Sonntag, 01.11.2020
 
Seit 00:05 Uhr Lange Nacht
StartseiteCorsoErschreckend aktuell13.10.2020

Doku "Ku-Klux-Klan - eine amerikanische Geschichte"Erschreckend aktuell

Vor mehr als 150 Jahren haben sich weiße Männer in den USA im Ku-Klux-Klan zusammengetan. Ihr Ziel: die befreiten schwarzen Sklaven einzuschüchtern. Bis heute prägen die rassistischen Gedanken und Morde der Vereinigung die amerikanische Gesellschaft, wie eine Arte-Dokumentation zeigt.

Von Achim Hahn

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Vier Männer in weißen Kutten mit spitzzulaufenden Hüten stehen vor einer alten Propellermaschine. Das Bild ist schwarz-weiß. (ARTE France / Library of Congress/ Prints & Photographs Division)
Der Ku-Klux-Klan gilt als die älteste terroristische Organisation der USA (ARTE France / Library of Congress/ Prints & Photographs Division)
Mehr zum Thema

Kampf um Chancengleichheit in den USA Rassistische Gewalt, Widerstand und Hoffnung

Tucker Carlson Vorwürfe gegen Fox-News-Star

Film der Woche "BlacKkKlansman" Ein schwarzer Cop infiltriert den Ku-Klux-Klan

Kapuzenmänner Der Ku-Klux-Klan in Deutschland

150 Jahre Ku-Klux-Klan Das rassistische Erbe lebt

Brennende Kreuze, Fackeln, Rassisten in Kapuzengewändern: "Der Ku-Klux-Klan ist die älteste terroristische Vereinigung der USA" - "For 5.000 years the white men has been the supreme race", heißt es in der Dokumentation.

Beseelt von dem einem Gedanken: white power. Die Weißen als Herrenrasse. "Dieser Geheimbund, der die Vorherrschaft der Weißen und den Hass auf die Schwarzen predigt, hat unterschiedliche Zeiten erlebt und ist immer wieder aus der Asche auferstanden."

Seit 150 Jahren hinterlassen die Verbrechen des Ku-Klux-Klan eine blutige Spur. Die zweiteilige Arte- Dokumentation zeichnet akribisch die wechselvolle Geschichte dieses rassistischen Geheimbundes nach. Zahlreiche Originaldokumente, Fotos, Doku-Filmsequenzen zeigen ein erschreckendes Bild der hässlichen Seite von God owns country. The land of the free, das unter Trump wieder zur rassistischen Größe zurück will, die nicht zuletzt durch das Schicksal von Menschen wie George Floyd weltweit sehr präsent wurde.

Die Anfänge des Ku-Klux-Klan

Dabei begann alles im Jahr 1865 im Süden der USA fast wie eine harmlose Veteranen-Saufkumpanenschaft. Sie wollten die gerade befreiten schwarzen Sklaven durch aufwendige, geisterhafte Maskeraden einschüchtern und "sie geben ihrem Bund einen geheimnisvollen Namen: Ku-Klux-Klan. - Es heißt, der Name sei dem Geräusch beim Spannen eines Gewehrhahns nachempfunden."

Heute wird die Zahl der aktiven Mitglieder des Ku-Klux-Klans auf fast 6.000 geschätzt. Kein Vergleich zu den politisch mächtigen Hochzeiten des Klans und seines sogenannten "unsichtbaren Reichs" vor allem in den 20er-, 50er- oder 60er-Jahren. Aber nicht minder gefährlich. Lynchmorde an schwarzen Menschen oder auch Bürgerrechtlern wurden gang und gäbe mit dem Ziel, "die gesamte Bevölkerung einzuschüchtern. So funktioniert Terrorismus, und es ist weitgehend gelungen." Denn oft wurden die öffentlich ausgestellten Greueltaten von der Justiz nicht geahndet.

Glorifizierung im Kino

"Das war ein kultureller Prozess. Das war ein Schauspiel, ein sehr makaberes Schauspiel und der Versuch, das Gesetz in die Hände von Bürgerwehren zu legen."

Und dieser Prozess wurde schon früh popkulturell beflügelt, etwa durch den ersten Blockbuster der Kinogeschichte: David W. Griffith’ monumentaler Stummfilm "Birth Of A Nation" aus dem Jahre 1915. Der faszinierte die Kinobesucher nicht nur wegen seiner völlig neuartigen Filmästhetik, sondern er transportierte auch eine ausgesprochen rassistische Weltsicht.

"Die Klansmänner werden nicht als Kriminelle, sondern als Verfechter der Gerechtigkeit dargestellt."

Bewusst setzte der Klan aber auch selbst eigene Filme ein, produzierte Musik, die er über die eigenen Radiosender verbreitete. Immer wieder wurde er in Filmen - von Komiker Harold Lloyd bis zum Auftritt in einem der ersten Disney-Streifen - thematisiert. Manchmal auch klan-kritisch bekämpft von Superman: "In einer Radiosendung kämpft er gegen eine kriminelle Organisation, die dem Ku-Klux-Klan zum Verwechseln ähnlich ist: ihr Name - der Klan des Feuerkreuzes."

Doku gibt umfassenden Einblick

Historikerinnen und Historiker, spezialisierte Autoren, ein ehemaliges Klan-Mitglied und Zeitzeugen des gegenwärtigen Rassismus in den USA ergänzen die sehr informative und kleinteilig produzierte Doku, die nicht auf Effektheischerei aus ist, aber durch erschreckende Bilddokumentation gefolterter oder gelynchter Menschen eindringlich zeigt, wie schnell Menschenverachtung und Herrenmenschen-Ideologie in pure Gewalt umschlagen können und sich auch institutionell verfestigen.

"Die Mitglieder des KKK wussten, wie sie einen Menschen auspeitschen und an welchen Ast sie ihn hängen mussten, um eine bestimmte Wirkung zu erzielen."

Die Doku spannt einen großen Bogen, bleibt chronologisch und zeigt vor allem im zweiten Teil, wie Justiz und Polizei in die terroristischen Aktivitäten billigend oder auch aktiv verstrickt war. Zwar gab es auch immer wieder Verbote, - doch je nach politischer Lage lebte der Klan wieder auf. Auch als sich die schwarzen Bevölkerung in den 60er-Jahren gegen die Rassentrennung wehrte.

Bezüge zur aktuellen Politik

Zeitweise zählte der Klan vier Millionen Mitglieder, er hatte Verbindungen zu den Nazis und verbündet sich auch aktuell wieder mit neonazistischen Gruppierungen in den USA. Die sich - so Trump’s unverholene Aufforderung - wofür auch immer ‘bereit machen’ sollen für die Zeit nach der Wahl in den USA. - Eine erschreckend aktuelle Dokumentation über nahezu 150 Jahre US-amerikanischer Geschichte. Sehenswert.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk