Die Komponistin Sara GlojnaricNostalgie und Retromanie

Weshalb sind wir süchtig nach Revivals? Welche Artefakte aus vergangener Pop- und Alltagskultur, die längst vergessen schienen, suchen uns plötzlich heim? Gibt es tatsächlich so etwas wie eine kollektive Nostalgie? Diese Fragen beschäftigen die kroatische Komponistin Sara Glojnaric in ihrer Musik.

Von Leonie Reineke | 03.04.2021

Eine Frau mit langen, schwarzen Haaren ist im Porträt vor einer rot-orangenen Wand zu sehen. Sie blickt leicht nach oben und nach rechts aus dem Bild.
Steht für neue Maßstäbe in heutigem Kunstmachen: Sara Glojnaric. (Martin Hauser)
Geboren 1991 in Zagreb, zählt Sara Glojnaric nicht nur selbst den sogenannten "Millenials". Sie erforscht auch die soziopolitischen Hintergründe und spezifischen Eigenschaften dieser ihrer Generation.
Eine Entscheidung zwischen Kunst und Pop musste sie nie treffen. In ihrer Arbeit als Komponistin und Soundkünstlerin vereint sie beides: den Möglichkeitsraum der zeitgenössischen Kunstmusik mit typischen Spezifika breitenwirksamer Popkultur.

Serien, Stile, Moden

So beschäftigt sie sich in ihren multimedialen Kompositionen dezidiert auch mit Nostalgie: "Mir ist aufgefallen", sagt Glojnaric, "dass es seit der Jahrtausendwende in allen Bereichen von Popkultur immer wieder Revivals gibt – von alten Fernsehserien, Moden oder Musikstilen. Und ich frage mich: Weshalb klammern wir uns an solche Erinnerungen und Gedanken an frühere Zeiten? Was sagt das über unsere heutige Gesellschaft aus?" Eine kreativ-assoziative Antwortsuche auf diese Fragen unternimmt Sara Glojnaric in ihrer Musik.