Montag, 09.12.2019
 
Seit 22:00 Uhr Nachrichten
StartseiteInterviewDudenhöffer: Verkehrsminister hat falsch gelegen27.07.2019

Diesel-Hardware-Nachrüstungen zugelassenDudenhöffer: Verkehrsminister hat falsch gelegen

Der Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer begrüßte im Dlf die Entscheidung des Kraftfahrt-Bundesamtes, erste Hardware-Nachrüstsätze für Dieselmotoren zuzulassen. Er kritisierte zugleich Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). Scheuer habe diese Art von Nachrüstung stets abgelehnt.

Ferdinand Dudenhöffer im Gespräch mit Jörg Münchenberg

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Stuttgart: Ein Schild an einer Straße weist auf Fahrverbote für ältere Dieselfahrzeuge hin.  (picture alliance/Christoph Schmidt/dpa)
Erste Hardware-Nachrüstsätze für Dieselmotoren wurden jetzt zugelassen (picture alliance/Christoph Schmidt/dpa)
Mehr zum Thema

Ökonom Edenhofer: "Benzin und Diesel stärker besteuern"

Luftverschmutzung EuGH macht strenge Vorgaben für Messstationen

Studie zu Luftverschmutzung Gesundheitsrisiko Feinstaub

Jörg Münchenberg: Lange hat es gedauert, doch jetzt liegt sie tatsächlich vor, die erste offizielle Genehmigung des Kraftfahrt-Bundesamtes für eine Hardware-Nachrüstung bei Dieselfahrzeugen. Lange hatte sich auch Verkehrsminister Andreas Scheuer gegen eine solche Lösung gesperrt und stattdessen Software-Lösungen und sogar den Neukauf von Autos befürwortet – unterstützt von den Herstellern, die von einer Nachrüstung auch aus technischen Gründen überhaupt nichts wissen wollten –, während gleichzeitig die Dieselbesitzer zuschauen mussten, wie der Wert ihres oft nur drei oder vier Jahre alten Autos kontinuierlich zusammengeschrumpft ist. Das könnte sich nun mit der ersten Genehmigung für die Abgasnachrüstung vielleicht ändern.

Über dieses Thema habe ich kurz vor der Sendung mit Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen gesprochen und ihn zunächst gefragt, wie die Entscheidung des Kraftfahrt-Bundesamtes aus Sicht der betroffenen Autofahrer einzuschätzen ist.

Ferdinand Dudenhöffer: Ich glaube, das ist eine sehr gute Nachricht. Wie stark das dann in Anspruch genommen wird, das wird man sehen, aber es sind ja einige, die neue Fahrzeuge haben – bei Volvo insbesondere diese SUVs –, und die wohnen in Städten, die müssen durch Städte. Das ist zum einen deshalb gut, weil man Dieselfahrverbote dann nicht mehr fürchten muss, und zum anderen aber auch, dass man mit gutem Gewissen dann unterwegs sein kann in den Großstädten, mit einem sauberen Volvo. Das ist eine schöne Sache, eine gute Sache.

"Die Wertstabilität kann wiederhergestellt werden"

Münchenberg: Was heißt das denn aber trotzdem für den Wert der Fahrzeuge, weil gerade Diesel mit Euro 5 haben ja enorm an Wert verloren jetzt in den letzten Jahren, eben wegen des Dieselskandals.

Dudenhöffer: Ich gehe davon aus, dass die Fahrzeuge, die nachgerüstet sind, zertifiziert nachgerüstet sind, in ihren Gebrauchtwagenpreisen wieder hochgehen, das heißt, die Wertstabilität kann wiederhergestellt werden. Man muss schauen, zu wie viel Prozent – ob es zu 100 Prozent ist im Vergleich zu vor fünf Jahren, kann man heute schlecht sagen.

Aber es wird auf jeden Fall so sein, dass Fahrzeuge, die zum Beispiel von Firmenfuhrparks zurückkommen, die als Firmenfahrzeuge gelaufen sind – meistens so drei Jahre –, dass die bei den Händlern öfter nachgerüstet werden und da mit vernünftigen Preisen von den Händlern verkauft werden können. Und derjenige, der die dann kauft, der kann auch sicher sein, dass er nicht die Katze im Sack kauft.

Münchenberg: Nun war das Argument ja immer, Herr Dudenhöffer, dass viele Fahrzeuge für die Nachrüstung gar nicht geeignet seien, die Fahreigenschaften würden sich rapide ändern, jetzt gibt es quasi sozusagen die offizielle Bestätigung durch das Kraftfahrt-Bundesamt. Das heißt eigentlich ja auch, dass diese ganze Argumentation nie so richtig gestimmt hat.

