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StartseitePISAplusDie richtige Strategie für schwierige Wörter07.09.2013

Die richtige Strategie für schwierige Wörter

Was Nachhilfelehrern in Sachen Rechtschreibung auffällt

Immer mehr Kinder haben Probleme mit der Rechtschreibung. Nachhilfelehrerin Swantje Goldbach führt das nicht auf die Methode des Schreibenlernens zurück, sondern zum Beispiel darauf, dass Kinder und Eltern weniger miteinander sprechen und schlechter zuhören.

Von Anja Nehls

Über die Methode des Schreibenlernens in der Grundschule ist eine Diskussion entbrannt. (Stock.XCHNG - Piotr Lewandowski)
Über die Methode des Schreibenlernens in der Grundschule ist eine Diskussion entbrannt. (Stock.XCHNG - Piotr Lewandowski)

Der neunjährige Lasse ist hochkonzentriert. Einmal pro Woche kommt er in Berlin ins Lernwerk. Mal geht es um Mathe, heute geht es um Deutsch:

"Das lange O ist Ou, das kurze O ist O von Ochse. Ou, o, nehmen wir mal Soße. Ist das ein O von Oma oder ist das ein Ochsen-O? Von Oma. Richtig. Und dann nehme ich mal ein ganz schwieriges Wort, das Du bestimmt noch nie geschrieben hast, zum Beispiel Poller. Ochse. Richtig. Und kannst Du Dich erinnern, welche Regel es gibt, wenn man Poller mit einem Ochsen-O schreibt? Weißt Du, was dahinter passiert? Doppelbuchstabe. Doppel-L. Richtig. Absolut."

Swantje Goldbach, die pädagogische Leiterin des Lernwerks hat ihre eigene Methode entwickelt, Kindern die korrekte deutsche Rechtschreibung beizubringen.

"Die ganze Rechtschreibung im Deutschen richtet sich im Grunde nach den Vokalen, nach den Längen der Vokalen. Nur sie können das gar nicht unterscheiden und das ist unser Ansatzpunkt. Dann würden wir dem Kind zum Beispiel zeigen, wie siehst Du aus, wenn Du ein kurzes O sprichst, dann könnte das Kind das über das Sehen lernen oder sich abzutasten. Witzigerweise ist es so, dass wenn ein Kind das über das Auge lernt, über einen Spiegel, dann kann es das nachher auch so und braucht auch keinen Spiegel mehr, sonst wäre es ja ein bisschen umständlich in der Schule."

Die Nachfrage von Eltern ist groß. Die meisten kommen, wenn sie in der dritten oder vierten Klasse sind:

"Ich glaube, dass wenn die Kinder erstmal hierher kommen, auch eine große Not da ist, dass man sagt: Jetzt muss ich bald zur Oberschule oder ich habe eine neue Lehrerin, die will das alles richtig haben. Der Druck nimmt dann immer zu. Wenn sie vorher mit einer Methode gelernt haben, wo sie die Rechtschreibregeln nicht können und nicht anwenden können vor allen Dingen, dann ist der klare Auftrag von den Eltern, dass wir das ändern sollen."

Wenn die Kinder die richtige Strategie kennen, könnten sie die auch bei schwierigen Wörtern anwenden. Nicht pauken oder ständiges korrigieren, sondern Hilfe zur Selbsthilfe sei bei der Rechtschreibung der wirkungsvollste Weg, meint Swantje Goldbach. Auch Lasse musste sich in den ersten zwei Klassen seiner Berliner Grundschule um Rechtschreibung nicht kümmern.

"Na ich habe so geschrieben, wie ich gedacht habe, manchmal war es falsch, manchmal richtig."

Da wurde dann zum Beispiel aus dem Tor mit R am Ende ein Toa mit A am Ende, weil sich das eben so anhört. Lasses Mutter, Blanka Kuß, wollte das nicht einfach so hinnehmen:

"Ich persönlich würde es sagen und würde es eher dreimal wiederholen das Wort, immer wieder sprechen. Das liegt aber glaube ich eher an meiner kritischen Einstellung. Aber im Grunde genommen sollte es eigentlich so sein, um die Schule zu unterstützen, wir lassen das Toa als Toa so stehen und das ist dann so."

Ob mit oder ohne Unterstützung der Eltern - immer mehr Kinder haben Probleme mit der Rechtschreibung. Swantje Goldbach, die jahrelang als Lehrerin an verschiedenen Schulen gearbeitet hat, führt das aber nicht auf die Methode des Schreibenlernens zurück, sondern in Berlin hauptsächlich auf die frühe Einschulung und darauf, dass Kinder und Eltern weniger sprechen und schlechter zuhören können als früher:

"Das heißt, wie viel wird mit dem Kind gesprochen, wie viel wird dem Kind auch zugehört, das ist etwas, was später die Schreibkompetenz erweitert in der Schule. Ich denke, das ist auch ein Zeichen unserer Zeit. Wir sehen das in der U-Bahn, wir sehen das überall, dass die Menschen nicht miteinander sprechen. Sprechen ist letztlich aber die Voraussetzung, um gut schreiben zu können."

Eine Herausforderung für Swantje Goldbach. Eine ihrer ersten Nachhilfeschülerinnen konnte bis zur dritten Klasse so gut wie gar nicht schreiben oder lesen. Jetzt arbeitet sie nach einem Einser-Abi in Deutsch als Nachhilfelehrerin im Lernwerk

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