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StartseiteKommentare und Themen der WocheDas zerstörerische Kalkül des Donald Trump18.11.2020

Die Übergangszeit nach der US-WahlDas zerstörerische Kalkül des Donald Trump

Die ganze Welt zählt die Tage, bis dieser unberechenbare US-Präsident sein Amt am 20. Januar 2021 aufgeben muss, kommentiert Thilo Kößler. Doch bis dahin könne Donald Trump noch einiges unternehmen, um seinem Nachfolger den Start schwer zu machen.

Von Thilo Kößler

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15.11.2020, USA, Sterling: 6387281 15.11.2020 U.S. President Donald Trump plays golf at the Trump National Golf Club in Sterling, Virginia, United States. Yuki Iwamura / Sputnik Foto: Yuki Iwamura/Sputnik/dpa | (picture alliance/ dpa / Yuki Iwamura/ Sputnik)
Twittern, golfen, Leute feuern - US-Präsident Donald Trump in seiner "lame duck"-Phase (picture alliance/ dpa / Yuki Iwamura/ Sputnik)
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Spätestens jetzt zählen nicht nur US-Bürger die Tage, bis dieser 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika das Oval Office räumt. Die ganze Welt zählt mit und fragt sich, wozu dieser unberechenbarste Präsident aller Zeiten noch imstande ist, bevor er das Weiße Haus verlässt.

Nach der Wahlniederlage zutiefst in seinem Narzissten-Ego getroffen, ist Donald Trump offenbar gewillt, seine Obstruktionspolitik auf die Spitze zu treiben. Mit seinem Alleingang, die Zahl der Soldaten in Afghanistan und im Irak auf ein symbolisches Kontingent von jeweils 2.500 Soldaten zu reduzieren, legt Donald Trump die Axt an die Sicherheitsinteressen seines eigenen Landes und seiner Verbündeten.

Rückendeckung der Generäle kommt abhanden

Die Entlassung von Verteidigungsminister Mark Esper und das anschließende personelle Reinemachen im Pentagon entpuppen sich als eiskaltes Manöver: Esper hatte in einem vertraulichen Schreiben massive Bedenken gegen einen Truppenabzug geäußert. Führende Militärs stimmten ihm prompt zu. Dem scheidenden Präsidenten kommt die Rückendeckung der eigenen Generäle abhanden.

Das Bild zeigt die amerikanische Flagge, Dossier zur US-Wahl 2020  (picture alliance / Wolfram Steinberg)Wahlen in den USA (picture alliance / Wolfram Steinberg)

Tatsächlich geht der geplante Truppenabzug aus Afghanistan und Irak mit erheblichen Kollateralschäden einher – militärisch, diplomatisch und politisch gleichermaßen. Militärisch, weil die gesamte Afghanistan-Mission in Frage gestellt wird. Die Sicherheit der internationalen Truppen in Afghanistan ist gefährdet. Auch die Bundeswehr, die vom Schutz der US-Truppen abhängig ist, muss darauf eine Antwort finden.

Diplomatisch ist die Entscheidung ein Desaster, weil damit die Verhandlungen mit den Taliban zum Scheitern verurteilt sind. Sie werden sich nicht mehr an Vereinbarungen gebunden fühlen, wenn es keine glaubhafte Drohkulisse mehr gibt. Donald Trump beschert den Taliban einen Propagandasieg erster Güte. Sie werden den Teilabzug der Amerikaner als Eingeständnis der Niederlage Washingtons ausschlachten.

Ein massives Sicherheitsrisiko

Politisch ist Trumps Alleingang ein massives Sicherheitsrisiko. Das Vakuum im Irak werden der Iran und Russland schnell füllen. Und Afghanistan könnte erneut zur Drehscheibe für islamistischen Terror werden. Der amerikanische Präsident sorgt auf diese Weise für einen empfindlichen Rückschlag in der internationalen Terrorbekämpfung.

Ernste Sorgen muss man sich indes auch um die Entwicklung am Persischen Golf machen: Zwar haben Trumps engste Berater ihn vor einem Militärschlag gegen iranische Nuklearanlagen gewarnt. Doch im zerstörerischen Kalkül des Präsidenten könnte genau das ein effektvolles Finale für seine Amtszeit sein. Donald Trump will noch in den letzten Tagen Fakten schaffen. Und seinem Nachfolger Joe Biden den Neustart so schwer wie möglich machen. Raketen auf Natans etwa könnten Bidens Ziel durchkreuzen, das Atomabkommen mit dem Iran wiederzubeleben.

Allmählich zeigen sich überall Brüche und Friktionen - im Militär wie in der eigenen Partei. Selbst bei gefügigen Republikanern im Kongress ist ein deutliches Murren zu vernehmen. Doch das reicht nicht. Sie alle müssten Donald Trump energisch Einhalt gebieten. 

Thilo Kößler - Dlf Korrespondent in Washington, USA (Marion Meakam)Thilo Kößler - Dlf Korrespondent in Washington, USA (Marion Meakam)Thilo Kößler begann nach einem Geschichtsstudium seine Rundfunk-Laufbahn 1978 als Reporter im Studio Nürnberg des Bayerischen Rundfunks. 1987 wechselte er als Zeitfunk-Redakteur zum SDR nach Stuttgart und war von 1990 bis 1996 ARD-Hörfunk-Korrespondent für den Nahen Osten am Standort Kairo. Seit 1998 arbeitete er als Redakteur im Deutschlandfunk, zunächst im Zeitfunk, dann als Leiter der Europaredaktion. Ab 2007 war er Leiter der Abteilung "Hintergrund". Seit Juni 2016 ist er USA-Korrespondent von Deutschlandradio mit Sitz in Washington.

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