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Startseite@mediasresWenn der mediale Druck zu groß wird12.12.2019

Die dunkle Seite des K-PopWenn der mediale Druck zu groß wird

Sie werden K-Pop-Stars genannt - und für ihren weltweiten Ruhm zahlen die jungen Künstlerinnen und Künstler aus Südkorea einen hohen Preis. Viele von ihnen klagen über massives Cybermobbing. Drei Suizide sorgen nun für Diskussionen.

Von Kathrin Erdmann

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In einem Fanshop für K-Pop in Seoul in Südkorea hängen Fotos der Stars in Bilderrahmen an der Wand (Kathrin Erdmann)
Porträts von K-Pop-Stars in Südkorea (Kathrin Erdmann)
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Sulli im Oktober, Koo Hara im November und schließlich Lee Jae-ho im Dezember: Zwei Frauen und ein Mann aus der südkoreanischen K-Pop-Szene haben sich innerhalb kürzester Zeit das Leben genommen.

Diese Südkoreanerin ist tief erschüttert: "Es bricht mir das Herz, dass solche jungen und talentierten Berühmtheiten so eine tragische Entscheidung getroffen haben. Ich möchte nicht, dass Jugendliche denken, Selbsttötung sei der einzige Weg aus einer hoffnungslosen Situation."

Berichte über Cybermobbing

Die Medien berichten rauf und runter, denn mindestens zwei von ihnen, die beiden Sängerinnen Sulli und Koo Hara, haben sich möglicherweise wegen heftiger Anfeindungen im Internet zu diesem Schritt entschieden.

Vor allem Sulli, die nur 25 Jahre alt wurde. Sie trat bereits als 11-Jährige ins Showbiz ein, mit 15 gehörte sie zu einer Girlgroup. Doch sie war nie nur Glamourgirl, sondern äußerte sich auch politisch, kritisierte zum Beispiel das Abtreibungsverbot und thematisierte öffentlich ihre Depressionen ebenso wie die Anfeidungen im Netz. In Südkorea hat das eine Diskussion über Cybermobbing angestoßen.

"Selbst wenn die Stars versuchen, gegen die Trolle vorzugehen, ist das schwierig, denn das zieht weitere bösartige Kommentare nach sich. Deshalb sind viele Stars im Netz im Umgang mit solchen Trollen viel passiver als normale Leute", sagt Kwak Geum-ju, Psychologin an der Seoul National University im Fernsehsender Chosun.

Rauchen und Dating kommen bei den Fans schlecht an

Auch ihre Freundin Koo Hara wurde im Netz wüst beleidigt und geschmäht und wusste sich einfach nicht mehr zu helfen. Pop-Kultur-Kennerin Hong Jong-seon im selben Fernsehsender: "Was ich auch mache, es gibt im Netz immer bösartige Kommentare. Egal, was ich auch versuche, sie hassen mich. Und so eine Situation ist für jeden schwer zu ertragen."

Ein Grund für die heftigen Anfeindungen dürfte ein Sexvideo gewesen sein, dass ihr Ex-Freund heimlich aufgenommen hatte und veröffentlichen wollte. Schon dass sie einen Partner hatte, ist in der Branche ein Vergehen. Das bestätigt Kim Min Syk ohne mit der Wimper zu zucken. Er hat selbst eine K-Pop-Agentur:

"Wir schreiben eine entsprechende Klauseln in die Verträge, weil die Fans da sehr empfindlich sind. Ich habe zum Beispiel einen Sänger ausgebildet, der bei YG, einer der größten Agenturen unter Vertrag stand. Als bekannt wurde, dass er eine Freundin hat, wurde er gefeuert. Und bis heute kursieren diese Fotos im Netz. Er kann seine Karriere vergessen. Das ist wie mit Rauchen. Wenn das über jemanden bekannt wird, verzeihen die Fans das nie."

Der Manager schläft zur Überwachung im Zimmer

Karriere und Freiheit sind mit der Branche unvereinbar.

"In den Verträgen einer unserer Girlbands stand auch, dass sie keine Jungs treffen dürfen, aber es ist schwer, sie daran zu hindern, denn sie werden es trotzdem versuchen. Man muss sie dann kontrollieren, das kostet viel Geld. Größere Agenturen lassen ihre Manager sogar mit denen in einem Zimmer schlafen, damit sie keinen Blödsinn machen."

50 Kilogramm Maximalgewicht

Lee Jong-im findet das unglaublich. Die Südkoreanerin hat ein Buch über die Bedingungen im koreanischen Pop geschrieben.  

"Das Aussehen ist das Wichtigste für K-Pop-Stars. Also müssen sie Diät halten. Einige der Schüler haben mir berichtet, dass ihre Agentur oder die Akademie ein Maximalgewicht von 50 Kilo verlangten, egal wie groß sie waren. Sie mussten sich Schönheits-OPs unterziehen und hatten kein Privatleben. Ihre Handys wurden konfisziert."

Branche macht Milliardenumsätze

Die Branche setzt jedes Jahr Milliarden um, ist für Südkorea längst zum Exportprodukt geworden und wird von den Medien entsprechend gehypt, doch sie hat auch Kratzer bekommen – und das nicht nur wegen der jüngsten Todesfälle.

Gerade erst wurden zwei männliche Stars zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt, weil sie heimlich Sexvideos aufgenommen und über ein Netzwerk verteilt hatten. 

In Südkorea wurde groß über alle Fälle berichtet, doch meistens wird es nach ein paar Wochen wieder still, schließlich verdienen alle gut mit am koreanischen Pop.

Hilfsangebote für Menschen mit Depressionen, Suizidgefährdete und ihre Angehörigen: Wenn Sie sich in einer scheinbar ausweglosen Situation befinden, zögern Sie nicht, Hilfe anzunehmen.
Hilfe bietet unter anderem die Telefonseelsorge in Deutschland unter 0800-1110111 (kostenfrei) und 0800-1110222 (kostenfrei) oder online. Eine Liste mit bundesweiten Beratungsstellen gibt es hier.

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