Samstag, 01. Oktober 2022

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Die argentinische Komponistin Natalia Solomonoff
Die Stille der abwesenden Vögel

Breit fließt der gewaltige, schlammfarbene Paraná an Natalia Solomonoffs Heimatstadt Rosario vorbei. Und ähnlich kraftvoll und beharrlich ist ihre Musik; mit der Beschreibung eines Naturidylls hat sie aber nichts zu tun.

Von Thomas Beimel | 16.04.2016

    Flusslandschaft des Rio Parana in Argentinien mit einer Insel
    Kraftvoll und beharrlich wie Natalia Solomonoffs Musik: der Rio Paraná (picture-alliance / dpa / Jürgen Darmstädter)
    Die 1968 geborene argentinische Komponistin führt in zweierlei Hinsicht die Impulse der südamerikanischen Avantgarde fort: Ihre Kompositionen vertrauen einerseits auf die unmittelbar sinnliche Wirkung raffinierter Klangkombinationen, andererseits begreift sie ihre kompositorische Arbeit ausdrücklich als Zeitzeugenschaft.
    Natalia Solomonoff ist eine kluge Beobachterin der labilen argentinischen Demokratie, deren Gegenwart und Historie sie mit ihrer Musik kommentiert. Ihr Ensemblestück "Die Stille der abwesenden Vögel" ist dem Gedächtnis all jener gewidmet, die in der Zeit der Diktatur spurlos verschwunden sind. "Nadie. Sólo huellas" - "Niemand. Nur Spuren" - erinnert an die Ermordung der Ureinwohner. Trotz der gesellschaftskritischen Haltung vergisst Solomonoff weder die Spielfreude noch versagt sie es sich, in ihrer Musik zarte Anklänge an den Tango einzuflechten, der in Rosario einen seiner Ursprünge hat.