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StartseiteForschung aktuellDie Welwitschia15.10.2010

Die Welwitschia

Sendereihe: „Die Einzigen ihrer Art"

Botanik. - Die europäischen Seefahrer brachten viele für europäische Augen sonderbare Tiere und Pflanzen mit nach Hause. Der österreichische Arzt und Botaniker Friedrich Welwitsch stieß mitten in der Wüste Namib auf eine große, grüne Pflanze. Er schickte ein Exemplar nach London zu seinem Kollegen Joseph Dalton Hooker, der daraufhin erklärte, dies sei ohne Frage die wunderbarste Pflanze, die je in dieses Land gebracht wurde, und eine der hässlichsten. Sie ist auch eine der einsamsten.

Von Monika Seynsche

Eine männliche Welwitschia im Botanischen Garten der Ruhruniversität Bochum. (Monika Seynsche)
Eine männliche Welwitschia im Botanischen Garten der Ruhruniversität Bochum. (Monika Seynsche)
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"Das ist sie! Ein Männchen, blüht gerade. das sind die männlichen Zapfen. Das Ding ist so ungefähr 20, 25 Jahre alt, vielleicht auch ein bisschen mehr…"

Das "Ding" steht in einem Gewächshaus im Botanischen Garten der Ruhruniversität Bochum und sieht unspektakulär aus. Ein kleiner, knorriger Stamm aus dem zwei graugrüne Blätter herauswachsen. Wie Schlangen kriechen sie Meter um Meter auf dem Boden davon, eingerissen und an den Spitzen welk. Thomas Stützel hebt eines der Blätter hoch.

"Die stirbt von der Spitze her ab und an der Basis wächst das Blatt nach, man sieht da so ein, immer so einen dunkelgrünen Streifen so im 15 Zentimeter Abstand das ist der jährliche Zuwachs von diesen beiden Blättern."

Die beiden Blätter von Welwitschia mirabilis wachsen ihr Leben lang weiter. Und das kann mit mehreren Tausend Jahren beeindruckend lang sein. Stützel:

"Die kommen in Südafrika vor, Namibia bis Angola, in trockenen Gebieten. Wir kennen in der Zwischenzeit auch fossile Welwitschias aus Argentinien. Das heißt, die Dinger sind älter als die Trennung von Afrika und Südamerika."

Die begann vor etwas weniger als 200 Millionen Jahren, gegen Ende des Jura. Aber die Welwitschia ist nicht nur alt, sie ist auch sehr einsam. Sie ist die einzige Art ihrer Gattung und auch in ihrem entfernteren Verwandtenkreis finden sich nur zwei weitere Gattungen. Diese drei Gattungen zusammen bilden die Gruppe der Gnetales oder Gnetopsida. Und spätestens da fangen dann auch die Probleme mit einer korrekten Einordnung ins botanische System an. Stützel:

"Die einen machen da eine eigene Familie draus die anderen machen eine eigene Ordnung draus. Gibt auch welche die eine eigene Unterklasse draus machen, das ändert an der Sachlage eigentlich nix. Den Grad des Unwissens über die Gruppe durch ein möglichst hohes hierarchisches Niveau zu unterstreichen, rettet uns nicht wirklich."

Klar ist einzig, dass die Gruppe zu den Samenpflanzen zählt, genauso wie die Blütenpflanzen, Palmfarne, Nadelhölzer und der Gingko. Wo genau sie einzuordnen ist, und mit wem sie am nächsten verwandt ist, darüber streiten die Botaniker noch. Währenddessen wächst das Welwitschia- Männchen im Gewächshaus in Bochum langsam vor sich hin und wartet auf einen Partner. Stützel:

"Wir haben jetzt, Sie sehen es da, Jungpflanzen direkt hier ausgesät und hoffen halt, dass wenigstens eine davon sich dann in 15, 20 Jahren als Weibchen erweist. Wenn wir Pech haben, haben wir dann drei Männer rumstehen und es geht wieder nicht."

Von der Welwitschia gibt es männliche und weibliche Exemplare. Und fortpflanzen kann sie sich nur, wenn die Pollen einer männlichen Pflanze auf die Samen eines Weibchens treffen. Entsteht dann eine neue Pflanze, kann sie im botanischen Garten ein sorgloses Leben führen. In ihrer Heimat, der Wüste Namib, muss sie dagegen zusehen, wie sie an Wasser kommt. Stützel:

"Die hat eine Pfahlwurzel und erreicht mit dieser Pfahlwurzel das Grundwasser oder grundwassernahe Schichten und da kriegt sie es her und das ist auch der Grund warum sie heute Probleme hat, wenn der Samen oben auf den Boden fällt, wenn die es nicht schafft mit ihrer Pfahlwurzel in die Nähe des Grundwassers zu kommen, bevor die nächste Trockenphase kommt, dann sterben diese Pflanzen wieder ab."

Welwitschia mirabilis lebt heute nur noch auf einem schmalen Streifen im südlichen Afrika. Insofern sei sie potentiell gefährdet, meint Thomas Stützel.

"Das kann aber sein, wenn man die Standorte in Ruhe lässt, dass die es locker leicht die nächsten 20 Millionen Jahre macht. Ein kleines Problemchen könnte sein, dass das Gebiet Bodenschätze hat und wenn das alles umgewühlt wird zu Minen, dann geht’s ihr natürlich schlecht."

Denn zu den seltsamen Eigenschaften der Welwitschia gehört auch, dass sie sich partout nicht umpflanzen lässt. Jeder Versuch endet mit dem Tod.

Hinweis: Beiträge zum Jahr der Biodiversität wie die anderen Teile der Reihe "Die Einzigen ihrer Art" finden Sie auf unserer Spezialseite Der Rückzug der Vielfalt.

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