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StartseiteTag für Tag"Dann brauchen wir hier den Menschen nicht mehr"21.06.2019

Digitalisierung"Dann brauchen wir hier den Menschen nicht mehr"

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, die ehemalige Bildungsministerin Annette Schavan und der Journalist Range Yogeshwar machten sich auf dem evangelischen Kirchentag Gedanken über die digitale Zukunft. An Warnungen fehlt es nicht, Optimistisches gab es jedoch auch.

Rainer Brandes im Gespräch mit Christiane Florin

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Große Hand mit Binärcode greift nach kleinem Mann. (Imago / Ikon Images)
Übernehmen Daten die Welt? (Imago / Ikon Images)

Auf den Plakaten des Kirchentages steigen Ballons gen Himmel, es sieht romantisch aus, ja nostalgisch. Das Programm aber ist der Zukunft zugewandt. "Zukunftsvertrauen in der digitalen Moderne" hieß eine Veranstaltung in der Westfalenhalle. Auf dem Podium: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, die ehemalige Bundesbildungsministerin Annette Schavan und der Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier steht vor einem Weihnachtsbaum im Schloss Bellevue (picture alliance / Michael Kappeler / dpa)Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (picture alliance / Michael Kappeler / dpa)

Steinmeier übernahm die Rolle des Warners und erzählte von einer seiner China-Reisen, genauer: vom Besuch in einer Firma, die Roboter herstellt: 

"Der junge Chef, mit dem wir dort zusammengetroffen sind, sagt dann so fast nebenbei einen Satz, der mir hängen geblieben ist: "Herr Präsident, wenn das alles hier funktioniert, dann brauchen wir hier den Menschen nicht mehr." – "Dann brauchen wir den Menschen nicht mehr." Das ist ein Satz, der mich auch lange nach der Reise nicht loslässt." 
 

Der Fernsehjournalist Ranga Yogeshwar gab dem Bundespräsidenten zwar in Teilen Recht, manches gehe zu weit, grundsätzlich aber stellte er fest:

"Ich glaube, wichtiger ist, dass wir die Chancen sehen. Denn für mich gilt Vertrauen, auch ein bisschen in das Vertrauen von uns Menschen, die auch in der Vergangenheit Technologien hatten, die an der einen  oder anderen Stelle gelbe oder rote Linien brauchen, aber alles in allem immer eine Verbesserung – und zwar global und nicht nur lokal – dargestellt haben.

Der Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar; Aufnahme vom Mai 2014 (picture-alliance / dpa)Der Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar; Aufnahme vom Mai 2014 (picture-alliance / dpa)

Seine eigene Biografie sei ein Beispiel für die Chancen dieser Technik. Er erzählte:

"Ich bin als kleines Kind in Indien zur Schule gegangen. Kommunikation war damals etwas schwer, wenn es darum ging zu wissen, was irgendwo in anderen Ländern vor sich geht. Das hat sich dramatisch geändert. Wir müssen uns mal klar machen, dass wir inzwischen das erste Mal weltweit eine Kommunikation haben, die symmetrisch ist. Das bedeutet, ein kleines Mädchen in Dortmund hat genauso viele Informationen im Internet wie ein kleiner Junge in Delhi. Das ist ein Novum."

Aber nicht nur die Digitalisierung von Unternehmen und Bildungseinrichtungen war ein Thema. Auch ein weiterer Aspekt wurde diskutiert: Die digitale Kommunikation und die Wirkung auf das Meinungsklima. Gerade nach der Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke richtet sich der Blick auf Hasskommentare im Netz. 

Wir müssen uns auch hier den Primat der Politik zurückerobern - dieses Ziel war Konsens auf dem Podium. Annette Schavan hat viel Applaus geerntet für diesen Aufruf:

"Wir haben es alle in unserem eigenen öffentlichen Leben erlebt, wie sich Zorn entwickeln kann, wie das, was das öffentliche Leben als Konsens erreicht hat, verloren geht, wie diejenigen im Namen des Volkes heute sprechen wollen, die letztlich keine Zukunftsidee haben, auch nicht haben wollen, wie Politik verkommt zu Deals, bei denen es nur darum geht, das jemand siegt und der andere verliert. Das ist ja nicht das Verständnis von Politik, wie wir es erlebt haben, und ich glaube, das ist das aktive Wirken jetzt wichtig."

Annette Schavan (CDU) (Laurence Chaperon)Annette Schavan (CDU) (Laurence Chaperon)

Politik könne erreichen, dass die Regeln, die im Offline-Zeitalter galten, auch im Online-Zeitalter gelten. Auch da gab es Konsens: Neue Regeln seien nicht nötig, nur eine Übersetzung der alten Regeln in digitale Welt.

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