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StartseiteCorsoMusik als Schutz vor der Panik27.01.2018

Django Django Musik als Schutz vor der Panik

Mit "Marble Skies" versuchen Django Django aus Großbritannien, eine Alternative zu schaffen zu den düsteren politischen Geschehnissen der Welt. Ihr Mix aus treibendem Beat- und Indiesound ist ein positiver musikalischer Kickstart ins Jahr 2018.

Von Amy Zayed

Django-Django-Sänger und -Gitarrist Vincent Neff beim Alive Festival in Portugal (DPA/ LUSA/ EPA/ JOSE SENA GOULAO)
Django-Django-Sänger und -Gitarrist Vincent Neff beim Alive Festival in Portugal (DPA/ LUSA/ EPA/ JOSE SENA GOULAO)
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"Unser erstes Album sollte die Leute erreichen. Deshalb wollten wir es so poppig wie möglich halten. Aber beim zweiten wollten wir irgendwas anders machen. Düsterer! Bloß haben wir uns dabei etwas verrannt, weil wir selber erst mal herausfinden mussten, was wir wollten, und wie wir es wollten."

Das Zweite Album beschreibt Vincent Neff als ziemlich stressig, aber eben auch lehrreich. Denn bei "Marble Skies" geht's definitiv poppiger zu. Eine Mischung aus verschiedenen Klanglandschaften. Manchmal sphärisch und getragen, dann wieder treibende Synths- und Elektro-Drum-Beats gepaart mit entweder wilden Melodien zum Mitsingen oder auch melancholisch-zartem, aber positivem Gesang wie bei "Surface To Air".

"Wir lieben Bands wie Massive Attack und Primal Scream, die es verstehen, die richtigen Kollaborationen bei den richtigen Songs zu machen. Bei "Surface To Air" hat Rebecca Taylor, die ehemalige Sängerin der Britischen Band Slow Club, gesungen. Wir wollten diesen zarten Gesang für diesen poppigen Sommersong."

Django Django (David Maclean, Vincent Neff, Jimmy Dixon, Tommy Grace) bei einem Konzert im Hamburger Knust (imago/ZweiKameraden)Django Django (David Maclean, Vincent Neff, Jimmy Dixon, Tommy Grace) bei einem Konzert im Hamburger Knust (imago/ZweiKameraden)

Aber es gibt eben auch noch die düsteren Elemente des zweiten Albums, die sich dann aber mit tanzbaren Beats mischen, und an einen Mix aus Primal Scream meets Underworld erinnern.

"Für mich sind unsere Alben eine Art Reise oder Mixtape. Ich will, dass die Leute sie auch genauso hören! Wie eine persönliche Reise! 'Beam me up' zum Beispiel beschreibt für mich einen Besuch in irgendeiner düsteren alten ehemaligen Fabrik in Dresden, die zu einem Club umgebaut wurde. Oder das ellenlange 'Real Gone'. Das beschreibt für mich die Gefühle einer Nacht in verschiedenen Clubs. Aber sie birgt auch Erinnerungen, diese Nacht. Ein bisschen hab ich dabei auch an Underworld's 'Born slippy' gedacht. Es beschreibt meine oder unsere persönliche Vertonung von der Flucht aus den kleinen Mini-Käffern, in denen ich und die anderen in der Band aufgewachsen sind."

Optimismus in düsteren Zeiten

Musik als Alternative zur Realität ist ein Konzept, dass Vincent Neff inspiriert. Für ihn bedeutet diese Art von Flucht eine Möglichkeit, die Welt in einem anderen Licht zu sehen.

"Ich komme aus der gleichen kleinen Stadt wie die Undertones. Nordirland in den 70ern war wohl einer der konfliktgeladensten Orte. Man hat im Radio nur schlimme Dinge gehört. Und da kommen die Undertones und singen über Schokolade und, dass der Sänger das Nachbarsmädel süß findet und mit ihr abhauen will. Ich habe sie immer dafür bewundert. Genau das war das Motto vieler irischer Punksongs in den 70ern. Es gab so viele politische Songs, dass die Leute die Schnauze voll hatten. Genauso geht's mir heute! Ich mach das Radio an, höre irgendwas über den Brexit, und mach das Radio wieder aus, weil es mir zum Hals raushängt! Und genau das will ich mit meinem Album ausdrücken! Natürlich will ich die Nachrichten nicht ignorieren, nur ein anderes Zeichen mit meiner Musik setzen."

Für Neff bedeutet die Musik nicht unbedingt Flucht aus der Realität, sondern Schutz vor der Panik.

"Man muss sein Gehirn, seine Psyche schützen. Das haben wir Menschen schon immer getan. In den 20ern, als 'Der große Gatsby' geschrieben wurde, nach einem ermüdenden schlimmen Ersten Weltkrieg, im Großbritannien der 80er, als Thatcher den meisten Menschen das Gefühl gab, sie hätten keine Zukunft - man hat dann immer optimistische und positive Musik geschrieben, die Mode war bunt. Einfach weil man etwas dagegensteuern wollte."

Ob Flucht oder nicht, die Klangreise durch "Marble skies" lohnt sich. Nicht nur wegen der Vielseitigkeit der Musikrichtungen, sondern vor allem, weil das Album heraussticht aus dem Einheitsbrei des Indie und Pop. Es ist eine Hommage an das Leben, und definitiv ein Album, was 2018 schon mal den richtigen positiven Kickstart gibt.

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