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StartseiteSportgespräch"Wir mussten komplett aufräumen"21.07.2019

Dlf-Sportgespräch mit Marcell Jansen"Wir mussten komplett aufräumen"

Marcell Jansen blickt vor Auftakt der neuen Zweitligasaison kritisch auf die jüngste Vergangenheit des Hamburger SV. Finanziell sei der HSV stark angeschlagen gewesen, sagte der aktuelle HSV-Präsident im Dlf. So habe man in der Vergangenheit Spielerverträge ausgehandelt, die "grenzwertig waren", sagte er.

Marcell Jansen im Gespräch mit Matthias Friebe

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Marcell Jansen, neu gewählter Präsident vom Hamburger Sportverein e.V. spricht während der Mitgliederversammlung. (picture alliance / dpa / Axel Heimken)
Die Raute fest im Blick - seit Januar 2019 ist Ex-Profi Marcell Jansen Präsident des Hamburger SV e.V. (picture alliance / dpa / Axel Heimken)
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Hamburger SV im Abstiegskampf Angst vor dem finanziellen Absturz

2018 war der Hamburger SV, Gründungsmitglied der Bundesliga 1963 und bis dato ununterbrochen Dauergast im Fußball-Oberhaus, in die Zweite Liga abgestiegen. Nachdem man zum Ende der Hinrunde der 2. Liga im Dezember 2018 Tabellenführer gewesen war, schien der Wiederaufstieg in die höchste Spielklasse nur noch Formsache zu sein. Doch in der Rückrunde folgte der beispielhafte Absturz. Der HSV holte nur noch 19 Zähler, avancierte zum viertschlechtesten Team in der Rückrunde und verspielte die sicher geglaubte Rückkehr in die Bundesliga. 

Man sei tief in die Ursachenforschung gegangen, warum der sicher avisierte Wiederaufstieg verpasst worden sei, sagte Marcell Jansen, seit Januar 2019 Präsident des Hamburger Sport-Vereins, im Deutschlandfunk. Der Niedergang der Hanseaten habe sich allerdings schon in den letzten sieben, acht Jahren abgezeichnet, erläuterte er. Mehrmals seit 2014 war man dem Abstieg aus der Bundesliga nur denkbar knapp entkommen.  

"Da ist ganz, ganz viel Geld draufgegangen"

"Wir mussten komplett aufräumen", sagte Jansen im Dlf. "Wir mussten alles stabilisieren, um überhaupt mal wieder handlungsfähig zu sein." Vor allem finanziell sei der HSV in schwieriges Fahrwasser geraten. So habe man in der Vergangenheit Spielerverträge ausgehandelt, die "grenzwertig waren", sagte Jansen. Man habe zu hohe Gehälter gezahlt, diese seien aber nicht durch Leistung der Spieler auf dem Platz zurückgezahlt worden. "Da ist ganz, ganz viel Geld draufgegangen."

Bezogen auf die sportliche Talfahrt der Mannschaft, sagte der 33-Jährige, dass die Laufwerte der einzelnen Spieler in der Rückrunde deutlich schlechter, als noch in der Hinrunde gewesen waren. Zudem hätten viele auslaufende Verträge die Profis beschäftigt. Führungsspieler seien kein Halt für die Mannschaft gewesen, weil sie verletzt oder zu sehr mit ihrer eigenen Leistung zu kämpfen hatten. "Es war ein sehr instabiles Gebilde", sagte Jansen. "Die 2. Liga muss man respektieren und annehmen und das haben wir in der Rückrunde so nicht getan."

Fans von Hamburg sitzen nach Spielende traurig auf der halbleeren Tribüne. Der Hamburger SV steigt erstmals in seiner Vereinsgeschichte aus der Fußball-Bundesliga ab.  (picture alliance / dpa / Daniel Bockwoldt)"Die Stunde Null" - Am 12. Mai 2018 stieg der Hamburger SV erstmals aus seiner Vereinsgeschichte aus der Bundesliga ab. (picture alliance / dpa / Daniel Bockwoldt)

"Ich bin Romantiker"

Jetzt habe man vor allem die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des Vereins verändert. So habe man die bestehende Darlehensvereinbarungen mit Unternehmer und Mäzen Klaus-Michael Kühne angepasst und eine Fan-Anleihe aufgesetzt, sagte Jansen. Er sei jemand, der die Herausforderung und die direkten Duelle liebe, sagte Jansen. Deswegen scheue er auch die schwierige Aufgabe bei den Norddeutschen nicht. Jansen ist ehrenamtlich tätig und bekommt für sein Amt als Präsident kein Gehalt. 

Jansen widersprach im Deutschlandfunk auch der Annahme, dass im modernen Fußball nur das Geld der entscheidende Faktor sei. Die jüngsten Bundesliga-Aufstiege vom SC Paderborn und Union Berlin und auch der Gewinn der englischen Premier League von Leicester City 2016 seinen lebendige Beispiele, das für sportlichen Erfolg mehr als nur das Geld zähle. Wichtig seien hierfür auch der Geist in einer Mannschaft, der Zusammenhalt und die Teamarbeit. 

Marcell Jansen beim Länderspiel gegen Tschechien am 17.10.2007 im Trikot der deutschen Nationalmannschaft. (dpa / picture alliance / Bernd Weißbrod)Während seiner Zeit als aktiver Fußballer bestritt Marcell Jansen 45 Länderspiele. (dpa / picture alliance / Bernd Weißbrod)

"Ich bin Romantiker", sagte Jansen. "Wir haben Verantwortung gegenüber unseren Fans." Für diese Menschen mache man das Tagesgeschäft. Man dürfe nicht nur das Negative sehen, sagte Jansen und das Geld kritisieren, man müsse versuchen einen gesunden Mittelweg zu finden.

Am 6. Februar 2018 war Jansen von der Hauptversammlung der HSV Fußball AG in den Aufsichtsrat gewählt. Am 19. Januar 2019 wurde er zum Präsidenten des Hamburger SV e.V. gewählt. Zuvor war der ehemalige Nationalspieler von 2008 bis 2015 für den HSV in der Bundesliga aufgelaufen. 

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