Dudenhöffer: Es ist so, dass wir über die technischen Details der Nachrüstung ja nichts wissen. Wir wissen nur, dass sie zertifiziert worden ist. Ob sie negative Auswirkungen hat auf den Antriebsstrang, auf den Motor, auf die Dauerfestigkeit, das kann man mit der Meldung, die wir jetzt haben, nicht sagen, da wäre gut, wenn Volvo mit dazutreten würde.

Aber ich kann mir auch vorstellen, dass Versicherungen sicherlich diese zusätzlichen Risiken, die entstehen, mit auffangen werden. Von daher glaube ich, das, was das Kraftfahrt-Bundesamt, insbesondere der Verkehrsminister immer gesagt hat – eine Umrüstung geht nicht, lohnt nicht, will er nicht –, das hat sich jetzt wieder als falsch herausgestellt. Also, der Verkehrsminister hat oft Dinge, die er umsetzt, die sich dann nicht in der Realität widerspiegeln.

"Verkehrsminister setzt auf die falschen Pferde"

Münchenberg: Da sind wir auch beim Thema: Was heißt denn die offizielle Zulassung jetzt politisch, weil der Verkehrsminister immer bislang einen Neukauf empfohlen hatte.

Dudenhöffer: Ach, bei dem Verkehrsminister ist es so, dass ja permanent negative und falsche Informationen von ihm verbreitet werden. Er setzt auf die falschen Pferde. Der größte Gau, den er gemacht hat, war die Maut, die den Steuerzahler echt viel Geld kostet, die die Zukunftsprojekte aufgehalten hat. Und bei dem Verkehrsminister ist es einfach so, dass er diese Dinge weglächelt – das hat er in der Vergangenheit gemacht, und man kann davon ausgehen, dass die Opposition im Bundestag die Dinge auch nicht so stark aufgreift, sonst hätten wir heute schon längst einen anderen Verkehrsminister.

Dudenhöffer: Fahrverbote sind nicht grundsätzlich ausgehebelt

Münchenberg: Was heißt das denn jetzt trotzdem für die Debatte um Fahrverbote? Es gibt jetzt eben erst für Volvo für bestimmte Typen die Nachrüstungsmöglichkeit, bei BMW und Daimler soll es auch bald solche Nachrüstsätze geben, also könnte das insgesamt die ganze Debatte um Fahrverbote doch entschärfen.

Dudenhöffer: Es wird sicherlich dazu beitragen, dass man bei den Fahrverboten noch mal mit zusätzlichen Komplikationen rechnen muss, bei der Überprüfung von Fahrzeugen. Ich denke aber nicht, dass die Fahrverbote grundsätzlich deshalb ausgehebelt worden sind, aber es gibt eine gewisse Entlastung.

Münchenberg: Aber auf der anderen Seite ist es ja so, diese neu nachgerüsteten Fahrzeuge dürften ja jetzt 270 Mikrogramm NOx pro Kilometer ausstoßen, also dann quasi fallen sie nicht unter die Fahrverbote, aber an der schlechten Luft in den Innenstädten wird das ja kaum etwas ändern.

Dudenhöffer: Jetzt muss man schauen, in den letzten Jahren sind ja Luftverbesserungen langsam aufgetreten, man muss schauen, wie man da in die Zukunft geht. Es ist so, dass wir eine Verbesserung haben durch die Nachrüstungen. Es ist noch nicht die Idealsituation, aber besser als eine Situation, dass man in den Nebenstraßen meinetwegen dann mit der vollen Umweltbelastung unterwegs ist und stattdessen jetzt durch die Umweltzonen fahren kann mit einer vernünftigen Belastung. Ich gehe davon aus, dass sich das Thema Stück für Stück in den nächsten Jahren entkrampft.

"Eine Nachrüstung bringt entscheidend mehr als ein Software-Update"

Münchenberg: Herr Dudenhöffer, bringt denn eine Nachrüstung trotzdem mehr als ein Software-Update?

Dudenhöffer: Eine Nachrüstung bringt entscheidend mehr als ein Software-Update. Ein Software-Update war ja im Prinzip nur eine Maßnahme, die durch schnelle Änderungen leichte Verbesserungen gebracht hat – fünf bis zehn Prozent. Die Hardware-Nachrüstung ist immer die deutlich bessere Geschichte.

Münchenberg: Noch eine letzte Frage, Herr Dudenhöffer: Der Diesel hat ja erheblich auch an Popularität verloren. Könnte jetzt das sich vielleicht wieder ein bisschen ändern, oder ist letztlich das Zeitalter für den Diesel vorbei?

Dudenhöffer: Ich glaube, das wird punktuell vielleicht ein bisschen was ändern, auch in der Diskussion, dass der Diesel in der Zukunft teurer wird durch die Technik, die man braucht, damit er sauber ist, dadurch, dass jetzt die Elektroautos kommen, dadurch, dass der Diesel nur noch in Europa ist, bleibt der Diesel auf dem absterbenden Ast.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk