Seit 23:10 Uhr Das war der Tag
Mittwoch, 22.09.2021
 
Seit 23:10 Uhr Das war der Tag
StartseiteSport am WochenendeDie Kleinen werden gehängt, die Großen lässt man laufen12.08.2011

Die Kleinen werden gehängt, die Großen lässt man laufen

FIFA eröffnet Verfahren gegen 16 Concacaf-Funktionäre

Auf den ersten Blick sieht es nach dem lang erwarteten Großreinemachen beim korruptionsumwitterten Weltfußballverband aus. Im Zuge der Stimmenkauf-Affäre Mitte Mai hat die FIFA-Ethikkommission ein Verfahren gegen 16 Fußballfunktionäre in der Karibik eröffnet. Doch es handelt sich dabei nur um kleine Fische.

Von Thomas Kistner

FIFA-Präsident Joseph Blatter (picture alliance / dpa / Patrick B. Kraemer)
FIFA-Präsident Joseph Blatter (picture alliance / dpa / Patrick B. Kraemer)

Der Weltverband versucht weiter Entschlossenheit zu simulieren, wie schon zuvor bei der lebenslangen Sperre von Sepp Blatters Präsidentschafts-herausforderer Mohammed Bin Hammam. Jedoch wird immer deutlicher, dass die Fifa mit dem Großangriff auf die Karibik-Funktionäre strategische Ziele verfolgt: Kleinere Sünder sollen büßen, die Großen werden weiter nicht angerührt. Ermittelt wird weder gegen die drei Fifa-Vorständler, die Bin Hammam bei der korrupten Karibik-Aktion begleitet hatten, noch gegen den Amerikaner Chuck Blazer, den neuen starken Mann in der Region. Blazer, Generalsekretär des Nord- und Mittelamerikaverbandes Concacaf, hatte die Karibik-Affäre per Anzeige bei der Fifa ins Rollen gebracht. Damit war Blatters Herausforderer Bin Hammam erledigt. Als jetzt aber bekannt wurde, dass sich Blazer über die Marketingverträge des von ihm selbst verwalteten Concacaf ein Millionenvermögen zugeschanzt hat, erklärte sich die Fifa für unzuständig in dieser Causa ihres Vorständlers.

Sie knöpft sich lieber kleine Fische wie Colin Klass vor. Der Guyana-Chef zählte stets zu Blatters treuesten Parteigängern, solange dieser Guyana mit Fördergeldern verwöhnte. Vor seiner Wiederwahl 2002, als Blatter in derselben Kritik stand wie heute, schrieb ihm Klass unterwürfig: "Ihre Verleumder sind sicher, dass sie die Wahl verlieren, deshalb wollen sie die Presse gewinnen." Dann erinnerte er Blatter ganz direkt an das Guyana zugesagte Entwicklungshilfe-Projekt und an das Finanzhilfeprogramm FAP. Der Brief endete: "Guyana und Concacaf stehen fest hinter Ihnen" . Ähnlich wurde Blatter damals vom Fußballchef der Dominikanischen Republik gefeiert, Osiris Guzman regte gar eine Ehrenerklärung der Concacaf für Blatter an. Jetzt steht auch er auf der Schwarzen Liste. Blatters Leute von gestern werden heute nicht mehr gebraucht.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk