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StartseiteHintergrundDie Stadt und das Auto26.02.2009

Die Stadt und das Auto

Bochum und Osnabrück in harten Zeiten einer Branche

In Bochum stehen die Zeichen auf Krise. Nach dem Wegzug des Mobiltelefonherstellers Nokia im Januar 2008 steht kaum ein Jahr später das Opelwerk zur Disposition. Auch in Osnabrück spielt die Automobilindustrie bisher eine große Rolle. Doch der Karosseriebauer Karmann steckt aufgrund der Finanzmarktkrise ebenfalls in Schwierigkeiten.

Von Friederike Schulz und Susanne Schrammar

Rund 15.000 Opel-Mitarbeiter demonstrierten am Standort in Rüsselsheim für den Erhalt des Unternehmens. (AP)
Rund 15.000 Opel-Mitarbeiter demonstrierten am Standort in Rüsselsheim für den Erhalt des Unternehmens. (AP)
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"Die Hoffnung stirbt zuletzt" steht in großen Lettern auf dem handgeschriebenen Schild am Werkszaun. Als vor zwei Wochen die schlechte Nachricht vom Mutterkonzern aus Detroit kam, gingen die Mitarbeiter der Spätschicht noch mit gesenktem Blick durch das Tor der Fabrik am Bochumer Opelring.

"Ich hoffe mal, dass das Werk Bochum erhalten bleibt. Das ist sehr wichtig für die Region."

"Wir müssen abwarten, was kommt."

"Jetzt sind wir wieder gefragt, jetzt gehen sie uns wieder an die Mücken. Ich schätze mal, hier werden Arbeitsplätze wegfallen, die wollen uns wieder drücken."

26.000 Stellen will GM außerhalb der USA streichen. Was dies für den Standort im Ruhrgebiet bedeutet, ist noch nicht klar. Und so blieb Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers nach seinem Treffen mit Konzernchef Wagoner in Detroit nicht viel übrig, als allein das schon als gute Nachricht anzupreisen.

"Es gibt definitiv keine Entscheidung. Was es gibt, ist ein Plan, der dem amerikanischen Kongress vorgelegt worden ist. Das bedeutet sicher auch Einsparungen für Europa. Das wichtigste ist: Was da jetzt passiert, das kann in Europa erarbeitet werden. Das kann zusammen mit dem Management, den Betriebsräten und den Gewerkschaften in den nächsten Tagen und Wochen erarbeitet werden. Ich bin auch ganz sicher, dass die Bundesregierung und die Länder, die das ja erklärt haben, bereit sind zu helfen."

Nicht nur in Nordrhein-Westfalen, sondern auch in den anderen Bundesländern mit Opel-Standorten wird seither über mögliche Lösungen diskutiert. Morgen wird sich der Aufsichtsrat treffen, um über das Zukunftskonzept für den Autobauer zu beraten. Am Samstag will dann der Bundeswirtschaftsminister mit den betreffenden Ministerpräsidenten über Opel sprechen.

Man wolle nichts ausschließen, heißt es derweil aus Thüringen. Bereits im November hatte Opel von Bund und Ländern eine Bürgschaft von bis zu zwei Milliarden Euro gefordert. Die Länder haben prinzipiell Zustimmung signalisiert: Nordrhein-Westfalen könnte sich daran mit 500 Millionen Euro beteiligen. Doch welche Lösung letztendlich zum Tragen kommt, ist längst nicht klar. Zunächst müsse General Motors ein Rettungskonzept vorlegen, forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel. Den Mitarbeitern in Bochum bleibt solange nur eines: Hoffen, dass auch diesmal ihr Werk überlebt. Denn es ist nicht einmal fünf Jahre her, dass die Opelaner im Ruhrgebiet schon mal um ihre Existenz bangen mussten.

"Steht denn das alte Opel-Werk noch? Opelwerk noch? Ja, es steht noch, es steht noch, es steht noch bestimmt!"

Es war im Oktober 2004, als die verzweifelten Schweißer, Monteure und Lagerarbeiter spontan eine ganze Woche lang streikten. Auch damals war es der Mutterkonzern General Motors in den USA, der mit der Schließung des Standorts drohte. Der Streik war erfolgreich, der Preis für die Erhaltung des Werks in Bochum allerdings hoch. Von damals 9.600 Kollegen musste knapp die Hälfte gehen. Sie bekamen Abfindungen, wurden in Beschäftigungsgesellschaften ausgegliedert. Eine Garantie für den Bestand des Werks wollte der Chef von GM für Europa, Carl-Peter Forster, damals dennoch nicht geben.

