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StartseiteWissenschaft im BrennpunktJeder Lockdown hat ein Ende14.02.2021

Die Perspektive in der PandemieJeder Lockdown hat ein Ende

Seit Ende Oktober ist Deutschland im Covid-Lockdown. Immer wieder wurden die Maßnahmen angepasst, verlängert oder verschärft. Die Impfungen geben Anlass zur Hoffnung, aber am Horizont ziehen die neuen Varianten des Virus auf. Wie können wir uns Freiräume schaffen, ohne die nächste Welle zu riskieren?

Moderation: Arndt Reuning. Mit Beiträgen von Volkart Wildermuth

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Eine Frau geht an einer Kreidetafel vorbei, auf der "Corona-Lockdown bis 14. März" geschrieben steht. (picture alliance / SvenSimon / Frank Hoermann)
Es gibt wieder mal einen neuen Termin für ein Lockdown-Ende - ohne Gewähr allerdings. Eine tatsächliche Normalisierung des Lebens ist noch für sehr lange Zeit nicht in Sicht. (picture alliance / SvenSimon / Frank Hoermann)
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Seit über einem Jahr bereits leben wir mit der Pandemie – mittlerweile schon im zweiten Lockdown, der kein Ende zu nehmen scheint. Für viele Menschen bedeutet das ein Leben zwischen Kurzarbeit und Kinderbetreuung; zwischen Sorgen um die Finanzen, und um die eigene Gesundheit oder das Wohlergehen der älteren Angehörigen. Wie gehen wir alle damit um? Damit beschäftigt sich die COSMO-Studie

Schülerinnen und Schüler sitzen mit Masken und Abständen in einem Klassenraum. Vorne steht eine Lehrerin, ebenfalls mit Maske. (IMAGO / Independent Photo Agency Int./ Marco Passaro) (IMAGO / Independent Photo Agency Int./ Marco Passaro)Kinder und Corona - Wie sich Schulen verantwortlich öffnen lassen
Die Schulen sollen wieder geöffnet werden. Dafür sprechen gute Gründe: die Bildung, aber auch die Lockdown-Belastung für die Kinder. Auf der anderen Seite gibt es Meldungen, die neuen Virus-Varianten würden gerade Kinder infizieren.

Dauerstudie zur psychologischen Lage der Gesellschaft 

Seit Beginn der Pandemie hat sie den Finger am Puls der Republik. In regelmäßigen Abständen werden dafür Menschen befragt, was sie über das Virus wissen, wie sie das Risiko wahrnehmen, das von ihm ausgeht, inwieweit sie sich selbst und andere schützen und wie sie die Maßnahmen der Regierung einschätzen - ein Bild der psychologischen Lage der Gesellschaft. Geleitet wird die COSMO-Studie von der Psychologin Cornelia Betsch, Professorin für Gesundheitskommunikation an der Universität Erfurt.

"Akzeptanz der Maßnahmen noch immer hoch"

Die jüngsten ausgewerteten Zahlen der COSMO-Studie wurden noch vor der erneuten Lockdown-Verlängerung vom 10. Februar 2021 erhoben, zeigen also noch keine eventuellen Reaktionen. Dennoch fühlten sich bereits 64 Prozent der Bevölkerung psychisch belastet, so Cornelia Betsch - das sei ein Höchststand seit Beginn der COSMO-Studie. Die Akzeptanz für die Lockdown-Maßnahmen sei aber immer noch relativ hoch: "27 Prozent finden die Maßnahmen übertrieben; und das war eigentlich durchgängig über die gesamte Zeit der Pandemie immer so plus minus 25 Prozent. Also viele Leute sind da noch mit im Boot. Aber wir sehen natürlich schon auch eine wachsende Pandemie-Müdigkeit, also irgendwie einen abnehmenden Willen, sich Informationen zu suchen."

Inhalt des Corona Selbsttests  (picture alliance / APA / GEORG HOCHMUTH ) (picture alliance / APA / GEORG HOCHMUTH )Alternative zum Lockdown - Neue Perspektiven durch Corona-Selbsttests?
Im März soll eine Reihe von Corona-Schnelltests in Deutschland zugelassen werden, die auch Laien zu Hause anwenden können. Das könnte neue Perspektiven im Kampf gegen das Virus eröffnen. 

"Junge Leute leiden ganz besonders"

Junge Leute litten ganz besonders unter der Dauer-Ausnahmesituation, das zeigen die Befragungsergebnisse: "Also die vermissen besonders andere Personen, Intimität, Kontakt zu anderen. Und wir sehen auch gerade bei dieser Gruppe, dass die sich nicht ganz so stark an die Maßnahmen hält wie die Älteren." Eine durchaus kontroverse gesellschaftliche Haltung gebe es vor allem auch in der Frage der Öffnung von Kitas und Schulen: "Also da sind wir sehr weit von einem Konsens entfernt, muss man sagen. Ungefähr 40 Prozent sagen, es soll zubleiben und 40 Prozent sagen, es soll aufgehen. Also egal wie man sich vor Ort entscheidet, wird es einen unglaublichen Kommunikationsbedarf geben, denn ungefähr die Hälfte wird etwas dagegen haben."

