Montag, 19.11.2018
 
Seit 12:10 Uhr Informationen am Mittag
StartseiteHintergrundDie Spirale dreht sich weiter29.11.2005

Die Spirale dreht sich weiter

Mugabes Gewaltherrschaft in Simbabwe

Im südafrikanischen Simbabwe hungern fast fünf Millionen Menschen; eine Katastrophe bahnt sich an, die die der Jahre 2002 bis 2004 noch übertreffen dürfte. Damals hatten die Enteignung der weißen kommerziellen Farmer und eine langanhaltende Dürre die Mais- und Weizenernte auf unter 30 Prozent des Ertrags in den 90er Jahre sinken lassen.

Von Thomas Kruchem

Eine Familie sitzt zwischen ihren Habseligkeiten nach der gewaltsamen Vertreibung aus einem Slum in Harare, Simbabwe (AP)
Eine Familie sitzt zwischen ihren Habseligkeiten nach der gewaltsamen Vertreibung aus einem Slum in Harare, Simbabwe (AP)
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Drucken
  • Podcast

Für die jetzt bevorstehende Katastrophe machen Beobachter allerdings kaum mehr Wetterunbilden, sondern fast ausschließlich Präsident Robert Mugabe und seine Regierungspartei Zanu-PF verantwortlich.

Binnen fünf Jahren hat Mugabe die einstige Kornkammer Afrikas in ein Totenhaus verwandelt. Mit der Vertreibung der weißen Farmer hat er die Ernährungsgrundlage Simbabwes zerstört; mit Willkür und einer Devisenpolitik, die Parteibonzen reich machte, hat er Industrie und Bergbau ruiniert; als jüngster Höhepunkt folgte in diesem Jahr die "Operation Murambatsvina", die "Operation Müllentsorgung" – gerichtet gegen die Ärmsten im Lande.

Mbare, ein Armenviertel der simbabwischen Hauptstadt Harare; der Eingang einer langgestreckten, vierstöckigen Mietskaserne mit zerbrochenen Fensterscheiben. Draußen trocknet Wäsche über Drahtzäunen; Kinder durchwühlen Müllhaufen; im dunklen Hausflur riecht es nach Urin und verbranntem Paraffin.

In einer der zahllosen Ein-Zimmer-Wohnungen erhebt sich vom abgeschabten Sofa ein magerer Mann im Nadelstreifenanzug. Herman Kwatidzo, Mitglied im katholischen Gemeinderat, berichtet von jenem verhängnisvollen Samstag vor einigen Monaten.

"Als wir an jenem Morgen aufwachten und aus dem Fenster blickten, sahen wir, wie überall Polizisten und Soldaten mit Bulldozern die kleinen Häuser und Hütten niederrissen. – In einem Haus schlief noch ein Baby, und die Mutter flehte die Sicherheitskräfte an: "Kann ich es bitte herausholen?" – "Nein", antworteten die Soldaten und rissen eine Wand ein, die auf das Kind fiel und es tötete."

Opfer der "Operation Müllentsorgung" Robert Mugabes. Seit Mai dieses Jahres verbrennen die Sicherheitskräfte des Präsidenten die Stände nicht angemeldeter Gemüsehändler, Friseure und Näherinnen in den Städten; sie zerstören sämtliche Häuser, die ohne Erlaubnis gebaut wurden.

"In dem Hof dort draußen standen drei nicht genehmigte Anbauten", sagt Herman und führt den Besucher zu einem von Wellblech umzäunten Häuschen im Schatten der Mietskaserne. "Hier stand mein Haus", sagt Jennifer, eine junge Hausbewohnerin, und hebt bitter anklagend die Hände.

"Sie kamen, schubsten uns herum, warfen mehrere meiner Teller auf den Boden und brüllten: "Diese Hütte machen wir platt. Und wenn ihr sie wieder aufbaut, zahlt ihr richtig viel Strafe." – Sehen Sie sich meine Möbel an. Die haben die Kerle, weil sie in der Hütte standen, einfach mit kaputt geschlagen. – Jetzt leben meine Kinder und ich mit der Familie meiner Tante in diesem Haus – 18 Personen in drei Zimmern. Ich schlafe manchmal draußen vor der Tür; und wir alle haben Angst, dass wir uns so eng beieinander Krankheiten holen."

