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StartseiteInformationen am MorgenTheorie gut, Praxis mangelhaft20.02.2019

"Digitalpakt Schule"Theorie gut, Praxis mangelhaft

Möglicherweise steht eine Einigung im Streit um den "Digitalpakt Schule" an. Heute trifft sich der Vermittlungsausschuss in Berlin. Doch selbst wenn sich die Politiker einigen, sind damit nicht alle Probleme gelöst. Denn es geht um viel mehr als um neue Laptops und Tablets in den Klassenzimmern.

Von Karin Bensch

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Malen im Unterricht an einer digitalen interaktiven Tafel in Marktoberdorf, Deutschland am 08.03.2016 (imago / Action Pictures)
Jede Schule wird voraussichtlich rund 25.000 Euro aus dem Digitalpakt erhalten - auch für Ausrüstung wie eine digitale interaktive Tafel. (imago / Action Pictures)
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Im Englischunterricht übers Laptop mit den Schülern der Partnerstadt in Großbritannien chatten. Im Fach Biologie mithilfe einer App auf dem Tablet einen virtuellen Frosch sezieren. Oder im Geschichtsunterricht mithilfe einer Virtual-Reality-Brille Grabkammern im alten Ägypten erkunden. Technisch ist das alles schon jetzt möglich. Doch die meisten Schulen in Deutschland sind davon noch meilenweit entfernt.

Das liegt zum einen an der oft schlechten technischen Ausstattung. Hier soll der "Digitalpakt Schule" helfen. Schulen in Deutschland sollen in den kommenden fünf Jahren rund fünf Milliarden Euro für die Anschaffung von digitalen Geräten wie zum Beispiel Laptops und Tablets bekommen.

Warnung vor Überhöhung

"Man sollte diese fünf Milliarden nicht überhöhen. Das ist eine Anschubfinanzierung", sagt Susanne Lin-Klitzing, die Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes.

Jede Schule werde voraussichtlich rund 25.000 Euro aus dem Digitalpakt erhalten. Damit ist kein kontinuierlicher Schulunterricht mit digitaler Technik, keine sichere WLAN-Verbindung und keine Wartung der Geräte garantiert, kritisiert die Erziehungswissenschaftlerin. Eine große Sorge an vielen Schulen ist, dass sich am Ende Lehrer um die Wartung der Geräte kümmern müssen, weil es kein Geld für einen Wartungsvertrag mit einem Unternehmen gibt, und sich sonst niemand zuständig fühlt.

Digitaltechnik macht noch keinen besseren Unterricht

Der "Digitalpakt Schule" ist ein wichtiger Anfang, aber das Geld wird bei weitem nicht reichen, sagt auch OECD-Bildungsexperte Andreas Schleicher, der als Erfinder der Pisastudie bekannt ist.

"Die Investitionen werden dieses Betrag bei weitem übersteigen, denn die technologische Ausstattung der Schule ist ja nur der erste Schritt. Der zweite Schritt ist da im Grunde eine moderne Lernumgebung zu schaffen. Auch im Grunde die Lehrkräfte, die Schüler vorbereiten, mit diesen Technologie wirklich wirksam zu arbeiten."

Wirksames Arbeiten mit digitalen Geräten? Viele Lehrer sind dafür bislang gar nicht gut genug qualifiziert. Das liegt zum Beispiel daran, dass viele nicht mehr ohne weiteres für Fortbildungen freigestellt werden, denn an vielen Schulen fällt sowieso schon zu viel Unterricht aus. Lehrer müssen unbedingt für Fortbildungen freigestellt werden, damit sie fit gemacht werden für den Unterricht mit digitaler Technik, fordert der Deutsche Philologenverband.

Doch digitale Technik allein macht noch keinen besseren Unterricht. Schulen brauchen gute pädagogische Konzepte. Doch die gibt es bislang nur vereinzelt. Damit ein Lehrer aber digitale Technik im Unterricht nutzt - für sein Fach, für seine Altersstufe, für die Kompetenzen, die er fördern möchte - braucht er Vorgaben. Das gilt auch für die Konzepte, mit denen Schüler lernen sollen, Informationen aus dem Internet kritisch zu hinterfragen und sinnvoll einzuordnen.

Es wäre gut, wenn nicht alle das Rad neu erfinden müssten, sagt Marlis Tepe, die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Sie fordert, "dass, die Landesregierungen die Programme, die verwendet werden können, sichten, prüfen und bewerten. Damit nicht jede Schule jedes Programm erst einmal für sich sichten und bewerten muss."

Es reicht also bei weitem nicht aus, Laptops und Tablets zu kaufen und in die Klassenräume zu stellen. Die große Herausforderung kommt, wenn es darum geht, die digitalen Möglichkeiten sinnvoll im Unterricht umzusetzen.

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