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StartseiteHintergrundSchurkenstaat und Satan03.11.2019

Die Geschichte der amerikanisch-iranischen Rivalität Schurkenstaat und Satan

Iran und die USA befinden sich in einer Eskalationsspirale. Ihr Verhältnis ist derzeit angespannt wie lange nicht mehr. Der Konflikt beider Staaten um Öl, Unabhängigkeit und strategischen Einfluss reicht bis in die 1950er-Jahre zurück.

Von Ulrich Pick

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Iraner brennen in Teheran vor der ehemaligen US-Botschaft die Flagge der USA ab.  (dpa / picture alliance / Parspix)
Iraner brennen in Teheran vor der ehemaligen US-Botschaft die Flagge der USA ab. (dpa / picture alliance / Parspix)
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Die Stimmung in Teheran am Morgen des 4. November 1979 war gereizt. Keine drei Tage war es her, dass Revolutionsführer Ayatollah Ruhollah Khomeini von seinen Anhängern - wie er es nannte - eine Aktion gefordert hatte. Eine Aktion, die der gesamten Welt einmal mehr demonstrieren sollte, dass Iran nach der erfolgreichen Revolution endgültig eine Islamische Republik geworden war und der Schah von Persien ein für allemal abgesetzt. Jener Schah, der in den Augen des greisen Theologen lediglich ein unfähiger Vasall Washingtons gewesen war, und ein Jahr zuvor noch Hunderte von Demonstranten hatte auf offener Straße niederschießen lassen.

Demonstranten feiern in Teheran am 17. Januar 1979 die Flucht des Schahs nach Ägypten  (imago stock&people)Demonstranten feiern in Teheran am 17. Januar 1979 die Flucht des Schahs nach Ägypten. (imago stock&people)

"Tod Amerika" skandierten mehrere Hundert revolutionstreue Studenten vor der US-Botschaft, von denen dann am späten Vormittag einige Dutzend über den Zaun kletterten und gewaltsam in das Gebäude eindrangen. Sie brachten 66 US-Bürger in ihre Gewalt, von denen sie 52 zum Schrecken der gesamten westlichen Welt über ein Jahr lang als Geiseln halten würden. Denn die diplomatische Vertretung Washingtons in Iran - so erklärte der Khomeini-Vertraute und spätere Staatssekretär Sadegh Tabatabai - war in ihren Augen ein Hort der Spionage:

"Da es nachgewiesen worden ist, dass diese Leute in der amerikanischen Botschaft schon nach der Revolution an vielen Unruhen im Lande beteiligt waren, und dies sogar geplant hatten, so kommt man mit Recht auf die Schlussforderung, dass es sich dort nicht um ein regelrechtes Diplomatiezentrum handelte, sondern um ein Spionagezentrum."

Iranische Demonstranten vor der US-Botschaft in Teheran rufen anti-amerikanische Slogans und halten ein Bild des Revolutionsführers Ayatollah Ruhollah Khomeini hoch  (picture-alliance / dpa)Iranische Demonstranten am 31.10.1979 vor der US-Botschaft in Teheran rufen anti-amerikanische Slogans und halten ein Bild des Revolutionsführers Ayatollah Ruhollah Khomeini hoch. (picture-alliance / dpa)

Die Besetzung der US-Botschaft in Teheran war ein internationales Fanal. Denn dass eine diplomatische Vertretung gestürmt wurde und die dort tätigen Menschen den Aggressionen des gastgebenden Landes ausgesetzt waren, hatte es selbst zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs nicht gegeben. Die Machthaber in Iran wollten offensichtlich der Weltöffentlichkeit demonstrieren, dass sich in ihrem Land mit dem Sieg der islamischen Revolution am 11. Februar 1979 mehr ereignet hatte als ein normaler Machtwechsel.

