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StartseiteCampus & KarriereDie Universität Göttingen soll eine Stiftungsuni werden14.08.2002

Die Universität Göttingen soll eine Stiftungsuni werden

Die endgültige Entscheidung fällt Mitte Oktober 2002

<strong> In den USA gibt es Stiftungs-Universitäten schon seit langem: Vom Staate unabhängig finanzieren sie sich selbst, nicht zuletzt durch hohe Studiengebühren. Als erste Uni in Deutschland soll nun die traditionsreiche Universität Göttingen eine Stiftung werden. Aber nicht so wie in den USA, sondern nach eigenem Modell. Die Idee dazu stammt vom niedersächsischen Wissenschaftsminister Oppermann. Der Senat der Universität signalisierte bereits Zustimmung. Eine endgültige Entscheidung fällt Mitte Oktober. Danach könnte das Stiftungsmodell schon zum Januar 2003 in Kraft treten. </strong>

Viele Studierende sind zwar noch nicht informiert, der amtierende AStA-Vorsitzende Torsten Scharf ist aber auf jeden Fall schon mal für die Stiftungsuni.

Sie eröffnet Chancen: Die Uni bekommt Gebäudemanagement, es wird entstaatlicht und deshalb Entscheidungen auf die Uni verlagert. Sie kann Studiengänge selber einrichten, und steuern, wohin die Uni geht. Ich hoffe, dass die Ausstattung besser wird, dass es mehr Lehrbücher gibt, dass die Uni internationaler wird und die Gebäude schneller renoviert werden.

Wie genau die Göttinger Stiftungsuni aussehen soll. Das ist noch nicht entschieden. Fest steht nur: vom Stiftungsmodell der amerikanischen Elite-Universitäten ist das Göttinger Modell weit entfernt - nicht zuletzt was die finanzielle Ausstattung anbelangt, bedauert der Vizepräsident der Universität Matthias Schuhmann.

Wenn Sie sich anschauen, welches Vermögen Harvard, Stanford oder das MIT haben - wäre eine deutsche Hochschule mit so einem Vermögen ausgestattet, dann wäre es möglich, die Hochschule aus Eigenmitteln zu finanzieren. Aber ehe Sie das geschafft haben, da ist ein Milliardenermögen nötig, und das lässt sich nicht von heute auf morgen realisieren.

Die Universität Göttingen bekommt zur Zeit 200 Millionen Euro pro Jahr vom Land Niedersachsen, und das soll auch so bleiben. Darüber hinaus hofft der Vizepräsident, zusätzliche Stifter zu gewinnen. Doch sechsstellige Spenden von Ehemaligen, die Karriere gemacht haben, das ist in Deutschland noch ferne Zukunftsmusik.

Wir werden auch langfristig nicht in der Lage sein, ohne den Staat zu existieren. Wir sind natürlich bestrebt, weiteres Vermögen anzusammeln, aber wir werden immer noch Geld vom Staat brauchen.

Zum Sommersemester 2003 werden erstmals Langzeitstudierende in Göttingen mit 500 Euro zur Kasse gebeten. Kommen mit der Stiftungsuni langfristig Studiengebühren auf alle Studierenden zu? Möglich ist es - aber wahrscheinlich kommen die Studiengebühren auch ohne die Stiftungsuni, sagt Schuhmann:

Die Frage der Studiengebühren hat nichts mit der Stiftungsuni zu tun. Das ist ja eine in Niedersachsen und woanders kontrovers geführte Diskussion. Hier bleibt es abzuwarten, inwieweit man hier Veränderungen im gesamten Bildungssystem vornimmt.

Ob Studiengebühren kommen oder nicht - darüber werden die Verträge zur Stiftungsuni nicht entscheiden. Vizepräsident Schuhmann hofft auf ganz andere Vorteile.

Zur Zeit können wir nur innerhalb von zwei Jahren nach Genehmigung durch das Land unsere Stellenpläne verändern. In einer Stiftungshochschule könnten wir schneller agieren. Sie gewinnen Flexibilität, können offene Stellen schneller besetzen und das Berufungsgeschäft autonom vom Land durchführen, ohne das Ministerium einzuschalten.

Nach dem Stiftungsmodell könnten Lehrkräfte innerhalb weniger Wochen neu eingestellt werde. Schnelle Entlassungen jedoch sind nicht möglich, denn der Stiftungsrat wäre an die Tarifverträge im öffentlichen Dienst gebunden, versichert Schuhmann. Der Stiftungsrat soll sich rekrutieren aus Personen, die sich genau mit der Hochschulen auskennen. Auf Vorschlag vom Senat werden sie vom Wissenschaftsminister ernannt. Und da das Land Geldgeber Nummer Eins ist, wird auch ein Vertreter des Ministeriums darunter sein. Es bleibt also abzuwarten, ob Wissenschaftler den Rat dominieren oder auch Politiker und Unternehmer. Eine zu enge Verzahnung von Wissenschaft und Wirtschaft befürchtet die Studentin der Sozialwissenschaften Dorette Gonschoreck bei der Stiftungsuni.

Ich habe schon gelesen, dass viel über Drittmittel aus der Wirtschaft finanziert werden soll. Meine Befürchtung ist, dass manche Studiengänge zu Ausbildungsstudiengängen für die Wirtschaft verkommen.

Die freie Forschung aufgeben für die Interessen der Wirtschaft - für den Vizepräsidenten steht das nicht zur Debatte.

Ein solcher Effekt wird sich nicht einstellen. Wir streben an, international konkurrenzfähig zu sein, da können wir die freie Forschung nicht aufgeben.

Ob die Stiftungsuni nun zum Januar 2003 kommt oder nicht - darüber wird der Senat der Göttinger Universität Mitte Oktober entscheiden.

Autorin: Elke Drewes

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