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StartseiteGesichter EuropasFür Gott und Kroatien21.04.2018

Die katholische KircheFür Gott und Kroatien

Die katholische Kirche in Kroatien ist mit Privilegien ausgestattet, wie kaum eine andere Religionsgemeinschaft in Europa. Sie wird mit viel Geld aus dem Staatshaushalt finanziert und ist zugleich ein einflussreicher Faktor: in Talkshows, in der Schule, in der Politik.

Von Dirk Auer

Der Erzbischof von Zagreb, Kardinal Josip Bozanić, hält die Messe in der Kathedrale von Zagreb/ Kroatien (Imago)
Der Erzbischof von Zagreb, Kardinal Josip Bozanić, hält die Messe in der Kathedrale von Zagreb/ Kroatien (Imago)
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Propagiert werden aber nicht nur die Heilige Schrift, sondern auch Nationalismus, rigide konservative Werte und ein revanchistisches Geschichtsbild. Das stößt bei vielen Kroaten auf Kritik. "Gesichter Europas" unterwegs in einem zerrissenen Land, in dem der Streit über die Nation, Gott und Moral zum Alltag gehört.

Die Kathedrale in der kroatischen Hauptstadt Zagreb (Imago) (Imago)Politische Botschaft aus der Kathedrale
Seit dem Ende des Kommunismus hat die Katholische Kirche in Kroatien stark an Bedeutung gewonnen. Der Klerus propagiert einen rigiden Konservatismus und Nationalismus. Das stört diejenigen, die noch Priester erlebt haben, die stärker am Dialog interessiert waren.

Am Todestag des ehemaligen Erzbischofs von Zagreb, lojzije Stepinac, versammeln sich jedes Jahr viele Gläubige am gläsernen Sarg mit seiner einbalsamierten Leiche in der Kathedrale von Zagreb (Deutschlandradio/ Dirk Auer) (Deutschlandradio/ Dirk Auer)Die dunkle Vergangenheit der Kirche
Der kroatische Kardinal Alojzije Stepinac ist umstritten wegen seiner Nähe zum faschistischen Ustascha-Regime, das Kroatien während des Zweiten Weltkriegs regierte. Dennoch überlegt der Vatikan, Stepinac heilig zu sprechen. Auch in Zagreb wird der Kardinal noch immer verehrt.

Die Kirchenzeitung Glas Koncila ist auch im Internet vertreten. 28.000 gedruckte Zeitungen werden wöchentlich verkauft. (Screenshot der Homepage von Glas Koncila (13.4.2018)) (Screenshot der Homepage von Glas Koncila (13.4.2018))Eine Kirchenzeitung mischt mit
Abtreibung, Homosexualität, Flüchtlinge. Bei Themen, die Kroatien bewegen, mischt die katholische Zeitung "Glas Koncila" mit. Das Blatt hat dabei oft auf versöhnliche Töne gesetzt. Inzwischen ist es wieder auf Linie der Kirche – und schlägt immer mehr nationalistische Töne an.

Demonstration in Zagreb für die Ratifizierung der Istanbuler Konvention gegen Gewalt an Frauen (Deutschlandradio/ Dirk Auer) (Deutschlandradio/ Dirk Auer)Protest gegen zu viel Kirche
Mit der Istanbuler Konvention sollen Frauen vor Gewalt geschützt werden. Die Katholische Kirche war gegen die Ratifizierung. Die Aktivisten für ein säkulares Kroatien sehen darin einen Beweis dafür, dass der Einfluss der Kirche zurückgedrängt werden müsse.

Die zum Gebet gefalteten Hände eines Gottesdienstbesuchers in der Kathedrale von Zagreb (Imago) (Imago)"Das ist Fake-Katholizismus"
Priester, Bischöfe und Kardinäle prägen das offizielle Bild der Katholischen Kirche in Kroatien. Aber viele Menschen sind mit dem nationalkonservativen Kurs der Geistlichen nicht einverstanden. Und versuchen, ihren Glauben nach eigenen Regeln auszuleben.

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