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StartseiteKommentare und Themen der WocheEndlich einen CO2-Preis einführen28.07.2019

Die Hitze und der KlimawandelEndlich einen CO2-Preis einführen

Es gebe kein Grundrecht darauf, zweimal im Monat für 50 Euro nach Mallorca zu fliegen, kommentiert Ralf Krauter. Die Politik müsse endlich einen CO2-Preis einführen, der ökologische Lenkungswirkung entfalte. Allein mit wohlfeilen Appellen werde Deutschland seine Klimaziele nämlich nie erreichen.

Von Ralf Krauter

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Flugzeug mit Kondensstreifen vor blauem Himmel (picture alliance / NurPhoto / Nicolas Economou)
Der Kohleausstieg muss schneller gehen Der Kohleausstieg muss schneller gehen und das Fliegen so besteuert werden, dass es teurer wird als Zugfahren, meint Ralf Krauter. (picture alliance / NurPhoto / Nicolas Economou)
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Manche Zeitgenossen verbuchen die Rekordhitze, die wir gerade erleben, in der Rubrik Wetterkapriolen. Schließlich hat es solche Jahrhundertsommer immer schon gegeben. Das Problem dabei: Wir hatten schon letztes Jahr einen Rekordsommer. Genau wie 2006 und 2003. Von Ausreißern und Einzelfällen kann also keine Rede sein. Die Statistik ist eindeutig: Es wird immer wärmer in Deutschland. Seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1881 wurden sechs der zehn wärmsten Jahre nach 2010 verzeichnet.

Wenn Wetterextreme so gehäuft auftreten, ist das ein sicheres Zeichen dafür, dass sich das Klima verändert. Die Erderwärmung begünstigt Wetterlagen, die heiße Wüstenluft aus Nordafrika nach Europa lenken. Da Treibhausgase den Klimawandel befeuern, heißt das: Wir bekommen jetzt die Quittung dafür, dass wir seit 150 Jahren massenhaft Kohle, Erdöl und Gas verbrennen. Der Klimawandel ist kein düsteres Zukunftsszenario. Er ist längst Realität, auch hierzulande. Wir spüren ihn, wenn wir uns nachts verschwitzt in unseren Betten wälzen und wegen der tropischen Hitze nicht schlafen können.

Die gute Nachricht ist, dass diese Zusammenhänge inzwischen vielen Menschen klar sind. Der Weltklimarat, die UN-Klimakonferenzen und vor allem auch die Fridays-for-Future-Demonstrationen haben ins öffentliche Bewusstsein gerückt, dass wir gut beraten wären, die Erderwärmung so schnell wie möglich zu bremsen.

Nichtstun kommt uns teuer zu stehen

Die schlechte Nachricht lautet: Obwohl die meisten von uns das alles wissen, machen viele einfach weiter wie bisher – und tun so, als hätten wir alle Zeit der Welt, um das Problem in den Griff zu bekommen.

Weil uns das Nichtstun teuer zu stehen kommen wird, plädieren Sachverständige aus Wissenschaft und Wirtschaft inzwischen erstaunlich einstimmig dafür, das Verbrennen fossiler Energieträger saftig zu verteuern. Wer CO2 ausstößt, fordern die Experten unisono, muss endlich dafür bezahlen. Und zwar soviel, dass es wehtut – und Bürger und Unternehmen ernsthaft darüber nachdenken, wie sie ihren CO2-Fußabdruck verringern können.

Die Politik muss diesen Ball endlich aufnehmen und einen CO2-Preis einführen, der ökologische Lenkungswirkung entfaltet. Allein mit wohlfeilen Appellen an die Einsicht und Eigenverantwortung aller Beteiligten wird Deutschland seine Klimaziele nämlich nie erreichen. Im Verkehrssektor zum Beispiel sind die CO2-Emissionen in den vergangenen 20 Jahren trotz technischer Fortschritte nicht gesunken. Der Grund: Immer mehr Menschen kaufen sich immer größere Autos, fliegen immer öfter in den Urlaub und verhageln damit die Bilanz.

Denkfabrik Klimawandel

Die Freiheit des Einzelnen ist ein hohes Gut. Aber sie muss dort enden, wo sie die Entfaltungsmöglichkeiten künftiger Generationen beschneidet. Es gibt kein Grundrecht darauf, dass ein kerngesunder Familienvater, der sonntags Brötchen holt, die 500 Meter zum Bäcker mit einem zweieinhalb Tonnen schweren Stahlpanzer zurücklegen darf.

Es gibt auch kein Grundrecht darauf, zweimal im Monat für 50 Euro nach Mallorca zu fliegen. Die Bundesregierung muss Rahmenbedingungen schaffen, die den Menschen den Spaß an solchem Irrsinn verderben. Und sie sollte den heißen Rückenwind aus der Sahara, den wir gerade alle im Nacken spüren, nutzen, um beim Klimaschutz ernst zu machen.

Der Kohleausstieg muss schneller gehen

Der Kohleausstieg muss schneller gehen und das Fliegen so besteuert werden, dass es teurer wird als Zugfahren. Gewicht und Spritverbrauch von Neuwagen müssen gedeckelt werden. Von der Pendlerpauschale sollten künftig nur noch jene profitieren, die ihr Auto stehen lassen und mit Bus, Bahn oder Fahrrad zur Arbeit fahren. Und natürlich müssen soziale Härtefälle abgemildert werden und Milliarden in den Ausbau von Schienen- und öffentlichem Nahverkehr fließen, damit die Menschen Alternativen haben.

All das wäre auf nationaler Ebene zügig umsetzbar. Das Klimakabinett könnte im September die Weichen stellen und Deutschland der Welt beweisen, dass die Energiewende gelingen kann. Angela Merkel galt einst als Klimakanzlerin. Wie cool wäre es, wenn sie die Rekordhitze mit kühlem Kopf nutzen würde, um dieses Image wieder aufzupolieren?

Unterstützer würden sich sicher finden. Denn der nächste Jahrhundertsommer kommt bestimmt bald.

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