In ihren Augen hatte ein neues Zeitalter begonnen. Denn erstmals in der Geschichte war eine Islamische Republik unter Führung der schiitischen Geistlichkeit errichtet worden, für die sich zudem bei einer Volksbefragung am 1. April weit mehr als 90 Prozent der Bevölkerung ausgesprochen hatten. Deshalb ließ Ayatollah Khomeini die Botschaftsbesetzer gewähren.

Ayatollah Ruhollah Khomeini sitzt am 1. Februar 1979 im Flugzeug von Paris nach Iran  (dpa / AP Photo / Thierry Campion)Am 1. Februar 1979 kehrte Ruhollah Khomeini nach 14 Jahren im Exil nach Iran zurück. (dpa / AP Photo / Thierry Campion)

Missglückte Rettungsaktion

Da Verhandlungen erfolglos blieben, sah US-Präsident Jimmy Carter nur einen Ausweg. Und so startete er am 24. April 1980 eine militärische Befreiungsaktion - mit verheerenden Folgen, wie er einräumen musste.

"Nachdem sich das Team nach meiner Anordnung zurückgezogen hatte, sind zwei Hubschrauber am Boden zusammengestoßen, nachdem sie in einer Tankstation in der iranischen Wüste aufgetankt hatten. Es gab keine Kampfhandlungen, aber zu meiner Bestürzung kamen acht Besatzungsmitglieder ums Leben. Aber wir werden nicht aufgeben."

Der damalige US-Präsident Jimmy Carter mit seinem Nationalen Sicherheitsberater Zbigniew Brzezinski in Camp David im November 1979. (imago / ZUMA PRESS)Der damalige US-Präsident Jimmy Carter mit seinem Nationalen Sicherheitsberater Zbigniew Brzezinski in Camp David im November 1979. (imago / ZUMA PRESS)

Die missglückte Rettungsaktion lies Carters Popularität sinken, und an seiner statt wurde im November 1980 Ronald Reagan ins Weiße Haus gewählt. Doch am Tag, an dem dieser in sein Amt eingeführt wurde, trat auch Carter noch einmal ins Rampenlicht. Denn am 20. Januar 1981 konnte der abgewählte US-Präsident seine freigelassenen Landsleute in Frankfurt am Main in Empfang nehmen - nach genau 444 Tagen Geiselhaft:

"Ich möchte es ganz deutlich sagen, dass die iranische Regierung – alle, die dafür verantwortlich sind - auf alle Zeiten verdammt sein mögen für diese Behandlung, die sie unseren Mitbürgern haben angedeihen lassen."

Die ersten der 52 aus dem Iran befreiten amerikanischen Geiseln verlassen das Krankentransportflugzeug der US Air Force auf der Rhein-Main Air Base in der Nähe Frankfurts, am 21. Januar, 1981.  (dpa / picture alliance / STR)Vier der 52 US-Geiseln kommen im Januar 1981 am Flughafen Frankfurt an. (dpa / picture alliance / STR)

Konflikt reicht bis in die 50er Jahre

Die Ereignisse des 4. Novembers 1979 machten Teheran und Washington bis heute zu erbitterten Rivalen. Dabei liegen die Wurzeln der antiamerikanischen Stimmung, die sich bei der Botschaftsbesetzung vor genau 40 Jahren entlud, fast drei Jahrzehnte zurück. Denn die USA hatten sich ab den 50er-Jahren wiederholt in die inneren Angelegenheiten Irans eingemischt und dabei den eigenen Willen der Iraner missachtet. Dies galt besonders und nachhaltig für den Sturz von Präsident Mohammad Mossadegh. Und dieser hatte mit einer sehr bekannten Frage zu tun: Wer profitiert vom Öl?