Die "Operation Müllentsorgung" sei der Versuch des zum Diktator mutierten Präsidenten, rücksichtslos den so genannten informellen Sektor auszumerzen – erklärt Eddie Cross, vor vielen Jahren Staatssekretär in Mugabes Landwirtschaftsministerium, heute Unternehmensberater in Bulawayo und Mitgliedglied im Exekutiv-Komitee der Oppositionspartei MDC.

"Als Simbabwe 1980 unabhängig wurde, erbrachte der informelle Sektor höchstens 25 Prozent unserer Wirtschaftsleistung. Dieser Anteil stieg, mit der anhaltenden Wirtschaftskrise, auf mindestens 50 Prozent im Mai 2005. Ein Fiasko für Mugabe, der mit der "Operation Müllentsorgung" äußerst brutal reagiert hat: 700.000 informell errichtete Häuser, viele solide gebaut, haben Polizei und Militär in den letzten Monaten niedergerissen; 300.000 Betriebe des informellen Sektors, von denen mehr als drei Millionen Menschen lebten, wurden zerschlagen."

In Harares Armenviertel Mbare fallen große freie Flächen ins Auge, auf denen früher das Leben wuselte. Sämtliche Märkte sind verschwunden – unter ihnen einer der größten Gemüsemärkte Afrikas. In den Straßen warten auf den Besucher auch keine Händler mit Holz- und Steinskulpturen mehr. Selbst das weltberühmte Zentrum für Steinbildhauer in Chapungu bei Harare ist geschlossen.

Auf dem Rücken dieser Ärmsten versuche der Präsident, meint Cross, seine Herrschaft noch einmal zu stabilisieren; er versucht, die Opposition in den städtischen Armenvierteln zu schwächen und zumindest Teile der in den Untergrund abgetauchten Wirtschaft wieder unter Kontrolle zu bekommen. Nicht zuletzt schafft die "Operation Müllentsorgung" Platz in den Städten für Mugabes zunehmend unzufriedene Basis-Klientel in Polizei, Armee und Regierungspartei.

Die sozialen Folgen sind katastrophal: Allein in Mbare wurden 60.000, landesweit rund zwei Millionen Menschen obdachlos; ein Drittel der Stadtbevölkerung. Hunderttausende Entwurzelte wurden in ländliche Regionen deportiert. – In Bulawayo, der Hauptstadt von Matabeleland im Süden Simbabwes, fanden einige tausend Vertriebene zwar zunächst Zuflucht in Kirchen aller Konfessionen; aber im Juli 2005 stürmte schwerbewaffnete Polizei die Kirchen und schaffte die Vertriebenen in zumeist entlegene ländliche Gegenden. Vor allem dort herrscht – nach Berichten des "Welternährungsprogramms" – akuter Nahrungsmittelmangel.

Die Menschen sind Opfer eines Herrschers, der sein Land offenbar wie im Rausch zugrunde richtet. Die Zerschlagung der "weißen" Farmen und eines Großteils der von der Landwirtschaft abhängigen Industrie machte Hunderttausende Schwarze arbeitslos; viele Familien leben nur noch von den Überweisungen ihrer ins Ausland geflohenen Verwandten.

Mehr als dreieinhalb Millionen Simbabwer haben bis heute ihrem Land den Rücken gekehrt – unter ihnen fast alle schwarzen Fachkräfte sowie die Mehrheit der weißen Farmer und Industriellen. Nur extrem hartnäckige Unternehmer arbeiten unbeirrt weiter.

Propellerähnliche Schrauben verrühren in stählernen Bottichen giftgrüne mit gelber Paste; ein Dutzend Arbeiter schneiden und kleben an einem riesigen Tisch bunt bedruckte Tubenrohlinge, in die eine gusseiserne Maschine mit der Aufschrift "Willy Hundt, Hamburg, 1936” graues Haarfärbemittel presst.

