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StartseiteComputer und KommunikationWarum die Dänen so gerne aufs Amt gehen24.11.2018

DigitalisierungWarum die Dänen so gerne aufs Amt gehen

Beim Kongress "Smart Country Convention" in Berlin haben Fachleute diese Woche gezeigt, wie effizient eine digitale Verwaltung arbeiten kann. Besser als Deutschland aufgestellt ist das Partnerland Dänemark. Es hat sich zum Digitalisierungsprimus gemausert.

Von Jan Rähm

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Das Rathaus von Kopenhagen wurde von 1892 bis 1905 erbaut. Undatierte Aufnahme. (picture alliance / dpa / Michael Mottlau)
Die Dänen haben in ihrem Rathaus wie hier in Kopenhagen im Bürgeramt keine Schlangen und keine Wartezeiten. Sie stellen Anträge mit Mausklicks. (picture alliance / dpa / Michael Mottlau)
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Die Dänen gelten immer wieder als das glücklichste Volk der Welt: Mehr Strand und Meer hat sonst kaum ein Land, dazu hyggelige Häuser und Smørebrød. Seit einigen Jahren macht aber noch etwas anderes die Dänen glücklich: Die Verwaltung des Landes ist in weiten Teilen digitalisiert, was das Land zum Primus auf der Fachkonferenz "Smart Country Convention" in Berlin macht.

Wofür man hierzulande Schlange stehen muss, sei in Dänemark meist nur einen Mausklick weit entfernt, erklärt der dänische Botschafter in Deutschland Friis Arne Petersen.

"Es gibt in Dänemark im Bürgeramt keine Schlangen, keine Wartezeit. Es ist so gut gemacht, dass man zu Hause seine Kinder für den Kindergarten einschreiben kann."

Nicht nur die Kindergartenanmeldung, den Großteil der Verwaltungsangelegenheiten von Passbestellung über Steuererklärung, Wohnsitz-Ummeldung, Schulangelegenheiten, Gewerbeanmeldung und noch vieles mehr erfolgt über einfach zugängliche Online-Portale.

"Es ist leicht Däne zu sein"

Dreh- und Angelpunkt der Aktivitäten ist die elektronische Identifikationsnummer "NemID", was übersetzt soviel wie "Einfache ID" bedeutet. Die NemID, die mittlerweile 85 Prozent der Dänen nutzen, ist darüberhinaus auch für anderes gut, erklärt Lars Frelle-Petersen, Chef des dänischen Industrieverbands.

"Zum Beispiel kann man mit seiner digitalen Signatur sich nicht nur bei der öffentlichen Verwaltungen identifizieren. Man kann es auch im Verhältnis zu einer Bank oder seine Versicherungsgesellschaft nutzen und es funktioniert ziemlich gut und die Dänen sind generell sehr sehr damit zufrieden und es spart Zeit und bedeutet eigentlich, es ist leicht Däne zu sein."

Kaum gedruckte Bescheide und Post vom Amt

Auch auf gedruckte Bescheide und Post allgemein wird in Dänemark zusehends verzichtet. Möglich macht es ein elektronisches Postfach, das der deutschen DE-Mail nicht unähnlich scheint, jedoch erstens von der Bevölkerung und den Unternehmen akzeptiert wurde und zweitens Ende-zu-Ende verschlüsselt ist, wie Ulrik Falkner Thagesen vom Unternehmen eBoks erklärt, dass den gleichnamigen Dienst nicht nur in Dänemark, sondern Ableger auch in Norwegen und Schweden betreibt.

"Bei unserer Lösung steht der Nutzer im Mittelpunkt. Er kontrolliert jeden Aspekt der Kommunikation. Wer darf mir etwas schicken? Wer bekommt meine Daten? Wir haben sozusagen den Datenschutz direkt mit eingebaut. Und das macht den Unterschied."

Warum Deutschland nicht mithalten kann

Dass Dänemark heute Vorreiter in der Digitalisierung der Verwaltung ist, und nicht nur Deutschland deutlichen Nachholbedarf hat, liegt auch an den Unterschieden zwischen den Ländern. Da wäre beispielsweise die Größe: Dänemark hat lediglich rund sechs Millionen Einwohner. Deutschland dagegen über 82 Millionen.

Auch die föderalen Strukturen Deutschlands machen es nicht einfach, sich auf Maßnahmen zu einigen. Möglicherweise sind es auch die Mentalitätsunterschiede in der Herangehensweise an Digitalisierungsprojekte. Botschafter Petersen erklärt:

"Wir haben keine großen Pläne oder große Visionen gehabt und dann das umgesetzt. Das war kein großartiger Plan wie in der Olsenbande. Es war schrittweise und Step by Step."

Großes Vertrauen in Datenspeicherung und -verarbeitung 

Von Kritikern der dänischen digitalisierten Verwaltung war auf dem Kongress in Berlin nichts zu hören. Alle Gesprächspartner erklärten, dass im Grunde mit der einfachen Handhabung der Systeme auch die Akzeptanz gestiegen sei. Statistiken zufolge vertrauen heute 80 Prozent der Dänen in Sachen Datenspeicherung und -verarbeitung den Systemen. Einblick könnten die Dänen überdies jederzeit nehmen. Jeder habe das Recht zu erfahren, welche Daten die Verwaltung über ihn gespeichert hat. Es wird betont: Transparenz sei der Schlüssel, auch um Entscheidungen der automatisierten Verwaltung, die bereits eingesetzt wird, nachvollziehen zu können. Außerdem wurde eine Data-Ethik-Kommission eingesetzt. Sie soll überwachen, welche Daten aktuell und künftig erhoben und verarbeitet werden. Die deutsche Politik beobachtet den nördlichen Nachbarn genau. So meint Staatssekretär im Innenministerium Klaus Vitt:

"Dänemark ist ein Vorreiter bezogen auf die Digitalisierung. Wir können von Dänemark eine Menge lernen, denn Dänemark hat sehr konsequent in den letzten zehn Jahren an der Digitalisierung gearbeitet."

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