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StartseiteVerbrauchertippApp statt Schlüssel hat nicht nur Vorteile07.05.2020

Digitale FahrradschlösserApp statt Schlüssel hat nicht nur Vorteile

Kein umständliches Schlüsselsuchen: Fahrradschlösser der neuesten Generation lassen sich ähnlich wie bei Leihrädern per Smartphone öffnen. Doch noch sind sie teuer - und möglicherweise auch nicht wirklich sicher, warnt der ADFC.

Von Detlev Karg

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Smartes Buegelschloss mit dazugehoeriger Smartphone-App  (picture alliance / dpa / Robert Guenther)
Ein smartes Bügelschloss lässt sich mit dem eigenen Smartphone über Bluetooth schlüssellos öffnen (picture alliance / dpa / Robert Guenther)
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Im Stadtrad-Fahrradladen in der Kölner Südstadt hängen unzählige Fahrradschlösser unterschiedlicher Sicherheitsklassen an einer Regalwand. Eines davon aus dem Programm eines namhaften Herstellers unterscheidet sich von allen anderen: Es kommt ohne Schlüssel aus, wie Mitarbeiter Christoph Alessio erklärt:

"Das lässt sich eben mit dem eigenen Smartphone über Bluetooth schlüssellos öffnen. Ich muss nicht mehr nach dem Schlüssel suchen und ich muss mich nur mit meinem Telefon meinem Schloss nähern und das entriegelt dann automatisch."

Derzeit noch hoher Preis

Voraussetzung ist die passende App des Herstellers, die per Code über die Bluetooth-Funktion das Schloss ansteuert und es ver- oder entriegelt. Das Ganze hat derzeit noch einen stolzen Preis: Für über 200 Euro, die dieses Schloss kostet, kauft so mancher Kunde im Baumarkt oder Discounter gleich ein ganzes Fahrrad. Sinn könne diese Innovation für bestimmte Nutzer dennoch machen, so Christoph Alessio:

"Wenn ich mir vorstelle, ich kaufe so ein Schloss für eine Firma, in der vier, fünf, sechs Leute mit dem Fahrrad fahren wollen, dann wäre das zum Beispiel eine Idee. Dann habe ich nicht sechs Schlüssel, sondern sechs Menschen, die auf dem Smartphone die entsprechende App haben, und die dann dem Schloss sagt: Geh jetzt auf."

Akku erforderlich - und Sicherheitsrisiko

Berechtigungen lassen sich über die App auch temporär an Andere vergeben. Ähnlich also wie bei Mietfahrrädern, die auf Zeit genutzt werden. Bewusst machen sollte man sich allerdings, dass damit erneut regelmäßig ein Akku geladen werden muss, denn das Schloss als solches muss natürlich elektrisch betriebsbereit sein. Und noch etwas gibt René Filippek vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub ADFC zu bedenken:

"Bislang scheint uns das Smartphone als Schlüsselersatz eher eine Frage des Komforts zu sein. Bei einer größeren Verbreitung würde sich dann auch die Frage nach der Sicherheit stellen, denn auch solche Funkverbindungen zwischen Smartphone und Schloss sind natürlich angreifbar und da wird sich sicher jemand finden, der das ausprobiert."

Anschließen trotzdem per Hand nötig

Hacking künftig also auch am Fahrrad? Klar ist jedenfalls, dass das Fahrrad mit immer mehr Technologie immer weniger das wird, was es für viele ist: ein simples Fortbewegungsmittel mit viel Autarkie. Denn, so ADFC-Experte Filippek:

"Zudem kennen wir noch kein Schloss, das ein Fahrrad an einen festen Gegenstand selbsttätig anschließt. Das ist aber extrem wichtig. Und darum muss man eh noch selber Hand anlegen. Ob da ein elektronischer Schlüssel ein echter Vorteil ist, muss jeder für sich selber entscheiden."

Zeitaufwand für Diebe hoch halten

Ein hochwertiges mechanisches Bügelschloss ist etwa für 80 Euro zu haben. Denn für den Schutz ist die Hauptsache, den Zeitaufwand für Diebe so hoch zu halten, dass sie abgeschreckt werden, so Fahrradhändler Christoph Alessio:

"Bei Dieben, die das professionell machen, ist es wichtig, dass es schnell geht. Wenn sie versuchen, gleich zwei drei Fahrräder mitzunehmen, müssen sie natürlich leise und schnell arbeiten. Und das ist abschreckend, wenn es mehr als drei Minuten dauert und dann nicht einmal klar ist, wann das Schloss aufgeht. Dann hilft das schon, dass der Dieb es nicht probiert."

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