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StartseiteSportgespräch"FIFA verschließt Augen vor russischen Regelverstößen"25.06.2017

DLF-Sportgespräch mit Wladimir Leonchenko "FIFA verschließt Augen vor russischen Regelverstößen"

Der Chef der russischen Fußballgewerkschaft wirft der FIFA Nachlässigkeit im Umgang mit Regelverstößen im russischen Fußballverband vor. Die FIFA wende ihre eigenen Regeln nicht konsequent an, in denen klar beschrieben werde, "was ein Interessenskonflikt ist und wann eine Einmischung des Staates vorliegt", sagte Wladimir Leonchenko im DLF.

Wladimir Leonchenko im Gespräch mit Olga Sviridenko

Der russische Fußball-Gewerkschafter Wladimir Leonchenko. (privat)
Der russische Fußball-Gewerkschafter Wladimir Leonchenko. (privat)
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Die FIFA-Statuten verbieten eine Einmischung nationaler Regierungsbelange in die Angelegenheiten des Weltverbandes. Im Bezug auf Russland scheint das nach Ansicht von Wladimir Leonchenko aber nur bedingt zu gelten.

Am deutlichsten werde diese Inkonsequenz am Umgang des Weltverbandes mit Witali Mutko - zugleich russischer Politiker als auch Fußballfunktionär, der von 2009 bis Frühjahr 2017 in den höchsten FIFA-Gremien saß: "Als er bereits Sportminister war, wurde er trotzdem in den FIFA-Rat gewählt", kritisierte der Vorsitzende der russischen Spieler- und Trainergewerkschaft im DLF-Sportgespräch, "und der damalige FIFA-Präsident, Blatter, hat gesagt: 'Das ist überhaupt keine Einmischung, das ist im Gegenteil gut für den Fußball, dass der Sportminister sich jetzt so ausführlich mit dem Fußball beschäftigen kann.'" 

"Jeder Jurist würde Ihnen sagen, dass das ein Verstoß ist"

Bei der Neuvergabe von vier europäischen Posten im FIFA-Council, dem früheren FIFA-Exekutivkomitee, im April 2017 ließen Kontrolleure des Weltverbandes Mutko nicht mehr zu. Für Gewerkschaftschef Wladimir Leonchenko ist das aber nicht ausreichend. Schließlich sei Mutko immer noch gleichzeitig Vize-Premierminister und Chef des russischen Fußballverbandes: "Wir hören nichts mehr von weiteren Schritten - im Gegenteil", ärgert sich Leonchenko.

Stattdessen würde der neue FIFA-Präsident Gianni Infantino nach Russland kommen und mit Witali Mutko Vorbereitungen für die Weltmeisterschaft treffen: "Jeder Jurist, der sich die FIFA-Regeln anschaut, würde Ihnen sagen, dass das ein Verstoß ist. Aber die FIFA spricht heute nicht davon", sagte Leonchenko im DLF. "Es ist eben vor allem ein Problem der FIFA und ihrer Führung."

Die Journalistin und Autorin Olga Sviridenko am Mikrofon.  (Matthias Friebe / Deutschlandradio)Die Journalistin und Autorin Olga Sviridenko hat Wladimir Leonchenko für das DLF-Sportgespräch interviewt. (Matthias Friebe / Deutschlandradio)

Verbände nur scheinbar unabhängig

In Russland habe Mutkos Sportministerium zu viel Einfluss auf die eigentlich unabhängigen Verbände. "Wenn wir über Schlüsselmomente wie Wahlen von Kommissionen und Komitees sprechen, dann ist es so, dass wir keine Entscheidung ohne das Sportministerium treffen können", so Leonchenko. "Die Teilnahme von anderen Kandidaten bei einer Wahl ist im Voraus zum Scheitern verurteilt."

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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