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Diskriminierung in der Bundeswehr"Wer Angst hat, kann nicht sein Bestes geben"

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) spricht am 31.01.2017 in Berlin bei einem Bundeswehr-Workshop für sexuelle Minderheiten zu den Gästen. (picture alliance / dpa / Rainer Jensen)
Auf dem Workshop "Sexuelle Orientierung und Identität in der Bundeswehr" ging es um die Chancengerechtigkeit von sexuellen Minderheiten in der Bundeswehr. (picture alliance / dpa / Rainer Jensen)

Wieder ein Skandal wegen sexueller Nötigung, dazu Vorwürfe wegen Diskriminierung Homosexueller – die Bundeswehr steht in der Kritik. Bundesverteidigungsministerin von der Leyen (CDU) fordert nun mehr Respekt für Schwule, Lesben und Transsexuelle in der Truppe. Wer seine sexuelle Identität nicht offen zeigen könne, lebe in einem Gefühl der Angst.

Von der Leyen äußerte sich vor rund 200 hochrangigen Vertretern auf einem Workshop der Bundeswehr in Berlin zum Thema sexuelle Vielfalt. Es geschehe "immer noch zu häufig, dass Menschen mit einer anderen sexuellen Orientierung" in der Truppe dies verleugnen müssten oder unter besonderer Beobachtung stünden, sagte die Ministerin.

Diskriminierung in der Bundeswehr - ein "Randthema"?

Dies schade der Truppe, denn die Bundeswehr stehe im Wettbewerb um Talente und wenn diese Talente schwul, lesbisch, trans- oder heterosexuell seien, "sind sie uns willkommen". Doch "wer Angst hat, kann nicht sein Bestes geben", warnte von der Leyen. "Das können wir uns nicht leisten." Auch "die Reaktionen und manche Wortwahl" im Vorfeld der Tagung in Berlin hätten gezeigt, "dass es noch ein weiter Weg" sei, bis der Respekt für sexuelle Minderheiten selbstverständlich sei, mahnte die Ministerin.

Im Vorfeld der Tagung hatte es Kritik an von der Leyen gegeben, dass sie einem "Randthema" in der Bundeswehr zu viel Gewicht gebe. Lob für den Vorstoß gegen die Diskriminierung sexueller Minderheiten in der Truppe kam dagegen von der Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders. Es sei lange überfällig gewesen, "dass die Bundeswehr sich zu einem offenen und akzeptierenden Umgang mit dem Thema sexuelle Vielfalt bekennt". "Andere moderne Armeen haben das längst vorgemacht." Lüders betonte aber auch, dass "Tausende homo- und bisexuelle Männer und Frauen sowie Transpersonen selbstverständlich Teil der Truppe" seien.

Von der Leyen fordert transparenteren Umgang in der Truppe

Von der Leyen thematisierte auch die Vorgänge in einer Ausbildungskaserne im baden-württembergischen Pfullendorf, die vor einigen Tagen bekanntgeworden waren. Dort wird wegen herabwürdigender und sexuell erniedrigender Praktiken und Aufnahmerituale ermittelt. Von der Leyen sprach von "bestürzenden Zeichen für einen Mangel an Führung, Haltung und Kultur". Die Vorfälle hätten gezeigt, dass der Umgang miteinander in der Truppe "kein Randthema ist", so von der Leyen. "Es beginnt bei schäbigen Witzen, geht über herabwürdigende Bemerkungen bis hin zu widerwärtigem Verhalten."

Als Konsequenz forderte sie, mit Missständen in der Bundeswehr offener umzugehen. Es gebe zwar klare gesetzliche Grundlagen und Prinzipien der inneren Führung, aber Vorkommnisse wie in Pfullendorf zeigten, dass diese nicht immer gelebt würden. Die Ministerin ermunterte die Führungskräfte, hinzuschauen und Probleme offen anzusprechen. Wenn der Dienstweg versage und Vorgesetzte mauerten, müsse es einen direkten Draht zu einem Ombudsmann oder einer Ombudsfrau geben.

(tj/tzi)

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