"Um dieses Produkt abzufüllen, benutzen wir in Simbabwe eine – wie Sie sehen – sehr einfache Tubenfüllmaschine. Das Haarfärbemittel selbst wird in den Bottichen dort drüben homogenisiert – mit noch primitiverem Gerät. In Deutschland hätte ich für diese Arbeit eine Maschine, die mischt, und eine, die die Tuben füllt, diese in Schachteln packt und schließlich die Schachteln in Kartons. Zwei Arbeiter wären für den Job nötig; hier brauche ich zwei für die Produktion und zwölf zum Verpacken."

Harare, eine Halle im Industriegebiet. Unternehmer Brian Gore hat in Kapstadt Wirtschaftswissenschaften studiert, in Deutschland gearbeitet und vor 20 Jahren in seiner Heimat eine Kosmetikfabrik gegründet, angepasst an die lokalen Bedingungen.

Die Bedingungen für die Produktion von Konsumgütern in Simbabwe haben sich, sagt Gore, in den letzten fünf Jahren drastisch verschlechtert. Die Wirtschaft schrumpft im siebten Jahr hintereinander; die Arbeitslosigkeit hat 85, die Hyperinflation tausend Prozent erreicht – derweil der Diktator die wenigen ins Land fließenden Devisen für sich und seine Klientel beansprucht. Ihn scheint es wenig zu scheren, dass der Schwarzmarktpreis für einen Liter Benzin drei Euro erreicht hat; dass die meisten Firmen nicht wissen, mit welchem Geld sie Rohstoffe und Ersatzteile importieren sollen.

Brians Arbeiter, die 50 Euro im Monat verdienen, wissen, dass es ihnen vergleichsweise gut geht.

"So viele Leute hungern in unseren Townships, so viele. Sie durchwühlen den Müll, um zu überleben; sie essen höchstens einmal am Tag Sadza, Maisbrei. Ich könnte nicht arbeiten ohne mindestens zwei Mahlzeiten. – Aber was sollen die Leute tun? Es ist so schwer, etwas Essbares zu finden. Und manche Kinder brechen in der Schule zusammen vor Hunger. Würde nur irgendeine ausländische Organisation den Kindern ein wenig Porridge kochen! Dann würden sie den Schultag wohl überstehen."

Dass sie Simbabwe lieber heute als morgen verlassen würden, sagen die Arbeiter; sie wollen raus aus der Reichweite Mugabes, der die Bürger des Landes wie in einem Gefängnis halte. Bis zu zwei Stunden laufen einige morgens zur Arbeit und abends wieder nach Hause, weil sie den Bus nicht bezahlen können. Auch Brian, der Chef, ist seit vier Uhr früh auf den Beinen.

"Unser Arbeitstag beginnt in diesen Wochen deutlich früher als noch vor ein, zwei Jahren. Vor Produktionsbeginn nämlich müssen wir die Infrastruktur auf die Beine stellen. "Gibt es Strom?" heißt die erste Frage. "Oder müssen wir den Generator anwerfen?" Der wiederum braucht Diesel, das es seit vier, fünf Monaten an keiner Tankstelle gibt. – Nächstes Problem: Wasser - drehen die Stadtwerke wieder mal unangekündigt den Hahn zu, müssen wir fassweise Brunnenwasser herbeischleppen. – Schließlich brauchen wir, um Rohstoffe und Ersatzteile bezahlen zu können, täglich Devisen, die uns die Banken in der Regel nicht geben."

Devisen, mit denen in der Abenddämmerung schwarze Mamas im Industriegebiet auftauchen – um wenig später Plastiktüten voll Zim-Dollars in ihre Autos zu hieven. "Ist doch ein absurdes Theater", sagt Brian, der offiziell fast alle erwirtschafteten Devisen bei der Zentralbank abliefern muss – zu einem lächerlichen Kurs.

Hinter dem bitteren Lächeln des Unternehmers tritt pure Existenzangst zutage. Der Umsatz der kleinen Kosmetikfabrik ist zuletzt drastisch gesunken – wegen extrem verteuerter Rohstoffimporte, wegen weiter gesunkener Kaufkraft der Konsumenten in Simbabwe.

