochzeit zieht Jaworow in den ersten Balkankrieg. Im Jahre 1913 dann die Tragödie: zwischen ihm und Lora kommt es zu einer heftigen Eifersuchtsszene. Sie macht ihre Drohung wahr und erschießt sich mit seiner Pistole. Jaworow ist so verzweifelt, dass auch er sich in die Schläfe schießt. Er überlebt, aber er ist blind.

Jaworow wurde wegen Mordes angeklagt. Eine Gerichtsexpertise bestätigte den Selbstmord seiner Frau und die Unschuld des Dichters. In der Presse wurde er dennoch als Mörder bezeichnet. Diesen Anfeindungen war er nicht gewachsen. Am 29. Oktober 1914 nahm Jaworow eine Dosis Gift zu sich und erschoss sich. Zwei Tage später fand die Beisetzung in Sofia statt: mehrere Tausend Menschen folgten seinem Sarg. Pejo Jaworows Geburtshaus in Tschirpan ist heute ein Museum.

 

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