"Das einzige, was wir garantieren können, ist: Wenn dieses Werk wettbewerbsfähig ist, wenn es sich im internationalen Vergleichsmaßstab mit Werken in Belgien, in England messen kann, dann hat dieses Werk eine Zukunft."

Eine Zukunft, die jetzt wieder komplett in Frage gestellt ist. Dabei ist der letzte Schicksalsschlag für die Stadt im Revier gerade mal ein Jahr her.

"Bochum, du darfst nicht untergehen!"

15.000 Demonstranten waren es, die sich im Januar 2008 auf dem Bochumer Markplatz versammelt hatten, um gegen die Schließung des Nokia-Werks zu protestieren. Der finnische Handyhersteller hatte beschlossen, nicht länger in Bochum, sondern in Rumänien zu produzieren. IG-Metall-Chef Berthold Huber gab sich kämpferisch, machte den 2300 Bochumer Nokianern Mut und sagte der Konzernführung den Kampf an.

"Wenn Sie noch einen Funken Anstand haben, dann nehmen Sie Ihre Entscheidung zurück! So geht das nicht!"

So ging es dann aber doch, trotz des wütenden Protests der Landesregierung, die ihre Subventionen in Millionenhöhe zurückforderte. Schließlich musste sie doch klein beigeben. Immerhin einigte man sich mit dem Konzern auf einen Sozialplan in Höhe von 200 Millionen Euro - für die Abfindungen und die Finanzierung einer Beschäftigungsgesellschaft. 700 Kollegen, die meisten von ihnen Ingenieure, haben nach Auskunft von Nokia bereits eine neue Stelle gefunden. 1.300 - meist Facharbeiter oder Ungelernte - sind derzeit bei der Personalentwicklungsagentur PEAG angestellt. Sie werden qualifiziert, bekommen Bewerbungstrainings. Auch ihre Chancen, wieder einen Job zu finden, stünden nach Einschätzung des PEAG-Geschäftsführers, Gerd Galonska, nicht schlecht, wenn derzeit die Konjunkturprognosen nicht so düster wären.

"Wir haben Aufträge für Vermittlungen, wo offene Stellen zu besetzen sind, die Zurzeit nicht werthaltig sind, weil die Unternehmen sagen: Das können wir nicht absehen, wie die Entwicklung ist, deshalb schieben wir das nach hinten."

Für Vorhersagen, wie viele Ex-Nokianer bald wieder eine reguläre Stelle bekommen, ist es noch zu früh, meint der Geschäftsführer. Dennoch: Gerd Galonska, der seit 30 Jahren in der Personalvermittlung in der Region arbeitet, gibt sich optimistisch. Selbst wenn nun auch noch bei Opel der schlimmste Fall einträte - für die krisenerprobte Stadt Bochum wäre selbst der Verlust von weiteren 5.000 Arbeitsplätzen in der Produktion nicht das Aus:

"Also, die Frage, wenn Arbeitsplätze auch in großer Menge entfallen, ist das dann für so eine Stadt das Ende? Und da zeigt die Erfahrung, gerade im Ruhrgebiet mit dem extremen Strukturwandel im Vergleich zu ganz Deutschland, dass solche Regionen sich erholen. Das ist natürlich am Anfang eine Masse an Arbeitsplätzen, auch an indirekten Arbeitsplätzen, die betroffen sind, aber auch das lässt sich über die Zeit kompensieren."

Herbert Grönemeyer:
"Tief im Westen
Wo die Sonne verstaubt
Ist es besser
Viel besser, als man glaubt"

Die Zeiten, als Herbert Grönemeyers Hymne auf die Stadt von Kohle und Stahl noch passte, sind längst vorbei. Die letzte Zeche schloss Anfang der 70er Jahre. 45.000 Kumpel und bald auch 15.000 Stahlarbeiter hatten ihre Jobs verloren. Doch da gab es schon das Opel-Werk, 40.000 neue Stellen wurden geschaffen. "Junge, geh zu Opel", sagten die einstigen Bergleute zu ihren Kindern. Bald schon hieß Bochum in Anlehnung an das wohl populärste Modell der Marke "Stadt der Kadetten". Doch mittlerweile sind von den 40.000 nur noch 5000 Stellen übrig - und auch denen droht das Aus.