Demonstranten mit einem überdimensionalen Bild des Revolutionsführers Ayatollah Khomeini während einer Anti-Schah-Demonstration in Teheran. (picture alliance / dpa / United Press International)Teheran, 1979: Demonstranten mit einem Bild des Revolutionsführers Ayatollah Khomeini während einer Anti-Schah-Demonstration. (picture alliance / dpa / United Press International)

Ende der 40er-Jahre werden im Iran in der südwestlichen Provinz Khusistan nach und nach stattliche Ölfelder erschlossen. Das "schwarze Gold", das weltweit zu einem immer wichtigeren Energieträger wird, fördern die Iraner gemeinsam mit den Engländern. Ein faires Miteinander gibt es aber nicht. Denn die Jahr für Jahr steigenden Gewinne wandern fast ausschließlich nach Großbritannien. Schon 1950 regen sich deshalb in Iran erste Proteste. Als die Briten nicht darauf reagieren, lässt Teheran seine Ölindustrie im März 1951 verstaatlichen - ein Schock für London.

Der gestürzte iranische Mohammed Mossadegh Premierminister 1953 vor Gericht. (dpa / picture alliance / Everett Collection)Mohammed Mossadegh - hier 1953 als gestürzter Premierminister vor Gericht - wird 1951 als Ministerpräsident die Verstaatlichung der Ölindustrie vorantreiben. (dpa / picture alliance / Everett Collection)

Die Schlüsselfigur auf iranischer Seite ist Ministerpräsident Mohammad Mossadegh. Zwar glauben die Engländer anfangs noch, sie könnten die Iraner mit Geld umstimmen, doch die Verhandlungen scheitern, und sie müssen das Land verlassen. Denn Mossadegh bleibt eisern:

"Die Engländer wollen mit einigen Millionen Pfund die Verhandlungen zur Verstaatlichung immer wieder in die Länge ziehen. Sie wissen nicht - und da bin ich mir ganz sicher -, dass jeder von uns alles Hab und Gut zur Rettung des Vaterlandes hergeben würde."

Weltweiter Boykott verschlechtert Lage

In der Bevölkerung Irans stößt die Verstaatlichung auf großen Zuspruch. Zwar propagieren die Briten nach ihrer Ausweisung einen erfolgreichen Boykott der iranischen Erdölausfuhr, doch für die Iraner - so berichtet Horst Scharfenberger damals aus Teheran für die ARD - bedeutet die Verstaatlichung ihrer Ölindustrie die Erfüllung ihres Strebens nach nationaler Souveränität:

"'Wir wollen nicht mehr Geld, wir wollen unsere Unabhängigkeit', das ist es, was heute jeder Perser - gleich welcher politischen Richtung - jedem Fremden immer und immer wieder versichert."

Durch den weltweiten Boykott des iranischen Erdöls verschlechtert sich die wirtschaftliche Lage im Land. Mossadegh kann dennoch seine Position behaupten.

Der amerikanische Präsident Dwight D. Eisenhower (l) trifft am 14.12.1959 im Kaiserpalast in Teheran im Iran mit Schah Reza Mohammed Pahlavi zusammen. (picture alliance / dpa)Der amerikanische Präsident Dwight D. Eisenhower (l) trifft am 14.12.1959 im Kaiserpalast in Teheran im Iran mit Schah Reza Mohammed Pahlavi zusammen. (picture alliance / dpa)

Die Lage ändert sich Anfang 1953, als in Washington Dwight D. Eisenhower Präsident wird. Hatte sich Harry Truman bis dato zurückgehalten und den Briten sogar geraten, sich mit der Verstaatlichung abzufinden, fasst die neue US-Regierung den Sturz Mossadeghs ins Auge. Denn Washington sieht zum einen die Gefahr, Iran könnte ins "sozialistische Lager" abrutschen. Zum anderen will man gerne die Briten am Golf beerben.

Und so nimmt im März die CIA Kontakt zu General Fazlollah Zahedi auf. Er soll die Schah-treue Armee auf einen Putsch vorbereiten. Gleichzeitig werden vom Teheraner CIA-Büro aus Aktionen gestartet, um zahlreiche iranische Parlamentarier zu "kaufen" - so heute Professor Günter Meyer, Nahostexperte an der Universität Mainz:

"Ab dem 19. August 1953 haben wir eine Militärherrschaft, die der Schah dann in der Folgezeit dazu benutzt hat, um seine Herrschaft in außerordentlich tyrannischer Art und Weise auszubauen - mit Unterstützung der Amerikaner. 1953 markiert den Beginn der militärischen Präsenz der USA in der Region, wobei der Iran zur bedeutendsten Militärmacht mit Unterstützung von mehr als 3.000 amerikanischen Militärberatern ausgebaut wird."

