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StartseiteKultur heuteAuf der Suche nach der verlorenen Wahrheit01.11.2019

DOK LeipzigAuf der Suche nach der verlorenen Wahrheit

Das Leipziger Dokumentarfilm-Festival beeindruckt schon allein durch die schiere Masse an Filmen - 161 konkurrieren im Wettbewerb, insgesamt werden über 300 Produktionen aus aller Welt gezeigt. Von besonderer Qualität sei der Eröffnungsfilm "Forum", meint unser Kritiker.

Rüdiger Suchsland im Gespräch mit Michael Köhler

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Im Kinosaal bei der Eröffnung des 62. Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm, 2019 (DOK Leipzig 2019 / Susann Jehnichen)
Bei der Eröffnung des 62. Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm (DOK Leipzig 2019 / Susann Jehnichen)
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Regisseur Markus Vetter blicke, ganz wörtlich gesprochen, hinter die Türen des Weltwirtschaftsforums in Davos und stelle mit seinem Film, zugespitzt, die Frage nach dem Nutzen einer solchen Veranstaltung. Damit gehöre der Film zur besseren Hälfte des Festivals, zu jenen Filmen, "die gewissermaßen ein Netzwerk zeigen, die Beziehungen zeigen. Die sich nicht zu sehr auf eine Person konzentrieren", berichtet Rüdiger Suchsland. Vetter stelle sich der Tendenz zum Individualistischen im Dokumentarfilm entgegen.

Regisseure zwischen Parteinahme und Objektivität

Das zweitägige Symposium "Wem gehört die Wahrheit" beschäftigte sich mit dem Spannungsfeld von Meinung und Haltung von Dokumentarfilmern und kreist um die Frage, was ein Dokumentarfilm eigentlich sei, so Suchsland. Beispiel dafür war der Film "Der schwarze Kasten" von Tamara Trampe, in dem sie vor laufender Kamera Gespräche mit einem Offizier und Dozenten für "Operative Psychologie" an der Hochschule des MfS führt. Der Film, der kurz nach der Wende entstand, werde nach und nach zu einer Anklage, zu einem Streitgespräch zwischen der Regisseurin und ihrem Objekt. "Das ist sehr interessant, weil die Regisseurin ihre Position ganz klar macht. Sie sagt, dass sie natürlich einen parteiischen Film macht. Jeder Film ist inszeniert, zeigt also die subjektive Sicht eines Regisseurs, ist also in diesem Sinne nie objektiv. Auf der anderen Seite hat der Dokumentarfilm natürlich den Zuschauervertrag, so etwas wie Wahrheit, großes Wort, abzubilden."

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