1956 baute die Firma Graetz in Bochum eine Fabrik für Fernseher, in Spitzenzeiten arbeiteten dort 4500 Menschen. Graetz ging Pleite, die Landesregierung suchte und fand einen Nachfolger- Nokia. Fernseher aber hätten keine Zukunft, befand der finnische Konzern. Der deutsche Staat zahlte viele Millionen D-Mark an Subventionen für den Umbau zur Handy-Fabrik, das Ende ist bekannt. Tillmann Neinhaus seufzt. Als Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer, der die Krisen der vergangenen Jahre miterlebt hat, kann ihn auch die neueste Schreckensnachricht von Opel nicht mehr schockieren.

"Bochum ist keinesfalls eine sterbende Stadt. Hier sind die Lichter nicht ausgegangen, sie werden auch nicht ausgehen. Inzwischen haben wir gelernt, und das ist, glaube ich, auch eine wichtige Erfahrung, mit Krisen umzugehen."

Was wie trotzige PR klingen mag, stimmt. Betrachtet man die Zahl der Arbeitsplätze, die seit Anfang der 70er Jahre verloren gegangen sind, scheint es fast ein Wunder, dass die Arbeitslosenquote in Bochum auch nach dem Weggang von Nokia im vergangenen Jahr bei unter zehn Prozent lag. Denn so sehr das Image der Stadt noch mit der industriellen Vergangenheit verbunden ist: Nur noch ein Drittel der Arbeitsplätze in der Stadt ist im produzierenden Gewerbe zu finden - der Hauptteil, 65 Prozent, ist im Dienstleistungsbereich angesiedelt. Opel ist nicht mehr der größte Arbeitgeber - die Universitäten und Fachhochschulen haben dem Konzern den Rang abgelaufen. Auch auf dem ehemaligen Nokia-Gelände, das an einen Investor verkauft wurde, haben sich bereits wieder neue Firmen angesiedelt. Aus Sicht von IHK-Geschäftsführer Neinhaus der größte Erfolg im vergangenen Jahr.

"Dort sind heute 150 Arbeitnehmer in einem Betrieb tätig, der Scanner zusammensetzt, aber auch ein ursprünglicher Nokia-Bereich, die Auto-Telefonie, ist mit 250 Beschäftigten erhalten geblieben. Den hat ein ehemaliger Nokia-Manager erworben, sodass wir heute auf dem Gelände etwa 400 Beschäftigte bereits haben. Die Zahl der beiden Betriebe soll wachsen auf etwa 600, und der Projektentwickler will weitere 1000 Arbeitsplätze schaffen."

Hinzu kommt, dass das kanadische Mobilfunkunternehmen RIM, der Hersteller des Internet-Handys "Blackberry", im vergangenen Jahr sein europäisches Forschungszentrum in Bochum angesiedelt hat. RIM übernahm von Nokia 100 Ingenieure, weitere 400 Stellen sind geplant. High-Tech statt Fließband ist die Devise.

Auf dem Gelände des Bochumer Technologiequartiers fährt ein Bagger hin und her, ein LKW transportiert Erde von der Baugrube ab. Die Firma Scienlab baut eine neue Fertigungshalle. Der Entwicklungsdienstleister für Mess- und Schaltungstechnik hat einen neuen Großauftrag bekommen und braucht mehr Platz. Seit zwei Jahren hat das High-Tech-Unternehmen seinen Sitz im Technologie-Quartier, direkt neben dem Campus der Hochschule Bochum.

Von den mittlerweile 35 Mitarbeitern sind die Hälfte ehemalige Studenten. Ein Standortvorteil, den auch andere Firmen aus dem Hoch-Technologie-Bereich erkannt haben - die Gewerbeflächen sind bis auf wenige Quadratmeter verkauft. Nun möchte die Stadt als Nächstes einen "Bio-Medizin-Park" ansiedeln, ebenfalls in Uni-Nähe. Außerdem hat sich Bochum um den "Gesundheits-Campus" beworben, den das Land NRW derzeit plant. Der Campus soll 500 Arbeitsplätze bieten und über ein Budget von 75 Millionen Euro verfügen. Stadtrat Paul Aschenbrenner, zuständig für die Wirtschaftsförderung, ist überzeugt: Bochum hat die Wende geschafft. Von Stahl und Kohle über die Produktion von Autos und Handys hin zum Wissenschaftsstandort.

