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Startseite4. Sportkonferenz am 1. Oktober 2014Das war die 4. Sportkonferenz im Deutschlandfunk01.10.2014

DokumentationDas war die 4. Sportkonferenz im Deutschlandfunk

Am 1.10. fand die 4. Sportkonferenz im Deutschlandfunk "Erfolg ohne Grenzen? - Der deutsche Spitzensport 25 Jahre nach dem Mauerfall" statt. An dieser Stelle können Sie nachlesen, was im Kammermusiksaal im Kölner Funkhaus präsentiert, diskutiert und hinterfragt worden ist.

Von Arne Lichtenberg und Victoria Reith

Der ehemalige Boxer Henry Maske auf der DFL-Sportkonferenz. (DLF / Jessica Sturmberg)
Der ehemalige Boxer Henry Maske auf der DFL-Sportkonferenz. (DLF / Jessica Sturmberg)
Weiterführende Information

Zwei Ruderer im Kampf der Systeme
(Deutschlandfunk, 4. Sportkonferenz am 1. Oktober 2014, 01.10.2014)

Die schwierige Zusammenführung von Ost und West
(Deutschlandfunk, 4. Sportkonferenz am 1. Oktober 2014, 01.10.2014)

Sportförderung - Wie kann der deutsche Sport wieder spitze werden?
(Deutschlandfunk, 4. Sportkonferenz am 1. Oktober 2014, 01.10.2014)

Wie kann Leistungssport in Deutschland funktionieren? Das ist die Frage, die im Zentrum der 4. Sportkonferenz im Deutschlandfunk steht.

Sport-Redaktionsleiterin Astrid Rawohl eröffnete die Konferenz mit dem Satz: "25 Jahre nach dem Mauerfall kann es für diesen Sender nur um den deutschen Spitzensportler gehen." Chefredakteurin Birgit Wentzien grüßte im Anschluss die Gäste im Kölner Funkhaus mit der These: "Wir müssten längst fragen, wie viele Unterschiede halten wir aus?" - statt immer auf die Angleichungen zwischen Ost und West zu warten. Mit den Worten "Keep on Rocking" gab sie die Bühne frei.

Ruderer erzählen vom Kampf der Systeme

Moderator Philipp May und die ehemaligen Ruderer Thomas Lange (Team DDR) und Peter-Michael Kolbe (Team BRD) ließen ein besonderes Duell der Systeme Revue passieren, in dem die Ruderer die Hauptdarsteller waren, akustisch untermalt mit Live-Reportagen aus dem BRD- und DDR-Rundfunk. Das Finale der Olympischen Spiele von Seoul 1988 im Einer hatte der elf Jahre jüngere Lange für sich entschieden.

Auch Doping in Ost und West war ein Thema der Diskussion, das beiden Gesprächspartnern viel abverlangte – Lange hat nach eigenen Angaben nicht bewusst gedopt, kann aber nicht ausschließen, dass ihm Mittel verabreicht wurde. Kolbe, dessen Name im Zusammenhang mit der „Kolbespritze" Berühmtheit erlangte, half nach – mit einem Mittel, über dessen Nebenwirkungen man ihn im Unklaren gelassen habe.

Kösters wirft West-Sport schwere Versäumnisse vor

Zur zweiten Diskussionsrunde hatte Moderator Herbert Fischer-Solms die letzte DDR-Sportministerin Cordula Schubert und den ehemaligen Referatsleiter im Bundesinnenministerium Ferdinand Kösters zu Gast. Beide hatten in der Wendezeit aktiv am Übergang der beiden Sportsysteme mitgewirkt.

Dabei warf Kösters dem westdeutschen Sport schwere Versäumnisse vor. "Man hatte in der DDR große Erfolge im Sport, die Strukturen hätte man sichern und retten müssen, um ein bestimmtes Niveau zu erhalten." Dies sei im Einigungsvertrag fahrlässig versäumt worden. Cordula Schubert, die in der ersten frei gewählten DDR-Regierung von Lothar de Maizière, als Sportministerin aktiv war, sagte angesprochen auf das Thema Doping in der DDR. "Es war ein öffentliches Geheimnis in der DDR, dass es flächendeckendes Doping gab." Wer etwas anderes behaupte, müsse wohl mit Scheuklappen durchs Leben gelaufen sein.