"Dies Jahr wird finanziell ein schlechtes für unsere Firma. Und wir machen uns – milde ausgedrückt – Sorgen um die Zukunft. Wir werden bis an die Schmerzgrenze rationalisieren und uns auf die Herstellung der Produkte konzentrieren müssen, die wir noch einigermaßen gut verkaufen. – Aber das hält uns höchstens noch ein Jahr über Wasser. Ändern sich bis dahin die Rahmenbedingungen nicht, sind wir mit Sicherheit pleite."

Und weitere 80 schwarze Simbabwer verlieren ihren Job. Die Chance, dann im informellen Sektor eine Existenz aufzubauen, hat das Regime mit der "Operation Murambatsvina" verbaut.

Auch der einst für Afrika vorbildliche Sozialstaat Simbabwe existiert nicht mehr: Sämtliche Rentenansprüche hat die Inflation pulverisiert; in den Krankenhäusern gibt es kaum Medikamente, an den meisten Schulen kaum Lehrer. Fünf Millionen Simbabwer hungern, jeder dritte Erwachsene ist HIV-infiziert, die Lebenserwartung von 63 auf 33 Jahre gesunken.

"Simbabwe stirbt", sagt in Bulawayo Menschenrechtlerin Shari Eppel. Und die Agonie findet, weitab vom Blickfeld der Weltöffentlichkeit, in entlegenen ländlichen Gebieten Simbabwes statt.

"Die Menschen in den Städten Simbabwes haben bislang in der Regel ihre Verwandten auf dem Land finanziell unterstützt. Im Rahmen des so genannten informellen Sektors haben sie zum Beispiel Gemüse verkauft, beim Hausbau geholfen oder Haare geschnitten. – Jetzt haben all diese Leute ihre Arbeit verloren und sind von der Staatsmacht zu ihren Verwandten auf dem Land deportiert worden. Statt Geld aus der Stadt zu bekommen haben diese Verwandten jetzt zusätzliche Münder zu stopfen."

Weite Regionen Simbabwes erleben derweil das vierte recht trockene Jahr in Folge; es gibt weder Dünger noch Saatgut zu kaufen…

…und die Regierung verhindert Nahrungsmittelhilfe aus dem Ausland. Ein 2004 verhängtes Einfuhrverbot wurde zwar im vergangenen September aufgehoben; de facto aber hat sich wenig geändert – berichtet Pius Ncube, der katholische Erzbischof von Bulawayo. 25.000 Tonnen Getreide des "Welternährungsprogramms", sagt der Erzbischof, lägen seit vielen Wochen im Zoll; seine Priester bräuchten oft Monate, um einen Lastwagen voll Mais ins Land zu bekommen.

"Ich fürchte, wenn es so weitergeht, werden nächstes Jahr eine halbe Million Menschen tot sein. Das Regime verhindert nämlich systematisch eine angemessene Ernährung. Kirchen wie auch private Hilfsorganisationen erhalten keine Genehmigung, Lebensmittel zu verteilen. Und in den letzten zwei Monaten haben sich die Preise für Grundnahrungsmittel vervierfacht. Speiseöl, Brot und Maismehl sind inzwischen für die meisten Simbabwer unerschwinglich. Ich fürchte, die Menschen werden jetzt sterben."

Aber kaum jemand protestiert – klagen Pius Ncube und Shari Eppel wie aus einem Mund. Da es nur noch vereinzelt zu Demonstrationen und Streiks komme, sei es auch kein Wunder, dass die Polizei derzeit nur selten Regimegegner festnimmt oder gar foltert – was vor anderthalb Jahren zum Alltag gehörte. Der jahrelange Terror der so genannten Kriegsveteranen und Jugendbrigaden, der von Mugabe systematisch als Waffe eingesetzte Hunger hätten ihre Wirkung getan.

"Durch Gewalt und Folter in den letzten Jahren sind die Menschen Simbabwes extrem eingeschüchtert. Sie können deren Situation mit der einer seit Jahren misshandelten Ehefrau vergleichen. Irgendwann weiß sie, dass sie vorsichtig sein muss, wenn ihr Mann betrunken nach Hause kommt. Sie verkriecht sich in eine Ecke und schweigt. – Analog haben die Menschen Simbabwes in den letzten fünf Jahren derart konsequente Gewaltanwendung des Regimes erfahren, dass sie jetzt wissen: Wenn sie nicht schweigen, schlägt die Staatsmacht erneut zu."