"Ja, in welche Richtung soll das gehen? Bochum ist und bleibt ein moderner Wirtschaftsstandort als Stadt mit 380.000 Einwohnern und einer Arbeitslosenquote von "bedauerlichen" zehn Prozent liegen wir noch relativ gut bei den Städten im Ruhrgebiet, Dortmund, Essen, Duisburg. Wir müssen den Technologietransfer aus unseren Hochschulen - wir haben mittlerweile fünf Hochschulen in der Stadt - verstärken. Start-Ups sind uns willkommen, aber auch moderne Dienstleistungen, mit denen wir international konkurrenzfähig sind."

Doch der finanzielle Rahmen für die Unterstützung der Firmen ist eng gesteckt: Über die Jahre hat Bochum einen Schuldenberg von 900 Millionen Euro angesammelt. Die Wirtschaftsförderung könne sicher einige Anreize für den Mittelstand schaffen, aber Standortentscheidungen eines Großkonzerns wie Opel ließen sich mit seinem Etat nicht beeinflussen, meint Paul Aschenbrenner:

"Die Stadt kann einen Beitrag mit der klassischen Wirtschaftsförderung leisten. Wir können Netzwerke bilden, wir können Unternehmen helfen, nicht mehr benötigte Betriebsgrundstücke zu vermarkten und wir können auch versuchen, den Standort mit Innovationen aufzupeppen."

Und so bleibt den Bochumern nur übrig abzuwarten, wie die Entscheidung in Detroit ausfällt und dann zu hoffen, dass Land und Bund den Fortbestand sichern. Denn: Auch wenn Opel nicht mehr so viele Mitarbeiter wie früher beschäftigt - eine Schließung des Werks wäre gleichwohl ein schwerer Schlag, schließlich hängen daran noch rund 5.000 weitere Jobs in der Zulieferindustrie.

Auch in Osnabrück spielte die Automobilindustrie bisher eine große Rolle. Seit Jahrzehnten steht der Name Karmann am Stammsitz Osnabrück für den Bau von Autokarosserien. Bekannt geworden durch den Karmann Ghia waren es in den vergangenen vierzig Jahren vor allem Nischenfahrzeuge wie Cabriolets oder Coupés, die in Osnabrück im Auftrag großer Autohersteller gefertigt wurden. Dass bei Karmann Autos gebaut werden, kann man sehen, wenn man über die Schellenberger Brücke am Werksgelände vorbei fährt. Von dort aus fällt der Blick auf den großen Parkplatz, auf dem Cabrios von Mercedes und Audi auf den Weitertransport warten. Doch in diesen Tagen ist dieser Parkplatz gerade einmal zu einem Drittel gefüllt. Karmann-Sprecher Christian Eick:

"Wenn man eben früher als Osnabrücker über die Brücke gefahren ist, dann war der pickepackevoll der Parkplatz. Und dieses Bild, dieses gewohnte Bild für die Osnabrücker. Das ist eben nicht mehr da."

Der Grund: Schon seit Jahren hat Karmann keine Nachfolgeaufträge für den Karosseriebau bekommen. In vielen Fällen machte der österreichische Konkurrent Magna Steyr stattdessen das Rennen. Außerdem sind Hersteller inzwischen dazu übergegangen, die ausgesiedelte Nischenproduktion wieder ins eigene Haus zurück zu holen. Im vergangenen Jahr haben die Gesellschafter von Karmann deshalb beschlossen, den bislang größten Unternehmensbereich Fahrzeugbau in diesem Sommer zu schließen. Nachdem bereits 2007 knapp 1700 Mitarbeiter an den Standorten Osnabrück und Rheine gehen mussten, verlieren jetzt weitere 1400 Beschäftigte endgültig ihren Job.

"Heute muss man feststellen, dass aufgrund dieser strukturellen Aspekte, es keine Chancen mehr gibt, den Fahrzeugbau bei Karmann aufrecht zu erhalten."

