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StartseiteKalenderblatt"Die Physiker haben erfahren, was Sünde ist"16.07.2005

"Die Physiker haben erfahren, was Sünde ist"

Vor 60 Jahren fand der erste Atombombentest statt

Heute vor 60 Jahren testeten die Amerikaner in der Wueste von Neu Mexiko unter dem Code Namen Trinity die erste Atombome. Er habe nie daran gezweifelt, dass Amerika sie benutzen würde, erklärte Präsident Harry Truman, der den Befehl gab, die Bomben über Hiroshima und Nagasaki abzuwerfen. "Die Physiker haben erfahren, was Sünde ist, und dieses Wissen wird sie nie mehr ganz verlassen," kommentierte J. Robert Oppenheimer, der Leiter des mit der Entwicklung der Atombombe beauftragten Manhattan Project.

Von Barbara Jentzsch

Französischer Atombombentest auf dem  Mururoa Atoll 1971. (AP Archiv)
Französischer Atombombentest auf dem Mururoa Atoll 1971. (AP Archiv)

An die Geburtsstunde der Atombombe erinnert vor Ort, am Eingang zum hochgeheimen Testgebiet von Alamogordo, Neu Mexico, nur ein einsamer fünf Meter hoher Obelisk aus dunklem Gestein. Er trägt die Inschrift:

" Trinity Site. Hier explodierte am 16. Juli 1945 die erste Atombombe der Welt."

Der Kriegsveteran Felix de Paula hat diesen Tag nie vergessen. Er war 15 Meilen von Ground Zero stationiert, als die Bombe um 5:3O morgens mit einer Sprengkraft von 21 Kilotonnen TNT detonierte.

" Ich war 18 Jahre alt und kannte bis dahin nur Feuerwerkscracker. Es ist früh am morgen, ich schlafe fest und sie wecken mich auf und plötzlich ging es los und die ganze Gegend war taghell erleuchtet. Dann hörten und fühlten wir die Schockwelle und die Hitzewelle - über 10 bis 15 Meilen hinweg. "

"Wir bauen sie” hatte Präsident Roosevelt im Dezember 1941, einen Tag vor dem Angriff der Japaner auf Pearl Harbor, eingewilligt. Albert Einstein und führende Wissenschaftler hatten ihn überzeugt, dass Amerika die Atombombe entwickeln müsse, um Nazideutschland Paroli zu bieten. Niemand bezweifelte damals, dass die Deutschen im atomaren Rüstungswettlauf vorne lagen .
Im Zuge des hochgeheimen "Manhattan Projects” entstanden bald die auf keiner Landkarte verzeichneten Städte Los Alamos und Oak Ridge Tennessee. Unter der wissenschaftlichen Leitung von J.Robert Oppenheimer arbeiteten dort schließlich rund 15o ooo Menschen an der Superbombe, doch nur einigen Dutzend Wissenschaftlern war das Ziel ihrer Arbeit bekannt.

Als Testplatz, unter dem Codenamen Trinity, war ein abgelegenes Stück Wüste auf dem Bombenabwurfgebiet von Alamogordo, 230 Meilen südlich von Los Alamos, ausgewählt worden. Heftige Regenfälle hatten die Explosion der Bombe mehrfach verschoben, doch am 16. Juli 1945 war der Himmel wolkenlos.

General Thomas Farell gehörte zu den Augenzeugen, die den Testversuch zusammen mit Oppenheimer und einer Handvoll hochnervöser Wissenschaftler und Militärs beobachteten. Farell beschreibt die letzte Stunde vor der Zündung der Plutoniumbombe, die in 30 Metern Höhe in einen Stahlturm montiert worden war:

" Dr. Oppenheimer, auf dem eine schwere Bürde lag, wurde mit jeder Sekunde angespannter. Ihm stockte fast der Atem. Er hielt sich an einem Pfeiler fest, um Halt zu finden. Im letzten Moment starrte er geradeaus nach vorn und dann, als der Signalmann "Jetzt” rief und dieses unbeschreibliche Licht aufblitzte, gefolgt von dem tiefen, lauter werdenden Dröhnen der Explosion - da entspannte sich Oppenheimers Miene in größter Erleichterung. Mehrere der in der Hütte anwesenden Beobachter wurden vom Luftdruck der Detonation zu Boden geworfen. "

Amerika erlebt den Beginn des Atomzeitalters zur Frühstückszeit, via Radio.

" Zuerst kam dieses berstende Licht, eine unvergleichliche Helligkeit. Dann eine Schockwelle, gefolgt von Donnern. Es bildete sich eine massive Wolke, die mit ungeheurer Macht in den Himmel stieg und in ca. fünf Minuten die Stratosphäre erreichte. Die Wolke hatte erst die Form eines Fasses, dann ließ sich ein Pilz erkennen und der verwandelte sich in eine lange kaminähnliche Säule. "

US Präsident Truman erhält die Trinity-Erfolgsmeldung auf der Viermächtekonferenz in Potsdam. Er reagiert mit großer Erleichterung. Die Amerikaner hätten die Potsdamer Konferenz wegen der Verzögerung des Testversuchs mehrmals verschoben, schreibt der Historiker Gar Alperowitz. Er ist davon überzeugt, dass die Konferenz ohne die Bombe anders ausgegangen wäre. Truman schreibt in seinen Memoiren denn auch über ein "völlig neues Gefühl der Zuversicht”. Der Selbstbewusstseinsschub des Präsidenten bringt drei Wochen später in Hiroshima und Nagasaki mehr als 300 000 Menschen den Strahlentod. Im Radio spricht Truman von der schrecklichen Verantwortung, die auf Amerika zugekommen sei.

" Wir danken Gott, dass wir und nicht der Feind die Verantwortung tragen. Und wir beten, dass Gott uns in seinem Sinne führen und als sein Werkzeug benutzen möge. "

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