Kurzes Tauwetter ab 1997

1953 wurde das Regime im Iran gestürzt. Der CIA war war direkt mit der Operation Ajax an dem Umsturz beteiligt. (dpa / picture alliance )1953 wurde das Regime im Iran gestürzt. Die CIA war mit der Operation Ajax direkt an dem Umsturz beteiligt. (dpa / picture alliance )

46 Jahre dauerte es, bis die Zusammenhänge um die "Operation Ajax" - wie der Putsch gegen Präsident Mohammad Mossadegh in US-amerikanischen Insiderkreisen hieß - definitiv geklärt wurden. Denn erst im März 2000 räumte die damalige US-Außenministerin Madelaine Albright erstmals eine Beteiligung der USA am Staatsstreich ein. Und einen Monat später veröffentlichte die "New York Times" ein Dokument, in dem die Schlüsselrolle der CIA beschrieben wurde.

Zwei Schülerinnen mit Kopftüchern laufen an einem Wandbild vorbei. Das Bild zeigt die Freiheitsstatue mit Totenkopf statt Gesicht. (picture alliance / EPA / Abedin Taherkenareh)Anti-amerikanisches Graffiti in Teheran (picture alliance / EPA / Abedin Taherkenareh)

Inzwischen war die Eiszeit zwischen den beiden Staaten infolge der Botschaftsbesetzung fortgeschritten. Zwar hatte Washington unter Ronald Reagan Ende 1986, um US-Geiseln im Libanon frei zu bekommen, Waffen an Teheran verkauft. Doch gleichzeitig beschloss die US-Regierung eine Importsperre für iranische Güter. Und als Khomeini 1989 den Schriftsteller Salman Rushdie wegen seines Buches "Satanische Verse" zum Tode verurteilte, wurde die Islamische Republik zum "Schurkenstaat" erklärt.

Tauwetter zog erst 1997 auf, als Mohammed Khatami zum iranischen Präsidenten gewählt wurde. Der Reformer mied das Wort vom "großen Satan USA" und sprach vor der UNO über den Dialog der Kulturen. Auch wenn es die Weltöffentlichkeit kaum wahrnahm, sprachen Iran und die USA sogar wieder direkt miteinander – allerdings ohne konkreten Erfolg.

Der Präsident der Vereinigten Staaten, George W. Bush, hält am 11.10.2002 im Weißen Haus in Washington eine Rede. Amerika spricht nach Auffassung Bushs im Irak-Konflikt jetzt "mit einer Stimme". (picture-alliance / dpa / AFP)US-Präsident George W. Bush bezeichnete in seiner State-of-the-Union-Rede 2002 den Iran zusammen mit Irak und Nordkorea als "Achse des Bösen“. (picture-alliance / dpa / AFP)

Unter Präsident George W. Bush verhärteten sich die Fronten abermals. Denn der US-Präsident bezeichnete in seiner State-of-the-Union-Rede im Januar 2002 den Iran zusammen mit Irak und Nordkorea als "Achse des Bösen".

"States like these and their terrorist allies constitute an axis of evil!"

Doch so unnachgiebig die Haltung Bushs gegenüber Teheran auch war, als Weihnachten 2003 ein Erdbeben die südostiranische Stadt Bam erschütterte und mehr als 30.000 Menschen tötete, schickten selbst die USA Helfer. Erstmals nach einem Vierteljahrhundert durfte eine offizielle Delegation Washingtons in die Islamische Republik einreisen.