Gescheitert sind damit auch die jahrelangen Bemühungen diverser Politiker, die Arbeitsplätze bei Karmann zu erhalten. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff, der aus Osnabrück stammt, soll sich höchstpersönlich zum Beispiel bei Volkswagen um Aufträge für Karmann bemüht haben. Vergeblich. Für einen Politiker gebe es kaum Möglichkeiten, Jobs zu retten, sagt Osnabrücks Oberbürgermeister Boris Pistorius:

"Wir haben dem Unternehmen immer da, wo's nötig war, in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten den Weg geebnet und Rahmenbedingungen geschaffen, die notwendig waren für die Entwicklung, aber mehr konnten wir auch nicht tun. Wir können weder Autos beauftragen, noch Entwicklungsaufträge vergeben, noch Subventionen zahlen. Das Land, der Ministerpräsident kann sich einsetzen für Anschlussaufträge aus der Automobilindustrie, aber wir als Stadt können nichts machen."

Mehr Gestaltungsmöglichkeiten haben Politiker, wenn die Mitarbeiter bereits entlassen sind. Gemeinsam mit dem Bundesarbeitsministerium hat sich das Land Niedersachsen schon bei der Entlassungswelle 2007 dafür eingesetzt, dass mit Mitteln aus dem EU-Sozialfond eine Transfergesellschaft gegründet wird. Mit großem Erfolg: Fast 80 Prozent der ehemaligen Karmänner konnten damals in eine neue Beschäftigung vermittelt werden. Daran beteiligt war auch der Osnabrücker OB. An der Seite des Landrats - 60 Prozent der Beschäftigten bei Karmann wohnen außerhalb von Osnabrück - hat Pistorius gezielt Unternehmen angesprochen und den hochqualifizierten Ingenieuren zu neuen Jobs verholfen. Das hat der Oberbürgermeister auch diesmal wieder vor, doch angesichts der Arbeitsmarktkrise sind seine Hoffnungen gedämpft.

"Der zweite Faktor ist, es geht dieses Mal nicht um die Hochqualifizierten, es geht um die etwas geringer Qualifizierten, es geht teilweise um Menschen, die seit 20 Jahren bei Karmann gearbeitet haben, die jetzt Ende 40, Anfang 50 sind. Wenn auch nur die geringste Hoffnung besteht, dass wir nur einen kleinen Teil derjenigen, die jetzt entlassen werden, hier in der Region wieder in Arbeit und Brot bringen können durch eine solche Arbeitsmarktkonferenz, dann werden wir das tun."

Ärger gibt es derzeit um den betrieblichen Sozialplan bei Karmann. Wurde in der Vergangenheit entlassen, haben die Beschäftigten immer eine Abfindung vom Unternehmen bekommen. Doch diesmal bieten die Gesellschafter nur den Übergang in die Transfergesellschaft an - für mehr, heißt es, habe das Unternehmen kein Geld. Um ihrer Empörung Luft zu machen, haben in dieser Woche mehrere Hundert Beschäftigte des Fahrzeugbaus die Arbeit niedergelegt und vor den Privathäusern der Karmann-Gesellschafter in Osnabrück mit Dudelsäcken demonstriert. Ihre Forderung: Die Gesellschafter sollen die Abfindungen aus ihrem auf 600 Millionen Euro geschätzten Privatvermögen bezahlen.

"Status heute ist, dass die Mitarbeiter zwar mit einer Transfergesellschaft versehen werden sollen, aber ohne eine Abfindung das Haus verlassen müssen. Das ist unter aller Sau."

"Also ärgern tu ich mich derzeit eigentlich über die Umstände, wie dieses Personal abgebaut werden soll. Da sind jetzt die Gesellschafter gefragt."

Der Streit um die Abfindung aber ist das einzige Ärgernis, das die Karmänner derzeit auf die Straße treibt. Mit dem Engagement der Politiker für ihren Standort sind sie zufrieden, neidische Blicke auf die Opelaner gibt es nicht.

Und auch wenn der Fahrzeugbau ab Mai stillgelegt wird, geht es in Osnabrück in kleinerem Umfang weiter. Der übrig gebliebene Fertigungsbereich Dachsysteme und die Fahrzeugentwicklung mit insgesamt rund 1100 Mitarbeitern laufen nach Unternehmensangaben so gut, dass sogar qualifizierte Ingenieure gesucht werden. Aus dem Traditionsautobauer Karmann soll eine Ideenschmiede werden, wünscht sich Sprecher Christian Eick:

"Wir sind zuversichtlich, dass diese beiden Bereiche eine neue Ära für die Firma Karmann einläuten und dann auch wieder Wachstumsmöglichkeiten haben."

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