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StartseiteKommentare und Themen der WocheHalbherzige Lösung für Kunden und Umwelt29.07.2019

Diesel-NachrüstungenHalbherzige Lösung für Kunden und Umwelt

Die aktuelle Ausgestaltung der Hardware-Nachrüstung für Dieselautos sei kein großer Wurf, kommentiert Silke Hahne. Die Kunden blieben zum Teil immer noch auf hohen Summen sitzen - und die eigentlichen NOx-Grenzwerte würden immer noch überschritten. Besser als jede Nachrüstung: weniger Autoverkehr.

Von Silke Hahne

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Stuttgart: Ein Schild an einer Straße weist auf Fahrverbote für ältere Dieselfahrzeuge hin.  (picture alliance/Christoph Schmidt/dpa)
Die Lösung für den Abgasskandal liege nicht in Nachrüstungs-Sets - sondern in weniger Autoverkehr, kommentiert Silke Hahne (picture alliance/Christoph Schmidt/dpa)
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Stellen Sie sich vor, in unseren Städten herrschte bald schon bessere Luft. Stellen Sie sich vor, große Autobauer würden Verantwortung übernehmen: für Mensch und Natur, die sie zwangsläufig beeinflussen; aber auch dafür, dass ihre Kunden die Produkte bekommen, für die sie bezahlt haben.

Und jetzt verabschieden Sie sich von dieser Vorstellung, am besten ein für alle Mal. Denn auch die Freigabe für das erste handfeste Nachrüst-Set wird absolut nichts an der aktuellen Situation ändern: nicht an den teils gesundheitlich bedenklich hohen Konzentrationen von Stickstoffen in der Luft vieler Städte. Und auch nicht an der unsicheren Lage, in der sich Halter von Diesel-Autos mit Abgasnorm Euro 5 seit Jahren befinden.

Volvos dreiste Unternehmenspolitik

Volvo teilte heute mit: Das Unternehmen werde weder eine eigene Hardware-Nachrüstung für ältere Modelle anbieten noch sich finanziell an einer Nachrüst-Lösung eines Zulieferers beteiligen. Die Vertragspartner hätten aber Möglichkeiten, um Kunden von älteren Modellen den Wechsel auf ein aktuelles Fahrzeug zu erleichtern. Sprich: Wer ökologisch verblendet genug ist, kann die 3.000 bis 3.600 Euro für die jetzt zugelassene Umrüstung gefälligst selbst berappen. Volvo hilft aber gern, sofern es dem eigenen Umsatz dient. Dreist, aber eigentlich sowieso egal: Nur ein Prozent der Autos auf Deutschlands Straßen sind Volvos, wenn die Diesel darunter weiter die Luft verpesten, macht das den Kohl auch nicht mehr fett.

Widerwillige Kostenbeteilung bei BMW und Daimler 

Immerhin, demnächst soll es auch Nachrüstungen für Modelle von BMW und Daimler geben, die beide größere Flotten haben. Daimler will sich mit bis zu 3.000 Euro pro Kunde an den Kosten für Umrüstungen beteiligen. In Schwerpunktregionen, also in 15 Städten bundesweit. Kommen auch für Volkswagen Nachrüst-Sets, gilt das auch. Allerdings haben sich die Autobauer nur widerwillig darauf eingelassen. Insofern ist damit zu rechnen, dass auch sie ihre Kunden mit aller Macht versuchen werden von einem Neuwagen zu überzeugen. Dafür gibt es die weitaus höheren Prämien. 

Lösungsansatz wird weder dem Kunden noch der Umwelt gerecht

Laut den Vorgaben des Kraftfahrtbundesamtes muss eine Nachrüstung den NOx-Ausstoß eines Wagens übrigens auf 270 mg pro Kilometer reduzieren – was immer noch 50 Prozent über dem eigentlichen Grenzwert für Euro-5-Autos liegt. Der ganz große Wurf ist das nicht, was aber nicht die Hersteller dieser Sets zu verantworten haben, sondern das Bundesamt, das dem Verkehrsminister untersteht.

Genau wie jeder andere Lösungsansatz im Abgasskandal ist die aktuelle Ausgestaltung der Hardware-Nachrüstung also höchstens halbherzig. Sie wird den Kunden nicht gerecht, weil diese höchstens in manchen Städten die Garantie haben, nicht auf horrenden Summen sitzenzubleiben. Aber auch nicht der Umwelt und damit der Bevölkerung eben jener besonders belasteten Städte. 

Die Lösung für die liegt eh nicht allein in der Behebung des Abgasskandals. Stellen Sie sich vor, in unseren Städten herrschte in Zukunft weniger Autoverkehr. Vielleicht kommen wir mit dem Gedanken sehr viel weiter als mit Nachrüst-Sets.

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