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StartseiteKultur heuteDie Journalistin Ronja von Rönne lehnt Springer-Preis ab03.05.2016

Doch kein Ekel-Feminismus?Die Journalistin Ronja von Rönne lehnt Springer-Preis ab

Im vergangenen Jahr ließ die Autorin Ronja von Rönne in einem viel diskutierten Artikel wissen, warum sie "der Feminismus anekelt". Dafür sollte sie gestern Abend mit dem Axel-Springer-Preis geehrt werden. Das aber lehnte sie ab: Ihr Plan sei es nie gewesen, "die Galionsfigur des Antifeminismus zu werden", sagte von Rönne - und verzichtete dankend auf den Preis. Anmerkungen von Arno Orzessek.

Von Arno Orzessek

Die Autorin Ronja von Rönne zu Gast im Studio von Deutschlandradio Kultur. (Deutschlandradio - Andreas Buron)
Die Autorin Ronja von Rönne zu Gast im Studio von Deutschlandradio Kultur. (Deutschlandradio - Andreas Buron)

Ihr Name - sehr apart; ihr Alter - ziemlich jung; ihre Gestalt - erkennbar weiblich; ihre Kleidung - neo-kon­ser­vativ; ihr Mund - ein Schmollmund; ihr Mundwerk - groß genug ...

Keine Frage, Ronja von Rönne vereinigt viele Attribute, die einer "Galionsfigur des Anti-Feminis­mus" ausgezeichnet stehen würden. 

Aber genau diese Figur will sie nicht sein und hat deshalb den Axel-Springer-Preis für Nachwuchsjournalisten abgelehnt - was man boshafterweise als astreine feministische Aktion deuten könnte. 

Denn was ist eine Galionsfigur? Ursprünglich nichts anderes als ein netter, oft bar- und großbusiger Schmuck am Bug von Schiffen, auf dem Männer das Kom­mando führen. Ob von Rönne auf diesen Wort-Hintergrund angespielt hat, ist zweifelhaft ... Denk­bar wäre es immerhin. Denn ihr anti-feministisches Pamphlet erhielt von vielen Männern lau­ten Beifall, nicht zu­letzt aus der rechten Ecke - ohne dass sie darauf erpicht gewesen wäre.

Fest steht, dass von Rönne mit der Ablehnung des Preises genau das exekutiert, was sie vor Jah­res­frist in ihrem Artikel verkündet hat: "Mir ist mein Glück wich­tig." Sofern sich ihr Glück als aufstrebende Autorin in Aufmerksamkeit berechnen lässt, dürfte sie durch die Ablehnung des unbedeutenden Preises glücklicher werden als durch des­sen An­nahme. Doch das ist banal. Symptomatischer und bedeutender ist die ge­sell­schafts­ver­ges­sene Per­spek­tive der jungen Autorin. 

Ja, es stimmt. Der "Essay", zu dem die Preis-Jury ihr wildes Pamphlet hochgejazzt hat, war in erster Linie eine hinge­bungs­vol­le Attacke auf jede zeitgenössische Regung des Feminismus - von "Em­ma" über Birkenstock bis zur Gleichstellungsbeauftragten. Laut von Rönne ist das Werk übrigens binnen 30 Minuten entstanden - was erklären mag, dass es im Pauschalen, Ungefähren und Sug­ges­tiven schwelgt. Offenbar hat gerade das Unausgegorene die Jury begeistert. 

Bei erneuter Lektüre wird indessen klar: Von Rönnes Anti-Feminismus ist nur eine Spielart ihrer ge­nerellen Aversion gegen überkommene Werte wie Solidarität und Mitverantwortung. Das positive Zent­rum des Textes ist die kompromisslose Karrierefrau ... Und folgerichtig lautet von Rönnes Credo, wie aus dem Handbuch für junge Neoliberale: "Wir le­ben in einem Land, in dem der Einzelne für sich kämpft. Aufrechte Haltung hilft. Gendern nicht."

In dem sie den Springer Preis ablehnt, zeigt die Ego-Publizistin ihre Haltung - die al­ler­dings nicht aufrecht ist, sondern weggeduckt ...  Andernfalls würde sie für ihren An­ti-Feminismus gerade ste­hen.  

Bliebe die Frage, warum von Ronnes erster Roman "Wir kommen" und nicht 'Ich komme' heißt. 

Ohne Wei­teres einleuchtend ist dagegen, dass die Kritik "Schmollmundfatalismus" monierte.

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