"Die Zusammenarbeit ist bislang hervorragend. Schon als wir in Kerman landeten, wurden wir von Regierungsoffiziellen begrüßt. Sie gaben uns einen Terminal am Flughafen, wo wir die Nacht verbrachten. Es war sehr angenehm. Wir trafen uns mit einigen Ministern, und sie waren sehr kooperativ. Wann immer wir Hilfe in Form von Fahrzeugen oder Transportmöglichkeiten wollten, bekamen wir sie bislang. Es ist ein sehr gutes Arbeitsverhältnis."

Beim Erdbeben im südostiranischen Bam 2003 kamen über 26.000 Menschen ums Leben.  (dpa / picture alliance / Abedin Taherkenareh)Beim Erdbeben im südostiranischen Bam 2003 kamen über 26.000 Menschen ums Leben - die USA schickten Hilfe. (dpa / picture alliance / Abedin Taherkenareh)

Nukleares Wissen über geheime Wege organisiert

Die Annäherung zwischen Washington und Teheran, die so tief menschliche Züge angenommen hatte, blieb nur eine Episode. Denn bereits seit 2002 war bekannt geworden, dass Teheran eigenständig zwei Nuklearanlagen betreib: Eine Urananreicherungsanlage in Natanz und eine Schwerwasseranlage in Arak. Das Land hatte sich also auf den Weg begeben, möglicherweise Kernwaffen zu produzieren. Die Lage wurde kritisch, als die Internationale Atom-Energie Agentur IAEA im Spätsommer 2003 in Natanz Spuren angereicherten Urans fand. Iran – so hieß es später – habe 18 Jahre lang sein Nuklearprogramm verheimlicht. Während US-Präsident Bush einen Militärschlag gegen Iran in Erwägung zog, betonte Irans Regierung, man habe als Unterzeichner des Atomwaffensperrvertrages das Recht auf die friedliche Nutzung von Atomtechnik – und von diesem, so Präsident Mahmoud Ahmadinejad, mache man auch Gebrauch:

"Wir akzeptieren nur unser Recht im Rahmen des Atomwaffensperrvertrages, nicht ein bisschen mehr und nicht ein bisschen weniger."

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad spricht 2012 bei UN-Generalversammlung in New York. (dpa / picture alliance / Sven Hoppe)Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad spricht 2012 bei UN-Generalversammlung in New York. (dpa / picture alliance / Sven Hoppe)

Da Iran international auf Betreiben der USA immer wieder vom – wie es im Atomwaffensperrvertrag heißt - "weitest möglichen Austausch von Ausrüstungen, Material und Informationen" ausgeschlossen worden war, hatten sich die Mullahs ihr nukleares Wissen auf geheimen Wegen besorgt. Und zwar über den "Vater der pakistanischen Atombombe", Abdul Kadeer Khan, der lange Jahre in einer Kernforschungsanlage im niederländischen Almelo gearbeitet hatte.

Während Irans Staatsoberhaupt, Ayatollah Ali Khamenei, im August 2005 ein religiöses Gutachten verfasste, das "die Produktion, den Besitz und den Gebrauch von Nuklearwaffen" verbot, setzte Staatspräsident Ahmadinejad auf Konfrontation. So ließ er Anfang 2006 eigenmächtig die Kontrollsiegel der IAEA an der Urananreicherungsanlage in Natanz entfernen. Zudem gab er im Frühjahr 2006 bekannt, Iran habe erstmals selbständig den nuklearen Brennstoffkreis geschlossen.

US-Proteste der iranischen Bevölkerung vor der Atomanlage Natanz. (dpa / picture alliance / Abedin Taherkenareh)US-Proteste der iranischen Bevölkerung vor der Atomanlage Natanz. (dpa / picture alliance / Abedin Taherkenareh)

Konkret war es iranischen Technikern in Natanz mit Hilfe einer Kaskade von 164 Zentrifugen gelungen, gasförmiges Uran auf einen Gehalt von 3,5 Prozent an Uran-235 anzureichern. Dies genügt für die Energiegewinnung, aber bei weitem nicht für Kernwaffen. Ahmadinejad allerdings erklärte sein Land propagandistisch umgehend zum Mitglied im Club der Atommächte:

"Es ist nun ausgeschlossen, dass jemand sich heute einbildet, er könnte dem iranischen Volk drohen. Ich verkünde hier offiziell, dass das iranische Volk eine wahre Supermacht ist."

