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StartseiteMarkt und MedienDie Jugendzeitschrift "Spiesser"20.08.2005

Die Jugendzeitschrift "Spiesser"

Eine ostdeutsche Medienerfolgsgeschichte

Dass das Wort "Spießer" heutzutage kein Schimpfwort mehr sein muss, liegt an einer Gruppe junger Journalisten aus Dresden. Was als Schülermagazin begann, ist heute eine ostdeutsche Medienerfolgsgeschichte. Der "<papaya:link href="http://www.spiesser.de" text="Spiesser" title="Jugendzeitschrift Spiesser" target="_blank" />" hat sich etabliert und setzt an zur Expansion nach Berlin und Brandenburg.

Von Claus Stäcker

Herausgeber Frank Haring vor einer SPIESSER-Motiv-Wand (Frank Grätz)
Herausgeber Frank Haring vor einer SPIESSER-Motiv-Wand (Frank Grätz)
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Jugendzeitschrift Spiesser

Redaktionskonferenz beim Spiesser: Sieben Leute sind gekommen, keine schlechte Beteiligung - so mitten im Sommer. Aber es geht auch um was, denn nach den Ferien soll das Heft expandieren - nach Berlin und Brandenburg - und parallel dazu ist eine Art Relaunch geplant - mit neuen Rubriken, die alle irgendwie zum Thema Schule passen sollen.

"Sport frei" wird vorgeschlagen und umgehend zerredet.

Nicole Kirchner reißt in solchen Situationen gern mal das Wort an sich.
Die 23-Jährige hat die Erfolgsgeschichte der Monatszeitschrift über Jahre entscheidend mitgeschrieben. Der Spiesser begann vor zehn Jahren als Dresdner Schülermagazin, heute ist er mit rund 200.000 Druckexemplaren in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen die erfolgreichste Neugründung im Osten nach der Super-Illu.

"Während andere immer unregelmäßiger gekommen sind, haben wir also kontinuierlich immer ein Heft gemacht, jeden Monat. Und es hat sich wirklich im Laufe der Jahre wie zu einer Art Marke entwickelt an den Schulen, dass uns die Schüler einfach kennen. "

Die Stammredaktion machte sich, als sie mit der Schule fertig war, einfach selbstständig. So wurde Gründer Frank Haring mit 20 Jahren Verleger. Heute ist er mit 28 ein Oldie, den Redaktions-PC hat er aus Altersgründen schon lange nicht mehr angerührt.

"Ich habe mich mehr und mehr dem verlegerischen Geschäft gewidmet. Da ist es nicht schlimm, wenn man ein bisschen älter ist und ein bisschen Erfahrung mitbringt. Im Bereich Redaktion pflegen wir nach wie vor die Herangehensweise, dass die Zielgruppe für die Zielgruppe arbeitet. "

Also schreiben 16, 17- oder 19-Jährige für Leser, die dem Dr.-Sommer-Team der Bravo entwachsen sind, keine Petting-Tipps mehr brauchen und Promiklatsch öde finden - Gefragt sind eher simple Ratgeber-Themen: Die Lehrstelle, der erste Job, die erste Wohnung oder auch das erste Mal im Arbeitsamt.

"Ich denke, dass der Spiesser das macht, was andere eben nicht machen: Er beantwortet die Fragen, die ein 15-,16- oder auch 17-Jähriger hat,…"

…erklärt Chefredakteur Peter Stawowy das Erfolgsgeheimnis. Er ist einer der drei Profis in der Redaktion, dazu kommen 15 freie Redakteure. Ihre Texte sind kurz, das Layout luftig und farbenfroh - Im Umgang mit den Werbekunden kennt der Spiesser keine Berührungsängste - Das Gratisblatt schreibt schwarze Zahlen.

"Wir sind schon ein werbefinanziertes Blatt, aber wir haben eben versucht - trotz kostenlos und eben werbefinanziert - einen hohen inhaltlichen Inhalt im Heft zu behalten und eben auch zu pflegen. "

Spätestens seit klar ist, dass der Spiesser nach Berlin und Brandenburg expandiert, ist man bundesweit auf das Auflagenwunder Ost aufmerksam geworden, Frank Haring:

"Am 29.8. erscheint das erste Heft, dann noch mit einer zusätzlichen Auflage von 100.000, da sind wir also bei 300.000 Auflage. Normalerweise ist so eine neue Ausgabe schon ein betriebswirtschaftliches, also ein wirtschaftlicher Kraftakt. Aber durch die ganze Ankündigung von Berlin haben wir aber so einen Zulauf gehabt von Kunden, die gesagt haben, oh jetzt Berlin, da müssen wie unbedingt dabei sein, dass wir jetzt eine sehr komfortable Situation haben,… "

…berichtet Jungverleger Haring vor der entspannenden Kulisse eines Springbrunnens. Für den Sachsen und seine jugendliche Mitstreiter ist klar, dass der Preußenfeldzug ebenso triumphal sein wird wie zuvor die friedliche Okkupation Thüringens und Sachsen-Anhalts. Selbstzweifel sind den Dresdnern fremd. Dass der Spiesser mit dem Titel "größte ostdeutsche Jugendzeitung" hausieren geht, nun aber erstmals auch Schüler mit West-Sozialisation anspricht, ist für das Team Haring/Stawowy 15 Jahre nach der Wende kein Widerspruch mehr:

Haring: "Ja, wir hatten ja überlegt Westberlin auszulassen und gar nicht erst zu beliefern. Nee, natürlich nicht, das ist Quatsch. Das ist natürlich keine politische Einordnung, Ostdeutschland ist ein rein geografischer Begriff. Das hat, wie gesagt, mit den inhaltlichen Themen des Blattes... wir sind ja nicht rückwärtsgewandt, oder so. Wir bearbeiten ja nun keine Themen wie Super-Illu, wo man praktisch 'nen Background braucht aus der DDR, um das Heft zu verstehen, sondern es geht ja nach vorn und es geht um aktuelle Sachen und da denke ich, nehmen sich Ostberliner und Westberliner Jugendliche nix mehr. "

Stawowy: "Journalistisch ist das absolut realistisch, dass der Spiesser in allen Bundesländern funktionieren würde. Es ist jetzt nicht das primäre Ziel. Im Moment geht es uns erstmal darum, schrittweise, auch in dem Tempo, das wir verkraften können, den Osten komplett abzudecken und das auch erfolgreich umzusetzen. "

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