Mit dem Thema Sportförderung beschäftigte sich "Nebenjob Weltmeister", der Abschlussfilm der 52K der Deutschen Journalistenschule. Die 15 Nachwuchsjournalisten haben mit Sportlern gesprochen, die mit dem Fördersystem nicht zufrieden sind, am Existenzminimum leben oder sogar aufgrund finanzieller Schwierigkeiten aufgehört haben. Die verantwortlichen Redakteure Yannick Lowin und Francesco Giammarco erklärten, dass sie bewusst die Sichtweise der Sportler ins Zentrum des Films stellen wollten. Für das deutsche Innenministerium stehen Medaillenerfolge als Ziel der finanziellen Unterstützung durch den Bund im Vordergrund.

Kritik an der deutschen Sportförderung

In der Abschlussdiskussion schilderte die Triathletin Annika Vössing ihren Trainingsalltag, den sie mühsam versucht mit ihrem Medizinstudium zu verbinden. Was den ehemaligen Box-Weltmeister Henry Maske zu der Aussage nötigte: "Wie kann es sein, dass man Spitzensport betreibt, aber manchmal nicht trainiert?"

Maske schilderte eindrücklich, wie er in seiner Schulzeit an einer DDR-Sportschule gefördert worden sei. So habe er für sein Abitur drei Jahre Zeit gehabt und während seines Studiums kam ein Lektor zu ihm in die Sportschule. Zustände, von denen Vössing nur träumen kann. Das Dilemma in Deutschland sei die Fixierung auf Medaillen, was viele auf dem Podium bemängelten.

Maske gewährte auch noch einen kleinen Einblick in das Förderkonzept der neuen "Deutschen Sportlotterie", die Athleten nach dem Vorbild aus Großbritannien unterstützen soll. Christoph Niessen, der Vorstandsvorsitzenden des Landessportbundes NRW begrüßte das neue Modell: "Jede Idee, die zusätzliches Geld in dieses System bringt, ist gut." Maske merkte aber auch an, dass Geld allein keine Garantie ist, es in die Weltspitze zu schaffen - aber die Grundvoraussetzungen schaffe.

Bilder von der SportkonferenzDie Triathletin Annika Vössing, im Hintergrund ist Christoph Niessen vom Landessportbund NRW zu sehenHenry Maske diskutierte über die Zukunft des Spitzensports in DeutschlandDLF-Redakteur Philipp May (l.) mit den früheren Einer-Ruderern aus DDR und BRD, Thomas Lange (M.) und Peter-Michael KolbeDer frühere Vorsitzende des NOK in der Bundesrepublik, Walther TrögerDagmar Freitag, Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen BundestagFerdinand Kösters, ehemaliger Referatsleiter im BundesinnenministeriumDie Sportkonferenz - bereit zur DiskussionDLF-Chefredakteurin Birgit Wentzien bei ihrem GrußwortAstrid Rawohl, Sportchefin beim Deutschlandfunk, begrüßt die GästePeter-Michael Kolbe bei der SportkonferenzDer Autor und Historiker Erik Eggers bei der DiskussionDer Sportrechtler Michael Lehner



Programm

15:30 bis 16:00 Uhr

Einlass
Begrüßung durch Birgit Wentzien, Chefredakteurin und Astrid Rawohl, Redaktionsleiterin Sport

16:00 bis 17:00 Uhr
Der Zweikampf der Systeme - Das Duell DDR vs. BRD
Die Ruderer Thomas Lange (Team DDR) und Peter-Michael Kolbe (Team BRD) erzählen von ihrem Duell bei den Olympischen Spielen von 1988 in Seoul.
Moderation: Philipp May

17:00 bis 18:00 Uhr

Die Zusammenführung der Systeme - Der Transformationsprozess 1989/90
Ferdinand Kösters, der ehemalige Referatsleiter im Bundesinnenministerium und Autor des Buches
"Verschenkter Lorbeer - Sportpolitik in Deutschland zur Zeit der Wende 1989/90", und Cordula Schubert, letzte DDR-Sportministerin, heute im sächsischen Sozialministerium, berichten aus der Zeit des Übergangs.
Moderation: Herbert Fischer-Solms

18:00 bis 18:30 Uhr

Das heutige System - Filmvorführung "Nebenjob Weltmeister"
Ein Projekt der Klasse "52K" der Deutschen Journalistenschule in München.
 
19:00 bis 20:30 Uhr

Das künftige System? Der Weg des deutschen Spitzensports
Dagmar Freitag, Vorsitzende des Bundestags-Sportausschusses, diskutiert mit der Triathletin Annika Vössing, dem Vorstandsvorsitzenden des Landessportbundes NRW, Christoph Niessen sowie mit Henry Maske, ehemaliger Box-Olympia-Sieger, -Weltmeister sowie Gesellschafter der neuen "Deutschen Sportlotterie"
Moderation: Moritz Küpper

20:30 bis 22:00 Uhr
Ausklang

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