Perspektiven für Schulen und Kultureinrichtungen
Die Zeichen stehen auf Öffnung. Erst die Schulen, dann die Friseure und wenn die Zahlen weiter sinken, der ganze Rest. Bei den Öffnungen geht es aber nicht nur um die Fragen des "Ob" und des "Wann", sondern vor allem auch des "Wie". Bei der Einschätzung des Infektionsrisikos in verschiedenen Szenarien spielt in geschlossenen Räumen die Aerosol-Ausbreitung eine zentrale Rolle. Eine Studie der TU Berlin gibt hier wichtige Anhaltspunkte.
Lockern, aber richtig: Perspektiven für Schule und Kultur. Ein Beitrag von Volkart Wildermuth (05:47)  

Thorsten Lehr, Professor für Klinische Pharmazie der Saar-Uni, erläutert den Covid19-Online-Simulator (Oliver Dietze, Universität des Saarlandes)Unser zweiter Gesprächspartner, Prof. Thorsten Lehr von der Saar-Uni (Oliver Dietze, Universität des Saarlandes)

Plädoyer für niedrigen Inzidenzwert

Prof. Thorsten Lehr von der Universität des Saarlandes hält nicht nur die jetzt erfolgte Verlängerung des Lockdowns bis März für geboten, er plädiert auch für eine weitere Absenkung des Inzidenz-Zielwertes von 50; nicht nur auf 35, sondern eher noch auf niedrigere Werte. Für ihn ist zunächst entscheidend, dass die Gesundheitsämter in der Lage sind, Infektionen nachverfolgen zu können. "Es war, weil es immer so schön gesagt wird, ein diffuses Infektionsgeschehen, das heißt, dass die die Infektionen fanden statt, und niemand weiß eigentlich genau, wo sie denn herkamen. Und das gilt es natürlich erst einmal wieder in den Griff zu bekommen."

"No-Covid-Strategie" als Vehikel zum Umgang mit der Pandemie

Bei einem besser differenzierten Einblick in das Infektionsgeschehen seien dann auch besser differenzierte Maßnahmen möglich - beim Spagat zwischen Gesundheitsschutz und der Aufrechterhaltung des öffentlichen Lebens seien andere Länder möglicherweise weiter: "Also wir haben viele asiatische Länder, in denen das relativ gut funktioniert. Gute Beispiele sind sicherlich auch Australien oder Neuseeland, aber dort werden halt teilweise auch sehr radikale No-Covid-Strategien verfolgt, das heißt, dort haben sie sehr viel mehr digitale Nachverfolgung." Lehr warnt vor einer dritten Pandemiewelle durch die neuen, stärker infektiösen Virus-Mutationen.

Eine Frau sitzt mit geschlossenen Augen auf dem Sofa vor ihrem Laptop und hat ihre Hand auf die Stirn gelegt. Symbolbild. (imago / photothek / Thomas Trutschel) (imago / photothek / Thomas Trutschel)Zero Covid? No Covid? Wo liegt der Unterschied?
Um die Corona-Pandemie endlich in den Griff zu bekommen, fordern die einen Wissenschaftler eine Zero-Covid-Strategie, die anderen wollen das Ziel "No Covid" erreichen. Ein Überblick.

Covid-Simulator zeigt Risiko der neuen Virus-Mutanten

Die neuen Corona-Varianten würden laut den Simulationsberechnungen trotz Lockdown-Fortsetzung ab Mitte März wieder zu einem Anstieg der Fallzahlen führen. "Und das ist natürlich ein bisschen erschreckend. Und noch erschreckender wird sein, wenn wir dann noch eine gewisse Lockerung einführen, dann würden wir sehr schnell ein Wiedereinstieg sehen. Und das gilt es natürlich genau zu verhindern." Für Thorsten Lehr liegt die Perspektive vor allem in den Impfungen - und der Möglichkeit, die Impfstoffe schnell gegen die Virus-Mutanten anzupassen.

Wie sich Impfstoffe anpassen lassen
Kaum sind die Impfungen mit den verschiedenen Vakzinen angelaufen, gibt es neue Sorgen. Das Coronavirus mutiert; und einige dieser Varianten sind nicht nur infektiöser als der Wildtyp, sondern auch offenbar weniger sensitiv für die von den Impfstoffen ausgelöste Immunreaktion. Aber gerade die modernen mRNA-Vakzine lassen sich wiederum relativ schnell nachschärfen - ein Wettlauf, der vermutlich noch lange andauern wird. 
Wettlauf mit den Mutationen: Wie sich Impfstoffe anpassen lassen. Ein Beitrag von Volkart Wildermuth (05:05)

Impfbereitschaft ist gestiegen

Die COSMO-Langzeitstudie fragt auch nach der Bereitschaft in der Bevölkerung, sich impfen zu lassen - dieser Wert sei inzwischen auf einen Wert von 64 Prozent gestiegen, berichtet Cornelia Betsch - weil nämlich auch das Vertrauen in die Sicherheit der Impfstoffe stark angestiegen sei. Nach wie vor bestehe aber ein sehr großer Informations- und Aufklärungsbedarf. Es sei momentan sehr wichtig, die Belastungen anzuerkennen, unter der die Menschen ständen. "Und dass wir versuchen, vielleicht jetzt nicht zu warten, bis Covid endlich vorbei ist, sondern dass man in jedem Moment das tut, was man kann und sich um sich selber und um die mentale Gesundheit von sich selbst und von anderen auch mit kümmert."

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