Die Bevölkerung leidet unter den Atom-Sanktionen

Eine neue Qualität bekam das iranische Atomprogramm im Herbst 2009. Da nämlich wurde bekannt, dass Teheran – ohne die IAEA informiert zu haben – eine zweite Uran-Anreicherungsanlage in Fordo, unweit der Theologenhochburg Ghom, eingerichtet hatte - und zwar unterirdisch. Hinzu kam, dass die Islamische Republik Mitte 2010 erstmals Uran auf 20 Prozent Spaltmaterial angereichert hatte. Dies galt unter Experten als entscheidende Marke, dass die schwierigsten technischen und chemischen Schritte auf dem Weg zu waffenfähigem Uran mit einem noch höheren Anreicherungsgrad zurückgelegt waren.

Irans Präsident Hassan Ruhani besucht das Atomkraftwerk Bushehr (dpa / EPA/PRESIDENTIAL )Irans Präsident Hassan Ruhani besucht das Atomkraftwerk Bushehr (dpa / EPA/PRESIDENTIAL )

Doch mit der jährlich steigenden Zahl der Uranzentrifugen in Iran wuchsen auch die wirtschaftlichen und sozialen Probleme im Land. Denn Teheran, das wiederholt gegen UN-Resolutionen in Zusammenhang mit seinem Nuklearprogramm verstoßen hatte, wurde mit einschneidenden internationalen Sanktionen belegt. Diese trafen die Islamische Republik so empfindlich, dass sich die Mullahs auf Verhandlungen über ihr ein Atomprogramm einließen. Und Präsident Hassan Rohani betonte gegenüber seinen Landsleuten:

"Diejenigen im Land, die verlangen, dass trotz unseres starken und kompetenten Verhandlungsteams nicht mit der Fünf-Plus-Eins-Gruppe verhandelt werden soll, haben wohl anscheinend keine Ahnung, wie es dem Volke geht."

Die Verhandlungen zwischen Teheran und den fünf UN-Vetomächten plus Deutschland dauerten mehrere Jahre. Am 14. Juli 2015 kamen sie schließlich im schweizerischen Lausanne zu einem von beiden Seiten akzeptierten Ergebnis. Und US-Präsident Barack Obama erklärte, die Verbreitung von Atomwaffen im Nahen Osten sei nun gestoppt und Iran von jedem Zugang zur Atombombe abgeschnitten:

"Today we have stopped the spread of nuclear weapons in this region. Every pathway to nuclear weapons is cut off."

Für Trump "der schlechteste Deal aller Zeiten"

Konkret verpflichtete sich Teheran, seine 19.000 Uranzentrifugen um mehr als zwei Drittel zu reduzieren; für mindestens 15 Jahre kein Uran auf mehr als 3,67 Prozent anzureichern und seinen Schwerwasser-Reaktor in Arak zu demontieren. Im Gegenzug sagte die internationale Staatengemeinschaft zu, Schritt für Schritt ihre Wirtschaftssanktionen gegen die Islamische Republik aufzuheben. Die Erleichterung über den Ausgang der Verhandlungen währte allerdings nur kurz, denn am 8. Mai 2018 verkündete US-Präsident Donald Trump:

"… that the United States will withdraw from the Iran-nuclear-deal."

Satellitenfoto der Atomanlage in Natanz, Iran (AP)Atomanlage in Natanz, Iran (AP)Atomabkommen - Iran beginnt mit erhöhter Urananreicherung
Der Iran macht ernst: Weil sich die EU nach Ansicht von Teheran nicht an das Atomabkommen hält, bricht das Land nun eine der wichtigsten Auflagen des Abkommens. Es wurde begonnen, Uran über die erlaubte Grenze hinaus anzureichern. Zugleich kündigte die Regierung weitere Schritte an.

