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StartseiteForschung aktuellForensische Jagd auf illegale Elfenbeinhändler20.09.2018

DNA-Analyse Forensische Jagd auf illegale Elfenbeinhändler

Der illegale Elfenbein-Handel boomt: Zehntausende Elefanten werden jedes Jahr abgeschlachtet, um an die wertvollen Stoßzähne zu gelangen. US-Forscher haben jetzt eine Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie Informationen über die Handelswege und Organisation der Elfenbeinschmuggler gewinnen können.

Von Lucian Haas

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Thailändische Fahnder präsentieren in Bangkok konfiszierte Stoßzähne von afrikanischen Elefanten. (picture alliance / dpa / Rungroj Yongrit)
Durch genetische Analysen der Herkunft der illegalen Stoßzähne auf der Spur (picture alliance / dpa / Rungroj Yongrit)
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Elfenbein ist weltweit noch immer ein Milliardengeschäft, auch wenn die Stoßzähne der Elefanten größtenteils illegal gehandelt werden. Damit verbunden ist eine starke Wilderei in Afrika. Sam Wasser, Leiter des Zentrums für Naturschutzbiologie an der University of Washington in Seattle.

"Derzeit schätzen wir, dass jedes Jahr rund 40.000 Elefanten gewildert werden. Dabei gibt es nur noch 400.000 dieser Tiere in Afrika. Wir brauchen also dringend etwas, mit dem wir den Elfenbeinhandel stoppen können."

Sam Wasser setzt auf Genanalysen im Kampf gegen das organisierte Verbrechen rund um den Elfenbeinhandel. Er hat ein Verfahren entwickelt, um die Erbsubstanz DNA aus beschlagnahmten Stoßzähnen zu analysieren. Dann vergleicht er sie mit Gendatenbanken von DNA-Proben aus allen möglichen Herkunftsregionen von Elefanten in Afrika. So lässt sich ermitteln, wo der zu einem Stoßzahn zugehörige Elefant gelebt haben muss.

Stoßzähne aus dem gleichen Hafen verschickt

Vor drei Jahren hatte Sam Wasser eine Studie dazu vorgestellt, in der er auf diese Weise bereits zeigen konnte: Die Wilderei der Elefanten in Afrika konzentriert sich auf wenige Hotspots, darunter Tansania und Gabun.

Mittlerweile ist es ihm gelungen, mit Hilfe der DNA-Analysen als forensische Methode auch Informationen über die Handelswege und Organisation der Elfenbeinschmuggler zu gewinnen. Immer wieder werden ganze Container voll mit Elfenbein beschlagnahmt. Sam Wasser untersuchte jeweils Hunderte Stoßzähne aus 38 solcher Beschlagnahmungen - die meisten aus den Jahren 2011 bis 2014, in denen die Wilderei besonders blühte.

"Wir haben festgestellt, dass bei mehr als der Hälfte der Stoßzähne in einer Beschlagnahmung der zugehörige zweite Stoßzahn des Tieres fehlte. Wir haben dann geschaut, ob wir die passende DNA in einer anderen Beschlagnahmung aufspüren können. Für eine große Zahl von Stoßzähnen traf das auch zu. Und in allen Fällen zeigte sich: Die zueinander passenden Stoßzähne waren jeweils aus dem gleichen Hafen und in geringem zeitlichen Abstand verschickt worden. Zudem gab es in jeder Ladung allgemein eine große Übereinstimmung im genetisch ermittelten Ursprung der Stoßzähne. Diese drei Punkte deuten darauf hin, dass immer das gleiche, große Schmugglerkartell dahinter stehen muss."

Drei große Kartelle auf afrikanischem Kontinent

Sam Wasser arbeitet mit international tätigen forensischen Experten für illegalen Wildtierhandel der US-Behörde Homeland Security zusammen. Die DNA-Spuren liefern ihnen wichtige Indizien dafür, wie einzelne, beschlagnahmte Elfenbeinlieferungen miteinander zusammenhängen. Den neuen Erkenntnissen nach gibt es in Afrika offenbar drei große illegale Elfenbein-Handelskartelle. Zwei operieren von Ostafrika aus, und zwar aus Mombasa in Kenia und Entebbe in Uganda. Das dritte hat seinen Sitz in Lomé im westafrikanischen Togo. Möglicherweise gibt es auch zwischen diesen Kartellen noch Verbindungen. Und auch hier könnten DNA-Spuren zur Aufklärung beitragen. John Brown, Sonderermittler der Homeland Security:

"Der Einsatz der DNA-Analysen hat nicht nur die Tür geöffnet für eine Zusammenarbeit der Ermittler in verschiedenen Ländern. Wir führen jetzt multinationale Aktionen durch zur Bekämpfung der transnationalen kriminellen Organisationen. Die Ermittlungen erstrecken sich auf viele Bereiche, von der DNA-Analyse über die Finanzen bis hin zu den aktuellen Standorten der Schmugglerzellen in Afrika und Südostasien. Und das sehr erfolgreich."

Die DNA-Analysen lieferten dabei besonders wichtige Beweise, um den Elfenbeinschmugglern das Handwerk zu legen, so John Brown. Denn damit lassen sich verschiedene Beschlagnahmungen auf einzelne Verbrecher-Organisationen zurückführen. So könnte es in Zukunft leichter sein, die Verantwortlichen in den Schmugglerkartellen vor Gericht zu bringen und für all diese Fälle haftbar zu machen.

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