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StartseiteKommentare und Themen der WocheSchon wieder wertvolle Zeit vergeudet 17.11.2020

Die Ministerpräsidenten und die CoronakriseSchon wieder wertvolle Zeit vergeudet

Einige Landesfürsten hätten aus ihrer Arroganz aus dem Frühjahr nichts gelernt, kommentiert Frank Capellan. NRW-Ministerpräsident Laschet und seine Kolleginnen und Kollegen hätten es in der Hand gehabt, einen halbherzigen Lockdown anders zu gestalten, nämlich: kurz und schmerzhaft.

Von Frank Capellan

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16.11.2020, Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf: Armin Laschet (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, spricht während einer Pressekonferenz. Nach den Beratungen von Bundeskanzlerin Merkel mit den Ministerpräsidenten gibt Laschet in einer Pressekonferenz die Ergebnisse für das Land Nordrhein-Westfalen bekannt. Foto: Federico Gambarini/dpa | Verwendung weltweit (Picture Alliance / dpa / Federico Gambarini)
NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) (Picture Alliance / dpa / Federico Gambarini)
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Was wollen wir eigentlich? Wollen wir dafür sorgen, dass wir das Weihnachtsfest doch noch mit engen Verwandten verbringen können? Sollte es nicht möglich sein, die Eltern zu besuchen, den Opa, die Oma, gerade dann, wenn sie alleine leben und besonders unter Corona zu leiden haben?

Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)Übersicht zum Thema Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)

Wenn wir das wollen, dann zählt jeder Tag. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat es heute nochmals betont, und bisher lag sie mit ihren Vorhersagen richtig. Als sie 19.000 tägliche Neuinfektionen bis Weihnachten in Aussicht stellte, wurde sie von einigen Landesfürsten arrogant belächelt: Die Zahl ist längst überschritten. Als Panikmache taten die Chefs im Osten den Ruf nach einem zweiten Lockdown ab. Dann mussten sie mitziehen, dramatisch steigende Zahlen vor der eigenen Haustür trieben ihnen selbst die Angst ins Gesicht. Gelernt haben sie nichts daraus.

Baerbock und die "Bild"

Wieder sind die Länder dafür verantwortlich, dass wertvolle Zeit vergeudet wird. Was nächste Woche festgelegt wird, hätte gestern, nein schon viel früher entschieden werden müssen. Wenn schon Kontaktbeschränkungen, dann bitte richtig. Was sich in den eigenen vier Wänden abspielt, kann der Staat ohnehin nicht kontrollieren, aber warum hat er uns dann noch ausdrücklich erlaubt, uns jeden Tag mit Mitgliedern eines anderen Haushaltes zu treffen?

Mehrere Injektionsnadeln liegen in einem Halbkreis, das Foto ist künstlerisch verfremdet. (imago / Future Image) (imago / Future Image)Biontech/Pfizer und Co.​ - Wettlauf um den Corona-Impfstoff 
Im Wettlauf um die Entwicklung eines Corona-Impfstoffs haben Biontech und Pfizer, ein vielversprechendes Zwischenergebnis gemeldet. Auch andere Projekte sind schon sehr weit. Ein Überblick.

Gestern erst hat Merkel darauf gedrängt, dass es immer ein und derselbe sein müsse, Kinder sollten sich drinnen nur mit einem einzigen besten Freund treffen dürfen. Ja, was denn sonst? Nichts ist daran weltfremd und unangemessen, wie es Grünen-Chefin Baerbock gestützt von der "Bild"-Zeitung anprangert: Es ist konsequent. Beim Spielen draußen ist ohnehin mehr möglich, drinnen aber sollte diese Beschränkung für ein paar Wochen möglich sein.

Frech von Laschet

Die Infektionszahlen bei den unter 14-Jährigen haben sich laut Robert-Koch-Institut seit September verzehnfacht, Studien zeigen, dass Kinder völlig unbemerkt, da symptomfrei, Corona verbreiten und doch blockieren die Länder eine generelle Maskenpflicht auch in den Schulen. Statt sich mit absurden Fenster-Öffnen-Ratschlägen und CO2-Meldern aufzuhalten, hätten die Kultusminister längst auf erwiesenermaßen wirksame Belüftungsanlagen drängen müssen.

Passiert ist nichts, und da ist es schon frech, wenn ein Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) uns nun auf eines der härtesten Weihnachtsfeste seit Jahrzehnten einschwören will. Er und seine Kolleginnen und Kollegen hatten es in der Hand, einen halbherzigen Lockdown so zu gestalten, wie er hätte sein können: kurz und schmerzhaft.

Wir sollten mit dem Jammern auf hohem Niveau aufhören. Ausgangssperren in Italien und Spanien – auch für Kinder – haben uns doch gezeigt, was wirklich hart ist. Was wir wirklich wollen, müssen wir endlich begreifen und entsprechend handeln.

Frank Capellan, Hauptstadtstudio (Deutschlandradio / Bettina Straub  )Frank Capellan, Hauptstadtstudio (Deutschlandradio / Bettina Straub )Frank Capellan, geboren 1965 im Rheinland, studierte Publizistik, Neuere Geschichte und Politikwissenschaften, Promotion an der Universität Münster. Nach einer Ausbildung bei der Westdeutschen Zeitung folgte ein Volontariat beim Deutschlandfunk, dem er bis heute treu geblieben ist. Zunächst Moderator der Zeitfunk-Sendungen, unter anderem der Informationen am Morgen; seit vielen Jahren als Korrespondent im Hauptstadtstudio tätig, dort u. a. zuständig für die SPD und Familienpolitik.

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