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StartseiteGesichter EuropasSpurensuche im Norden Serbiens22.12.2018

Die Vielfalt der VojvodinaSpurensuche im Norden Serbiens

Die Vojvodina gehörte nacheinander zu Österreich-Ungarn, Jugoslawien und Serbien und blieb doch immer auf Autonomie bedacht. Autonomie, die ständig durch Nationalismen bedroht ist. Fünf Reportagen aus einer multiethnischen Region, in der nicht weniger als 26 Völker leben.

Von Leila Knüppel

Historisches Zentrum von Novi Sad in der Autonomen Provinz Vojvodina. (imago stock&people/ Winfried Rothermel)
Historisches Zentrum von Novi Sad in der Autonomen Provinz Vojvodina (imago stock&people/ Winfried Rothermel)

"Das ist unsere Flur, unsere Vojvodina, die Eine und Einzige", heißt es in einem der Lieder des Sängers Djordje Balasevic, in dem er seine Heimat besingt. Sein Text handelt von der Weite dieser fruchtbaren Ebene, vom guten Essen, der Friedfertigkeit der Bewohner, den vielen Sprachen, die dort gesprochen werden. Eine Art Traumland für Jugo-Nostalgiker, in denen ein friedliches Miteinander jenseits von Nationalismus noch möglich scheint.

Doch im Gegensatz zu Autonomiebestrebungen der Katalanen, Basken oder Schotten, die sich auf eine nationale Identität berufen, ist man in der Vojvodina stolz darauf, dass hier 26 Völker wohnen: Serben, Ungarn, Kroaten, Slowaken, Rumänen, Ukrainer, Ruthenen und viele andere mehr.

Selbst in den 90er-Jahren während des Jugoslawienkriegs blieb es hier weitgehend friedlich. Doch flohen immer mehr Serben, die zuvor in den jugoslawischen Nachbarländern gelebt hatten, in die Vojvodina. Kroaten wiederum wurden aus der Region vertrieben.

Seitdem ist der Anteil der serbischen Bevölkerung auf 65 Prozent gestiegen. Die Minderheiten werden zunehmend marginalisiert. Die Vojvodina droht ihre multikulturelle Identität zu verlieren.

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Seit Jahrhunderten leben im Norden Serbiens Menschen mit unterschiedlichen Wurzeln zusammen. Die autonome Provinz Vojvodina ist ein Schmelztiegel aus Nationen, nationalen Minderheiten und ethnischen Gruppen. Wie nirgends sonst in Europa ist Integration in dieser Gegend normal und nichts Besonderes.

Dies ist das Haus von Vojislav Seselj steht an dem Haus inmitten des Orts Hrtkovci - in Leuchtschrift, die nachts weithin zu sehen ist (Deutschlandradio / Leila Knüppel) (Deutschlandradio / Leila Knüppel)Spuren des Hasses in Hrtkovci
Der Ultranationalist Vojislav Seselj kauft ein Haus in Hrtkovci. Dort, wo er 1992 durch eine Hassrede zur Vertreibung der Kroaten beitrug. Seselj ist vom UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt. Aber er stachelt weiter auf.

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