Für den derzeitigen US-Präsidenten ist das von seinem Vorgänger Obama ausgehandelte Abkommen "der schlechteste Deal aller Zeiten". Denn die Islamische Republik, so kritisiert er, werde dadurch nicht dauerhaft am Griff nach der Atombombe gehindert. Die USA belegten den Iran abermals mit schweren Wirtschaftssanktionen, die zudem auch all jene Länder betreffen, die mit Teheran Handel betreiben. In der Hoffnung, die europäischen Vertragspartner würden Washington die Stirn bieten und das Atomabkommen – wie versprochen - retten, kam ein Jahr lang aus Iran nicht mehr als verbaler Protest.

Der Sprecher des saudischen Verteidigungsministeriums, Oberst Turki bin Saleh al-Malki, zeigt während einer Pressekonferenz in Riad am 18. September 2019 Teile von vermeintlichen iranischen Marschflugkörpern und Drohnen, die vorm Angriffsort, den Khurais Ölfeld, geborgen wurden.  (AFP)Saudisches Verteidigungsministerium in Riadn zeigt am 18. September 2019 Teile von vermeintlichen iranischen Marschflugkörpern und Drohnen, die vom Angriffsort stammen sollen. (AFP)

Am 8. Mai 2019 aber – also genau ein Jahr nach dem Ausstieg Washingtons – erklärte Teheran seine Geduld für beendet und fuhr entgegen aller Vertragsbedingungen schrittweise den Grad seiner Urananreicherung wieder hoch. Zudem erhöhte es seinen Bestand an angereichertem Uran. Gleichzeitig kam es zu mehreren Zwischenfällen in der Straße von Hormus im Persischen Golf. Mehrere Handelsschiffe wurden mutmaßlich durch Teheran angegriffen sowie eine amerikanische Drohne durch iranische Streitkräfte abgeschossen.

Ein Schnellboot der iranischen Revolutionsgarden umkreist den unter britischer Flagge fahrenden Öltanker "Stena Impero".  (Mehr News Agency)Juli 2019: Der britische Öltanker Stena Impero wurde vom Iran beschlagnahmt. (Mehr News Agency)

US-Präsident Trump, der zuvor zusätzliche Streitkräfte in die Region hatte verlegen lassen, erklärte, er habe einen Vergeltungsschlag gegen die Islamische Republik in letzter Minute abgeblasen und damit eine weitere Eskalation verhindert.

Ein Porträt von US-Präsident Donald Trump. (dpa/AP/Patrick Semansky)Donald Trump will doch keinen Krieg im Nahen Osten. (dpa/AP/Patrick Semansky)

Bewaffneter Konflikt möglich

Das Verhältnis zwischen den beiden Rivalen ist also zurzeit angespannt, wie schon lange nicht mehr - zumal nicht nur die USA, sondern auch Deutschland, Großbritannien und Frankreich vermuten, dass hinter dem Drohnenangriff auf die großen Ölförderanlagen von Washingtons Verbündetem Saudi-Arabien im September die Islamische Republik steht. Viele Beobachter auch aus Europa befürchten bereits, dass 40 Jahre nach der Botschaftsbesetzung von Teheran ein bewaffneter Konflikt zwischen den USA und Iran bevorsteht.

Susanne Schröter, die Direktorin des Forschungszentrums "Globaler Islam" an der Uni Frankfurt am Main, hält dies jedoch für wenig wahrscheinlich:

"Bis jetzt ist es ein prekäres Gleichgewicht. Ich gehe eigentlich davon aus, dass dieses Gleichgewicht auch erhalten bleibt. Weil die Amerikaner sich nicht rühren werden und der Iran auch am besten damit fährt, das alles bleibt, wie es ist."

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