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StartseiteCorsoDie dunkle Seite des Paradieses05.04.2019

Dokumentarfilm "Dark Eden"Die dunkle Seite des Paradieses

Riesige Bagger pflügen durchs Erdreich, Gift schwimmt auf dem Wasser - das kanadische Fort McMurray gleicht einer Mondlandschaft. "Als ich das erste Mal an diesen Ort gekommen bin, wusste ich nicht, ob ich mich auf dem Planeten Erde befinde", sagte im Dlf Jasmin Herold, Regisseurin der Doku "Dark Eden".

Jasmin Herold im Corsogepräch mit Susanne Luerweg

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Feuer in Fort McMurray, in der kanadischen Provinz Alberta im Mai 2016 (dpa / picture-alliance / Jerome Garot)
Feuer in Fort McMurray, in der kanadischen Provinz Alberta im Mai 2016 (dpa / picture-alliance / Jerome Garot)
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Blaue Seen, dichte, grüne Wälder, Lachse, Bären, Rehe - so sieht das Kanada aus, dass in Tourismusanzeigen abgedruckt wird. Es gleicht einem Garten Eden. Die Dokumentarfilmerin Jasmin Herold zeigt in ihrem Film "Dark Eden" die dunkle Seite des vermeintlichen Paradieses. Sie hat mehr als zwei Jahre in Fort McMurray gelebt und gedreht. Dort werden so genannte Ölsande abgebaut. Die ganze Stadt lebt von den Ölfirmen. Menschen aus aller Welt kommen in den Ort. Herolds Protagonist*innen stammen ebenfalls aus aller Herren Länder. Sie erzäht in ihrem Film unter anderem die Geschichten eines ugandischen Putzmanns, eines indigenen Arbeiters und des deutschen Mechanikers Markus.

"Ich habe mich bewusst entschieden, keine Experten und Aktivisten zu Wort kommen zu lassen. Dann wäre eine Wand zwischen den Protagonisten und den Zuschauern aufgebaut worden und man hätte sich entspannt im Kinosessel zurücklehnen und sagen können: 'Die machen schlimme Sachen dort, zerstören die Umwelt - und die Experten bestätigen das'", erzählte Dokumentarfilmerin Jasmin Herold im Dlf.

Wir haben noch länger mit Jasmin Herold gesprochen - hören Sie hier die Langfassung des Corsogesprächs

Sie habe sich sehr für die persönliche Lebens- und Arbeitssituation ihrer Protagonist*innen interessiert und so auch das Vertrauen gewonnen. Ihr Mann hat vor Ort während der Dreharbeiten das Theater geleitet. "Er führte ein Doppelleben. Wenn er nicht mit am Film arbeitete, ging er ins Büro und musste sich bei den Ölfirmen bedanken, wenn sie wieder ein Theaterstück, ein Event, gesponsert hatten", so Herold.

Biblischer Brand hat nichts geändert

Die größte Herausforderung für sie persönlich sei es gewesen, einerseits den Menschen gerecht zu werden, andererseits die Umweltkatastrophen nicht auszublenden.

Als es 2016 einen Brand von biblischem Ausmaß gab, seien mehr als 25.000 Menschen nicht mehr nach Fort McMurray zurückgekehrt, aber für alle anderen habe sich nichts geändert. "Es geht weiter", so Herold. Sie selbst habe nach ihrer Rückkehr viel verändert, sie fahre kein Auto mehr, benutze das Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel, kaufe auf dem Markt ein und sei glücklich, dass es die "Fridays for Future"-Bewegung gebe. "Es vermittelt mir das Gefühl, dass mein Film nicht sinnlos ist."

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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