Auch die politische Opposition wirkt derzeit wie ein Schatten ihrer selbst. Fünf Jahre lang organisierte das MDC vielerlei Kampagnen zivilen Ungehorsams und engagierte Wahlkämpfe. Noch 2004 mobilisierte die Opposition mehrfach Tausende Demonstranten in Harare und Bulawayo; sie trotzte der mit Panzern und Wasserwerfern aufgefahrenen Polizei.

Seit sich jedoch Mugabe mit manipulierten Wahlen im vergangenen März eine Zweidrittel-Mehrheit im Parlament verschaffte, scheint das Rückgrat der Opposition gebrochen. Die Führer des MDC streiten öffentlich über die richtige Strategie des Widerstands; sie demontieren einander öffentlich. Und auf die "Operation Müllentsorgung" reagierten sie – klagt Erzbischof Ncube – mit nichts als aufgeregten Worten.

"Unsere politische Opposition scheint nur noch führungslos dahinzutaumeln. Keine einzige Protestkundgebung hat sie nach der "Operation Müllentsorgung" auf die Beine gestellt. Ich war schockiert. Diese Leute sitzen einfach da wie gelähmt. Und Mugabe bleibt der einzige Hahn auf dem Misthaufen."

Ein Präsident, der seinen Gegnern mit der Zweidrittel-Mehrheit der Zanu-PF im Parlament entgegentreten kann – derweil seine Sicherheitskräfte mit modernsten Tränengaskanonen aus Israel durch die Straßen paradieren und der Geheimdienst CIO die Überwachung von Telefonen und E-Mail-Verkehr mit chinesischer Technologie immer weiter ausbaut. Kein Wunder, dass die Opposition eingeschüchtert wirkt, sagen Beobachter.

Mangelnden Widerstand gegen den Diktator beklagt Erzbischof Ncube auch im Ausland. Auf seinen jüngsten Reisen in die USA und nach Deutschland hätten ihm die Politiker geduldig, aber in der Regel achselzuckend zugehört. Und für die Regierungen der afrikanischen Nachbarstaaten Simbabwes könne er sich nur noch schämen.

"Die Regierungen Afrikas unterstützen bis heute Mugabe. Das gilt insbesondere für Südafrikas Präsident Thabo Mbeki und die Führung der "Afrikanischen Union". Und auch bei den Vereinten Nationen kann der brillante Rhetoriker, Lügner und Betrüger Mugabe nach wie vor seine Show abziehen. Dreist stellt er sich hin und sagt: "Wir haben den Kolonialisten unser Land weggenommen und geben es dem Volk Simbabwes; deshalb verfolgt uns der Westen." Und all die Botschafter aus der so genannten Dritten Welt klatschen Beifall – für einen Mann, der sein eigenes Volk mordet."

In Harares Armenviertel Mbare hat ein junger Priester die von Rauch und Schimmel geschwärzte Mietskaserne betreten. Er schüttelt die Hand des Gemeinderats Herman Kwatidzo, deutet dann auf die Straße – auf Menschen in Wollmützen und schmutzigen Lumpen, die starren Blicks dahin trotten; auf Frauen, die mit einem Häufchen Tomaten vor dem Haus sitzen, ängstlich umherblickend, ob von irgendwoher Polizei naht. Die Augen des Jesuiten blitzen vor Zorn.

"Die Menschen hier sind sehr wütend auf die Regierung. Sie wissen nur nicht, wie sie diese Regierung stürzen sollen. Wüssten sie es, würden sie es tun – um welchen Preis auch immer. – Ich erinnere mich an einen, der sagte: "Hätte ich bloß Waffen, Gewehre, Bomben; dann würde ich mich um den Hauptverantwortlichen schon kümmern". Die Leute sind inzwischen derart wütend, dass sie durch die Stadt ziehen und jedem, der ihnen begegnet, sagen: "Ich bin so unglücklich. Und wenn ich könnte, würde ich die Regierung stürzen"."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk