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StartseiteKalenderblattDie Hexenjäger05.12.2009

Die Hexenjäger

Vor 525 Jahren hat Papst Innozenz VIII. die Hexenbulle erlassen

Seit dem 14. Jahrhundert zogen Inquisitoren, die bisher Ketzer aufspürten, auch gegen Hexer und Hexen zu Felde. Gestärkt wurde ihr Vorgehen durch die Hexenbulle, die Papst Innozenz VIII. am 5. Dezember 1484 veröffentlichte. Vermutlich 300.000 bis 500.000 fielen der Hexenverfolgung zum Opfer.

Von Peter Hertel

"Hexenflug" von Francisco de Goya (AP)
"Hexenflug" von Francisco de Goya (AP)

Zauberer und Hexen haben den Menschen seit Urzeiten hochfliegende Träume, aber auch niederdrückende Ängste beschert. Denn mit ihren übernatürlichen Künsten, so dachte man, könnten sie ihnen Heil oder Unheil bringen. Dichter malten die fantastischen Geschichten über Hexenflüge und Hexenküchen aus, auch wenn sie selber nicht an die Unholde glaubten. Der Komponist Hector Berlioz lud seine Hörer gar zu einem Hexensabbat, auf dem Hexen und Teufel gemeinsam Orgien feierten.

In seiner Frühzeit war das Christentum gegen den Glauben an Hexen zu Felde gezogen. Doch im Spätmittelalter kam der alte Wahn in neuer Form zurück: Hexen heckten Böses aus gegen die Christenheit und die Welt, hieß es nun, sogar eine Hexensekte entstehe. Der Antichrist sei dabei, die Welt zu erobern. Etwa seit dem 14. Jahrhundert nahmen sich deshalb Inquisitoren, die Ketzer aufspürten, auch Hexer und Hexen vor. Am 5. Dezember 1484 erhielten sie Unterstützung von oberster Stelle. Papst Innozenz VIII. veröffentlichte den Erlass "Summis desiderantes affectibus".

Nicht ohne große Kümmernis kam uns dieser Tage zu Ohren, dass in deutschen Landen sehr viele Personen beiderlei Geschlechts ihr eigenes Seelenheil missachten und vom katholischen Glauben abfallen.

Das war Ketzerei, die mit dem Feuertod bestraft werden konnte. Der Heilige Vater beschrieb die Verbrechen der Übeltäter.

Sie treiben Unzucht mit Teufeln, die sich als Männer oder Frauen mit ihnen vermischen. Mit Zaubereien, Bannsprüchen und Beschwörungen und mit anderen verfluchten Verbrechen ermorden sie Kinder im Mutterleib ebenso wie Junge des Viehs. Sie vernichten die Früchte der Erde. […] Sie peinigen Menschen mit grausamen Qualen, so dass Männer nicht zeugen und Frauen nicht empfangen können.

Die Hexenbulle, wie der päpstliche Erlass genannt wurde, forderte die Obrigkeit auf, zwei namentlich genannte Inquisitoren bei der Hexenjagd zu unterstützen. Der Elsässer Institoris - er hieß mit bürgerlichem Namen Heinrich Kramer - war beherrscht von sadistischem Frauenhass und Angst vor der Sexualität. So verfolgte er vor allem Frauen.

Alles geschieht aus fleischlicher Begierde, die bei [den Frauen] unersättlich ist. […] Und darum treiben sie es auch mit den Dämonen, um ihre Begierden zu befriedigen.

Der Inquisitor Institoris hatte die Hexenbulle entworfen und Papst Innozenz VIII. dazu gebracht, sie zu veröffentlichen. Aber allein reichte sie ihm nicht. Um seine Hexensuche noch schärfer forcieren zu können, schrieb er zur römischen Verordnung einen verhängnisvollen Kommentar. Darin legte er dar, wie Hexen aufzuspüren, zu foltern und auszutilgen seien. Dass der Papst von dem Kommentar Kenntnis hatte, gilt allerdings als unwahrscheinlich. Der Buchtitel lautet:

Malleus Maleficarum - Der Hexenhammer

Diesen Kommentar zur Hexenbulle sehen viele als eines der berüchtigtsten Machwerke der Weltliteratur an. Über 100 Seiten dick, erschien es meist zusammen mit dem zweiseitigen päpstlichen Erlass, der staatlichen Obrigkeiten in der Neuzeit die moralische Begründung zur Ausrottung angeblicher Hexen lieferte. Selbst wenn die Reformatoren Luther und Calvin ebenfalls leidenschaftliche Hexenverfolger waren: Den Weg in eine der schwärzesten Epochen Europas hat die Hexenbulle des Papstes Innozenz VIII. gebahnt. Auch die Päpste, die ihm folgten, schützten mit ihrer Autorität den Hexenwahn und die Inquisition. Unter päpstlichem Segen verbanden sich Kirchenrechtler, Hexenjäger und Henker.

Die Angaben über die Zahl der hingerichteten Opfer, zu 80 Prozent Frauen, schwanken in der Regel zwischen 300.000 und 500.000. Es werden aber auch viel höhere Zahlen genannt. Die letzte überlieferte Hinrichtung einer Hexe in Mitteleuropa fand 1793 im Großherzogtum Posen statt.

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