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Startseite@mediasresRTL2 will Werbefilme für Bundeswehr senden31.05.2017

"Die Rekruten"RTL2 will Werbefilme für Bundeswehr senden

Die Bundeswehr-Werbereihe "Die Rekruten" kommt bald ins Fernsehen. 44 Millionen Views haben die Fernsehsender aufhorchen lassen. RTL2 hat sich die Fernsehrechte gesichert. Das könnte ein Fall für die Medienaufsicht werden.

Brigitte Baetz im Gespräch mit Sebastian Wellendorf

Ein Plakat der Bundeswehr trägt am 01.11.2016 in Stralsund (Mecklenburg-Vorpommern) den Schriftzug "Wir suchen keine Götter in Weiss. Wir suchen Helden in Grün.". Die Bundeswehr hat die knapp acht Millionen Euro Ausgaben für die Reality-Dokumentation "Die Rekruten" bezahlt. (picture alliance / dpa / Stefan Sauer)
Werbekampagne der Bundeswehr in Stralsund. Die Bundeswehr hat die knapp acht Millionen Euro Ausgaben für die Reality-Dokumentation "Die Rekruten" bezahlt. (picture alliance / dpa / Stefan Sauer)
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Als erste YouTube-Serie schaffen es "Die Rekruten" ins Fernsehen. RTL2 hat sich die Rechte gesichert. Mit der Zielsetzung, die Bundeswehr für junge Menschen wieder attraktiv zu machen, hatte die Bundeswehr ihre Werbekampagne auf YouTube gestartet.

In einer Art Reality Soap zeigte sie knapp drei Monate lang täglich unter anderem verwackelte Videotagebücher der Rekruten: zwölf junge Frauen und Männer, die Soldatinnen und Soldaten werden wollten. Während dieser Grundausbildung filmte ein Team die jungen Soldaten. Durch die Filmtechnik mit Fischaugenlinse entstand ein moderner Eindruck, die schnellen Schnitte ließen die Protagonisten sympathisch werden. Die Protagonisten filmten sich selbst mit Handys.

Employer Branding für die Bundeswehr?

Seit dem Ende der allgemeinen Wehrpflicht war es schwierig geworden, Nachwuchs für die Bundeswehr zu bekommen. "Das Image der Bundeswehr könnte auch sein und deshalb hat man generalstabsmäßig geplant - selten war der Begriff wahrscheinlich besser angewendet als hier – eine Attraktivitätsoffensive gestartet. In der Fachsprache der Werbung nennt man so etwas auch Employer Branding, das heißt der Arbeitgeber versucht sich in einem möglichst guten Licht darzustellen, um an fähige Mitarbeiter zu bekommen", erklärte Medienjournalistin Brigitte Baetz im Gespräch mit Sebastian Wellendorf.

Das hat nun funktioniert: Die Bundeswehr hat 20 Prozent mehr Bewerbungen bekommen als zuvor. Zwei Wochen nach Serienstart im November hatten bereits 200.000 Menschen den YouTube-Kanal "Die Rekruten" abonniert. 

Verteidigungsministerin findet Debatte um die Serie wichtig

Am 1. November 2016, als die über 90-teilige Serie auf YouTube an den Start ging, hatte die Bundeswehr 1,7 Millionen Euro für die Produktion ausgegeben, Kampagnen im Radio und auf Plakaten im Netz hat sich die Bundeswehr weitere 6.2 Millionen Euro kosten lassen. Mehr noch, die Bundeswehr konnte eine Million Euro Werbekosten einsparen, die sie ursprünglich für Social-Media-Kampagnen ausgeben wollten.

"Mit der Serie 'Die Rekruten' über die Grundausbildung auf YouTube haben wir offenbar einen Nerv getroffen. Ich finde auch die Debatte um die Serie wichtig. Denn die Bundeswehr mit ihrem grundgesetzlichen Auftrag ist ein Teil dieser Gesellschaft", wird Ursula von der Leyen in der Pressemitteilung des Bundesministeriums der Verteidigung zitiert. Insgesamt waren "Die Rekruten" mit über 44 Millionen Views und 270.000 Abonnenten ein großer Erfolg für die Bundeswehr.

Ausstrahlung im Fernsehen könnte ein Thema für die Landesmedienanstalten sein

Diese "einzigartige Kooperation", wie die Bundeswehr die Verbindung mit RTL2 bezeichnet,  könne ein Thema für die Landesmedienanstalten sein.

"Ginge es in der Bundeswehr so zu, wie dort gezeigt, hätte der Wehrbeauftragte nicht viel zu tun. Dass es anders ist, weiß jeder Zeitungsleser, aber vielleicht nicht die RTL2-Zielgruppe, die sehr jung, aber nicht sehr gut ausgebildet ist."

Im Zweifel muss es eine Einblendung geben, die anzeigt, dass es sich um eine Art Sonderwerbeform handelt, meinte Brigitte Baetz. Sie  kritisierte, dass Grenzen zwischen Berichterstattung und PR verschwimmen, wenn der Gegenstand der Berichterstattung selbst zum Berichterstatter wird.

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